Inside Corporate Banking

Abonnements

Startseite Deals Deutschland So verändert Corona Private-Equity-Reportings

FINANCE+

So verändert Corona Private-Equity-Reportings

Die Coronakrise hat auch Auswirkungen auf die Reportings von Private-Equity-finanzierten Unternehmen. Drei Erfahrungsberichte
conceptcafe - stock.adobe.com

Noch immer sind die Auswirkungen der Coronavirus-Krise kaum abzuschätzen, zuverlässige längerfristige Forecasts und Budgetierungen fast unmöglich. Wie lange die Krise noch anhalten wird und mit welchen weiteren Einschlägen Unternehmen rechnen müssen, weiß keiner.

Eine Herausforderung, die auch Private-Equity-finanzierte Unternehmen trifft – mit dem Unterschied, dass sie ihre Business-Pläne und Krisenmaßnahmen zusätzlich vor dem Finanzinvestor rechtfertigen müssen, der wiederum selbst sein Investment vor seinen Geldgebern verteidigen muss.

Das hat auch Folgen für das Reporting von PE-Portfoliounternehmen: Die meisten Firmen in Private-Equity-Hand müssen derzeit häufiger an ihren Finanzinvestor berichten als früher, sich unangenehmere Fragen gefallen lassen und Mitsprache bei Krisenmaßnahmen gewähren. Doch wie genau hat sich die Kommunikation zwischen Private Equity und Unternehmen verändert?

Private-Equity-CFOs müssen wöchentlich berichten

Auf den ersten Blick ist trotz Corona vieles noch beim Alten. „An unserem Reporting-Zyklus – einmal monatlich ein tabellarisches Finanz-Reporting und ein detaillierter CFO-Report sowie Beiratssitzungen in jedem Quartal – hat sich nichts geändert“, berichtet ein Finanzchef eines Private-Equity-finanzierten Unternehmens, der anonym bleiben möchte. Die Berichte enthalten in der Regel eine konsolidierte Gewinn- und Verlustrechnung, die Bilanz und die Cashflow-Entwicklung. Zudem kann der Finanzinvestor dem Reporting Volumina, Umsätze und Margen für einzelne Produktgruppen und Segmente entnehmen.

Diese Reporting-Intensität reflektiert eine gewisse Normalisierung gegenüber dem Frühjahr und Sommer, als die Investoren noch öfter den Kontakt zu diesem Management suchten: „Im Frühjahr mussten wir zusätzlich wöchentliche Liquiditäts-Updates anfertigen, die drei Monate in die Zukunft reichen. Außerdem haben wir wöchentlich mit dem Investor telefoniert“, erinnert sich der CFO. Das Gefühl, das der Eigentümer ihm und seinem Vorstandskollegen vermittelte: Nervosität.

Corona macht Private Equity nervös

„Wir haben gespürt, dass unser Investor nervös ist und ganz genau wissen will, wie uns die Krise trifft“, so der Finanzchef. Früher hatte der Finanzchef nur Ad-hoc-Kontakt mit dem Private-Equity-Investor, wenn aktuelle Themen wie Finanzierungen  anstanden. Nun musste sich der Finanzchef auch zwischendurch unangenehmere Fragen nach der Liquiditätsentwicklung und den Baustellen im Unternehmen gefallen lassen.

Nach einigen Monaten habe sich aber herausgestellt, dass das Unternehmen relativ gut durch die Krise kommt. Danach hätten die Rückfragen wieder abgenommen. Trotzdem bemerkte der CFO, dass dem Unternehmen nach wie vor mehr Aufmerksamkeit als vor der Krise geschenkt wird: „Bei unseren Meetings ist ein größerer Investorenkreis in höherrangigerer Besetzung anwesend.“

Ins operative Geschäft habe der Private-Equity-Investor zwar nicht eingegriffen, doch bei den Krisenmaßnahmen wolle er mitreden: „Um die Krise abzufedern, haben wir unter anderem unsere Investitionsausgaben reduziert, längere Zahlungsziele mit Lieferanten vereinbart und alle verfügbaren Kreditlinien gezogen. Das haben wir gemeinsam mit unserem Finanzinvestor auf den Weg gebracht.“

„Bei unseren Meetings ist ein größerer Investorenkreis in höherrangigerer Besetzung anwesend.“

Ein CFO eines Private-Equity-finanzierten Unternehmens

Private Equity verlangt dynamische Forecasts

Eine etwas andere Erfahrung hat die Finanzchefin eines zweiten PE-finanzierten Unternehmens gemacht, die ebenfalls anonym bleiben möchte: Kurze Leine, aber business as usual. „Private Equity bedeutet immer Druck, denn vereinbarte Finanzkennzahlen und Ziele sind verbindlich. Der Finanzinvestor erwartet, dass wir Krisenmaßnahmen aktiv anstoßen, und das haben wir auch getan.“ Das Unternehmen hat einen Teil der Belegschaft in Kurzarbeit geschickt und versucht, die Finanzabteilung noch stärker mit den anderen Abteilungen zu verzahnen, um Zahlungsflüsse besser kontrollieren zu können.

Mit Blick auf das Reporting hat die Finanzchefin zwei Veränderungen beobachtet: Der Finanzinvestor hat ein höheres Informationsbedürfnis, und das Forecasting wird dynamischer. „Obwohl wir keine existentiellen Feuer zu löschen hatten und in einzelnen Segmenten sogar ein Corona-bedingtes Wachstum verzeichneten, mussten wir unseren Wasserstand wöchentlich berichten“, so die CFO.

„Obwohl wir in einzelnen Segmenten sogar ein Corona-bedingtes Wachstum verzeichneten, mussten wir unseren Wasserstand wöchentlich berichten.“

Eine Finanzchefin eines Private-Equity-finanzierten Unternehmens

Zudem musste das Unternehmen einen wöchentlichen Forecast auflegen, der alle drei Monate rolliert und zum Teil bis in das Jahr 2021 hinein reicht. Zuvor setze die Finanzchefin neben der üblichen monatlichen Berichterstattung auf Quartals-Reportings mit Forecasts für das laufende Geschäftsjahr. Mit dem Plus an Dynamik hoffen Finanzinvestor und Unternehmen, Chancen und Risiken der Krise präziser quantifizieren zu können, um dadurch bessere Geschäftsentscheidungen zu treffen.

Hannover Finanz erstellt „Corona-Heatmap“

Goetz Hertz-Eichenrode, Vorstandssprecher der Hannover Finanz, ordnet diese Vorgehensweisen aus Sicht des Investors ein: „Wir haben unsere Reporting-Systeme nicht grundlegend verändert, auch die Frequenz der turnusmäßigen Berichterstattung ist gleich geblieben. Aber wir pflegen einen engeren Austausch mit unseren Portfoliounternehmen, zum Beispiel über regelmäßige Videokonferenzen, auch mehrmals wöchentlich.“ Das betreffe vor allem die Firmen, die die Auswirkungen der Krise deutlicher zu spüren bekommen.

Zudem habe die Krise dafür gesorgt, dass der Finanzinvestor seine Investmentthesen bei den jeweiligen Unternehmen stärker hinterfragt und die Budgetierung insgesamt etwas konservativer angeht. Hertz-Eichenrode ist der Meinung, dass er damit die Anforderungen an seine CFOs in Sachen Reporting nicht groß verändert: „Wir haben eher unser internes Monitoring überarbeitet und zum Beispiel eine ‚Corona-Heatmap‘ für alle unsere Portfoliounternehmen erstellt.“

In dieser sogenannten Heatmap sind alle Unternehmen der Hannover Finanz geclustert – nach der Entwicklung bei Auftragsbestand, Umsatz, Gewinn, der Liquidität und den Krisenauswirkungen. So haben alle Investment-Professionals jederzeit einen Überblick darüber, wie sich einzelne Unternehmen in der Krise schlagen, aber auch, wie das gesamte Portfolio die Krise übersteht.

CFOs wollen Corona-Reporting beibehalten

Weil sich die „Corona-Heatmap“ als nützlich erwiesen hat, will die Hannover Finanz sie auch nach der Coronakrise weiter nutzen – allerdings mit leichten inhaltlichen Anpassungen wie zum Beispiel einem neuen, integrierten internen Rating-System.

Den größeren Reporting-Aufwand wollen auch die Private-Equity-CFOs zum Teil in die Post-Corona-Zeit mitnehmen. „Vor allem die Dynamik im Forecasting wollen wir beibehalten“, gibt die Finanzchefin die Marschrichtung vor. Für ihren CFO-Kollegen steht daneben noch ein weiterer Aspekt im Fokus: „Die Coronakrise hat uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig die eigene Liquidität ist. Diesen Punkt werden wir auch nach Corona in unserem Reporting verankern.“

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Noch mehr Hintergrundinformationen zu Finanzinvestoren finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Private Equity

+ posts

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

FINANCE Wirecard-Dossier

Sichern Sie sich das kostenlose Wirecard-Dossier zum größten Bilanzskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Jetzt kompakt als PDF-Datei für die FINANCE-Community.

Jetzt kostenlos herunterladen