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Private Equity: Finanzierungsboom jäh gebremst

Vollbremsung oder nur ein kurzes Durchatmen? Die Banken haben die Leverage-Bonanza am deutschen Private-Equity-Markt erstmal gestoppt.
Petar Zigich/Thinkstock/Getty Images

Der Absturz kam plötzlich: Nach einer Reihe schwacher Konjunkturdaten ist der Dax Ende September/Anfang Oktober binnen drei Wochen um fast 15 Prozent eingebrochen. Inzwischen sind die Schockwellen auch am deutschen Private-Equity-Markt zu spüren, wie FINANCE aus mehreren Quellen erfahren hat. Vor allem Banken haben in aktuellen Verkaufsprozessen kurz vor der Ziellinie ihre Finanzierungszusagen eingeschränkt. Damit klafft bei mehreren bereits fast fertig ausgehandelten Deals beim Kaufpreis nun plötzlich eine Lücke in Höhe von mehreren Millionen Euro, welche die PE-Investoren nicht so ohne weiteres bereit sind, mit zusätzlichem Eigenkapital zu füllen.

Die Reaktion der Banken auf die Nervosität an den Finanzmärkten ist nur auf den ersten Blick verwunderlich. Doch hat der deutsche PE-Finanzierungsmarkt im Oktober ein Niveau erreicht hat, das das Risiko einer kräftigen Korrektur deutlich erhöht hat. Wie das heute veröffentlichte FINANCE Private Equity Panel zeigt, haben die Banken in den ersten neun Monaten dieses Jahres ihre Vorsicht nahezu komplett über Bord geworfen und die PE-Investoren mit aggressiven Finanzierungszusagen und Underwritings praktisch überschüttet.

So stieg die Einschätzung der rund 40 von FINANCE und der Kanzlei CMS Hasche Sigle anonym befragten PE-Häuser zum Finanzierungsumfeld zuletzt auf ein Allzeithoch von 8,03 Punkten bei der Finanzierungs-Verfügbarkeit und 6,94 Punkten bei den Finanzierungs-Konditionen, wobei 1 für ein extrem restriktives und 10 für ein exzellentes Finanzierungsumfeld steht. Kurz: Die Banken im deutschen Leveraged-Finance-Markt sind mit Vollgas in den Mini-Crash hinein gerast.   

Kaufpreise werden wohl schon in Kürze zu sinken beginnen

Ob sich die aktuelle Verunsicherung am PE-Markt zu einer ausgewachsenen Flaute ausweitet, wird auch von der aktuellen Geschäftsentwicklung der von den PE-Investoren gehaltenen Unternehmen abhängen. Dort deutet sich nach Zahlen des FINANCE Private Equity Panels jedoch bislang nur eine leichte Abschwächung an. So sank die Erwartung der PE-Investoren an die Geschäftsaussichten ihrer Portfoliounternehmen gegenüber der Mai-Befragung lediglich von 6,97 auf 6,47 Punkte.

Dennoch werden die aktuell aufgerufenen Kaufpreise von den meisten PE-Investoren als teuer empfunden. Auf einer Skala von 1 (teuer) bis 10 (günstig) werden die Kaufpreise für Neu-Investments aktuell mit lediglich 3,71 Punkten bewertet. Joachim Dietrich, Partner bei CMS Hasche Sigle, glaubt, dass sich das Umfeld für die PE-Investoren stärker eintrüben könnte: „Es ist fraglich, ob es so bleibt, dass sich die negativen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen nicht auf die Geschäftsaussichten auswirken. Sinkende Kaufpreise aufgrund verschlechterter Geschäftsaussichten sind zumindest nicht ausgeschlossen“, meint der Private-Equity-Spezialist.

Das Risiko: Wenn die Geschäfte sich jetzt ausgerechnet im Herbst abschwächen, ist nicht nur der nächste Jahresabschluss getrübt, sondern auch der Forecast für das kommende Jahr – eine schwere Hypothek für einen M&A-Prozess. Sofern die Unternehmen zu schwächeln beginnen und die Banken nicht rasch wieder auf ihren optimistischen, aggressiven Kurs einschwenken, werden die Kaufpreise am deutschen Private-Equity-Markt schon in den nächsten Wochen spürbar unter Druck geraten – pünktlich zum traditionell wichtigen Jahresendgeschäft. Das Timing könnte schlechter kaum sein.

Info

Die ausführlichen Ergebnisse des aktuellen FINANCE Private Equity Panels stehen Ihnen zum kostenlosen Download zur Verfügung.

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