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Rodenstock bekommt den vierten PE-Eigentümer

Rodenstock erhält erneut einen neuen Eigentümer. Der Private-Equity-Investor Apax will den Brillenhersteller übernehmen – eine Bewertung von 1,5 Milliarden Euro steht im Raum.
Fxquadro/stock.adobe.com

Der Private-Equity-Investor Apax übernimmt den Münchener Brillenhersteller Rodenstock. Verkäufer ist der Finanzinvestor Compass Partners. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters berichten unter Berufung auf Insider über einen Unternehmenswert von 1,5 Milliarden Euro inklusive Schulden. Beraten wurde Apax bei dem Deal von Linklaters als Rechtsberater sowie von PwC als Finanz- und Steuerberater.

Rodenstock seit 20 Jahren in Private-Equity-Hand

Die Transaktion, die bis Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein soll, würde Apex zum vierten PE-Eigentümer Rodenstocks innerhalb von 20 Jahren machen. Nach einer fehlgeschlagenen Marktexpansion über den großen Teich in die USA, hatte das damalige Familienunternehmen seine Anteile im Jahr 2003 an die Private-Equity-Gesellschaft Permira veräußert, welche wiederum 2006 an den PE-Investor Bridgepoint verkaufte. Bridgepoint behielt seine Anteile zehn Jahre und verkaufte schließlich an den jetzigen Besitzer Compass.

Apax will Rodenstock frisches Kapital für die weitere Expansion zuschießen. Das Unternehmen will bis zu dreimal so stark wachsen wie der Markt, kündigte Rodenstock-CEO Anders Hedegaard im Interview mit dem „Handelsblatt“ an. Durch das Corona-Jahr sei man gut gekommen, nach einem Einbruch im Frühjahr sei die Nachfrage zum Ende des Jahres hin sehr stark gestiegen.

Aktuelle Zahlen sind aber noch nicht verfügbar. 2019 legte der Brillenhersteller um 6 Prozent auf 450 Millionen Euro zu, der operative Gewinn wuchs um 13 Prozent auf 103 Millionen Euro. Gemessen an diesem Gewinn läge der Transaktion ein Multiple von 14,6x zugrunde. Rodenstock hat 4.900 Mitarbeiter und ist in mehr als 85 Ländern vertreten.

Rodenstock setzt auf neuartige Messtechnik

Seine Wachstumsambitionen sieht Rodenstock in einer innovativen Technologie begründet. Als der laut eigenen Angaben bisher erste Brillenhersteller seiner Art verfügt Rodenstock über die Technologie, eine biometrische Messung des Auges vorzunehmen. Damit lasse sich die Größe und Form des Auges individuell bestimmen und die Brillengläser dementsprechend auf die persönlichen Bedürfnisse anfertigen. Diese Technologie sei auch ein wichtiger Wachstumstreiber 2020 gewesen. 

Das 1877 gegründete Unternehmen sieht sich selbst zunehmend als Medizintechniker – das macht die Münchener für die Healthcare-Sparte von Apax attraktiv. Das Healthcare-Team hat in der Vergangenheit beispielsweise in Candela investiert, ein Unternehmen für medizinisch-ästhetische Anwendungen wie die Behandlung von Narben oder Falten. Ein anderes Investment aus diesem Sektor war der Hersteller von Wundpflegeprodukten Acelity.

Aufgrund einer immer älter werdenden Weltbevölkerung, ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Brillen stetig steigen wird. Für die Brillenhersteller bedeutet das, sich neu aufstellen zu müssen – in einem immer stärker konsolidierten Markt. Vor diesem Hintergrund ist auch die Fusion zwischen Luxottica und Essilor zum weltweit größten Produzenten von Brillen einzuordnen, der – nun unter dem neuen Namen EssilorLuxottica – erst gestern von der EU die Zusage zur Akquisition des niederländischen Augenoptik-Einzelhändlers GrandVision erhalten hat. 

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

Info

Noch mehr Hintergrundinformationen zu Finanzinvestoren finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Private Equity.

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