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M&A-Deals: Siemens, Haniel, Bosch

Die Beteiligung an Celesio hat Haniel bereits reduziert. Auch Metro-Anteilte stehen zum Verkauf.
Haniel

Haniel reduziert Celesio-Beteiligung

Die Unternehmensgruppe Franz Haniel hat in dieser Woche ihre Beteiligung am Pharmahändler Celesio im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens um 4,6 Prozent reduziert. Haniel verkaufte 7,9 Mio. Aktien zum Kurs von 12,60 Euro und erzielte damit 100 Mio. Euro. Haniel hält nach wie vor 50,01 Prozent an Celesio. Das Angebot war fünffach überzeichnet. Die Aktien wurden bei institutionellen Anlegern durch die Deutsche Bank platziert. Haniel hat sich in einer Lock-up-Erklärung verpflichtet, in den kommenden sechs Monaten die Beteiligung an Celesio nicht weiter zu reduzieren.

Haniel plant im Laufe der kommenden 18 Monate auch den Verkauf von 13,7 Mio. Aktien des Unternehmens Metro, um seine Schulden zu reduzieren. Die Beteiligung würde damit von 34,24 auf 30,01 Prozent sinken. Weitere 150 Millionen Euro sollen aus dem Verkauf „nicht-strategischer Vermögenswerte“ in die Kasse fließen. Ziel ist es, die Verschuldung auf Holdingebene von derzeit rund 2,4 auf unter 2 Mrd. Euro zu senken.

Siemens kauft Invensys und verkauft Paketgeschäft

Kurz vor Jahresende bahnt sich doch noch einmal ein großer M&A-Deal an: Der Konzern Siemens hat Übernahmepläne für Invensys Rail angekündigt. Der Kaufpreis liegt bei 2,2 Mrd. Euro (etwa 1,74 Mrd. Britische Pfund). Invensys setzt jährlich etwa 800 Mio. Pfund um. Der Zukauf wäre für Siemens eine gute Ergänzung: Invensys Rail hat eine starke Präsenz in Großbritannien, Spanien, den USA und Australien, während Siemens Rail Automation vorwiegend in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie in China und Indien präsent ist. Siemens erwartet durch den M&A-Deal Kosteneinsparungen in Einkauf, Entwicklung und Vertrieb. Synergieeffekte von mehr als 100 Mio. Euro sollen bis 2018 vollständig realisiert sein. Die Aktionäre von Invensys und die Behörden müssen dem M&A-Deal allerdings noch zustimmen. Der Abschluss wird für das zweite Quartal 2013 erwartet.

Im Gegenzug wollen die Münchener das Geschäft mit Gepäckabfertigung, Brief- und Paketsortierung verkaufen. Es bietet dem Unternehmen zufolge nur wenige Synergien mit anderen Siemens-Divisionen. Das Geschäft liefere eine mittlere einstellige Ergebnismarge bei einem Umsatz von rund 900 Mio. Euro.

Bosch, Knorr-Bremse und ZF vor Automotive-Joint-Venture

Die Unternehmen Robert Bosch, Knorr-Bremse und ZF Friedrichshafen wollen ein Joint-Venture gründen. Das neue Unternehmen soll Dienstleistungen für Nutzfahrzeugwerkstätten anbieten.

Die Gründung muss von den Kartellbehörden noch genehmigt werden. Von Mitte 2013 an soll das Joint-Venture mit Sitz in München zunächst in Deutschland und dann schrittweise in weiteren europäischen Ländern seine Dienste anbieten. Zu finanziellen Details der Transaktion wurde nichts bekannt.

Danone-Sparte geht an Hochland

Das Unternehmen Hochland hat von Danone die Produktsparten Hüttenkäse und Kräuterquark sowie die Rechte an der Marke Gervais in Deutschland übernommen. Die Kartellbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Übernahme des Vertriebs soll bis zum 31. März abgeschlossen sein, die Danone-Molkerei wird die Produkte zunächst weiter für Hochland produzieren. Danone will sich künftig stärker auf Produkte unter der eigenen Marke konzentrieren.

Buzzi: Squeeze-Out bei Dyckerhoff möglich

Der italienische Hauptaktionär Buzzi Unicem hat seine Beteiligung am Zementkonzern Dyckerhoff auf 96,6 Prozent des Grundkapitals aufgestockt. Damit ist nun ein Squeeze-out der verbliebenen Aktionäre möglich. Eine Entscheidung darüber hatte Buzzi zunächst nicht getroffen. Seit Beginn des Jahres haben die Italiener 71,7 Mio. Euro in Dyckerhoff-Aktien investiert.

BASF schließt Becker-Underwood-Zukauf ab

Der Chemiekonzern BASF hat die Akquisition des Produzenten von Pflanzenschutzmitteln Becker Underwood abgeschlossen. BASF hatte im September angekündigt, Becker Underwood für 1,02 Mrd. US-Dollar (785 Mio. Euro) von der US-Beteiligungsgesellschaft Norwest Equity Partners übernehmen zu wollen.

In den kommenden Monaten soll ein gemeinsames Team aus Mitarbeitern von BASF und Becker Underwood einen Integrationsplan ausarbeiten. Die meisten Aktivitäten von werden in der neuen BASF-Geschäftseinheit Functional Crop Care aufgehen, die zum 1. Januar 2013 ihre Arbeit aufnehmen wird. Die Leitung übernimmt Dr. Jürgen Huff als Senior Vice President. Dr. Peter Innes, derzeit CEO von Becker Underwood, wird als Global Senior Advisor die Integration und den Aufbau der Einheit begleiten. Der BASF-Unternehmensbereich Crop Protection erzielte im Jahr 2011 einen Umsatz von rund 4,2 Mrd. Euro.

Nord Holding verkauft Heytex an DBAG

Die Beteiligungsgesellschaft Nord Holding hat ihr Portfoliounternehmen HeytexBramsche (erwarteter Umsatz 2012 ca. 80 Mio. Euro) im Rahmen eines Management-Buy-outs mehrheitlich an die DBAG verkauft. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen, ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Die DBAG teilte mit, sie werde bis zu 6,6 Mio. Euro aus ihrer Bilanz investieren und künftig bis zu 19 Prozent an Heytex halten. Die übrigen Anteile werden der parallel investierende DBAG Fund V und Mitglieder des Heytex-Managements kaufen.  Die Nord Holding hält ebenfalls weiterhin 10 Prozent an dem Textilunternehmen.

Heytex ist aus dem früheren Unternehmen Heywinkel hervorgegangen, das Nord 2007 von der Karmann-Gruppe gekauft hatte. Durch den Carve-out war Heywinkel von der Karmann-Insolvenz im Frühjahr 2009 nicht betroffen. Karmann wurde inzwischen von VW übernommen. Am Heytex-Schwesterunternehmen Heyform bleibt Nord weiterhin mit 98 Prozent beteiligt. Ein Team von CMS Hasche Sigle um Lead Partner Dr. Oliver Wolfgramm hat die Nord Holding bei dem M&A-Deal beraten.

Bayer HealthCare übernimmt Radimetrics

Bayer HealthCare hat in dieser Woche die Übernahme des kanadischen Medizinsoftwareunternehmens Radimetrics angekündigt. Die Mitarbeiter von Radimetrics in Toronto und Schottland werden künftig im Bayer-Konzern die Informatikgruppe im Bereich Radiology & Interventional verstärken. Über finanzielle Details der Transaktion wurde nichts bekannt.

Siemens plant Spin-off für Osram

Siemens hat neue Pläne zur Abspaltung seiner Lichttochter Osram vorgelegt. Aufsichtsrat und Vorstand wollen 80,5 Prozent der Aktivitäten abspalten und Osram an die Börse bringen. Nach dem Spin-off würde Siemens 17 Prozent und der Siemens Pension Trust 2,5 Prozent an Osram halten. Die Hauptversammlung muss den Plänen im Januar mit Drei-Viertel-Mehrheit zustimmen. Die Osram-Abspaltung ist bei Siemens inzwischen ein Dauerbrenner. Ursprünglich war ein IPO-Anlauf in diesem Jahr vorgesehen. Kürzlich hatte Siemens bereits einige rechtliche Vorbereitungen für die Abspaltung getroffen.

M&A-News: Personalien

Jossip Hesse (42) ist neuer Partner im Essener Büro von Buse Heberer Fromm. Er ist auf transaktionsbezogene Rechts- und Steuerberatung spezialisiert und leitete zuletzt im Competence Center Transactions von RölfsPartner den Bereich M&A Tax in Düsseldorf. Von 2007 bis 2010 war Hesse Standortleiter von KPMG Law in Bremen. Zu Buse Heberer Fromm kam Hesse über einen Kontakt zu Dr. Mathias Maria Knorr, beide kennen sich aus früheren gemeinsamen Projekten bei KPMG Law.

Dr. Andreas Muschter (40) wird zum 1. Januar Vorstandssprecher bei Commerz Real. Er folgt dort auf Michael Bücker, der als Firmenkundenvorstand zur BayernLB wechselt. Muschter ist seit Ende 2009 Finanzvorstand von Commerz Real und arbeitete zuvor im Bereich Group Development & Strategy der Commerzbank. Dort war er von 2007 an für das M&A-Geschäft des Konzerns verantwortlich und war damit maßgeblich im Projekt der Dresdner Bank-Übernahme involviert.

Dr. Alexandra Schluck-Amend und Dr. Thomas Meyding, beide Partner von CMS Hasche Sigle, sind Herausgeber des Buchs „Der Unternehmenskauf in Krise und Insolvenz“. Es soll Käufern, Verkäufern und Beratern praxisorientierte Hinweise zur Gestaltung eines M&A-Deals in Krise und Insolvenz geben. Das Buch ist in dieser Woche im Richard Boorberg Verlag erschienen.

Weitere M&A-Deals der Woche

Der Automobilzulieferer Mahle will RTI Technologies (Umsatz 2011 ca. 14,7 Mio. US-Dollar) von Robert Bosch übernehmen. RTI entwickelt und vertreibt Autowartungsgeräte. Der M&A-Deal soll bis zum Jahreswechsel abgeschlossen sein. Mahle bezeichnete die Transaktion als Gelegenheit, das Geschäft für Werkstattausrüstung zu erweitern und damit einen wichtigen Vertriebsweg zu erweitern.

Die Unternehmen Buchbinder Rent a Car und Terstappen Autovermietung wollen sich zusammenschließen. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht genannt. Terstappen wurde von @visory Partners beraten.

Der Motorenbauer Deutz hat seine Rohrfertigung am Standort Köln-Deutz zum 1. April an das Unternehmen Terre Deutschland verkauft. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem Outsourcing der Rohrfertigung will Deutz die Wertschöpfungskette optimieren. Terre und Deutz haben einen langfristigen Liefervertrag für Rohre und Rohrleitungen vereinbart.

Der österreichische Automobilzulieferer MWS-Gruppe hat zwei Aluminiumgusswerke in Garching und Friedrichshafen von der in der Schweiz börsennotierten Georg Fischer AG (Umsatz ca. 3,6 Mrd. Schweizer Franken) übernommen. Ein Team der Kanzlei Orrick Hölters & Elsing um Dr. Jörg Ritter, Dr. Andrès Martin-Ehlers und Jutta Schneider hat MWS beraten. Durch den Zukauf steigt der Umsatz von MWS von 30 auf 140 Mio. Euro.

Das Liechtensteiner Dentalunternehmen Ivoclar Vivadent hat die Übernahme von Wieland Dental (Umsatz ca. 60 Mio. Euro) bekanntgegeben. Die Transaktion soll in diesem Quartal abgeschlossen werden, das Bundeskartellamt muss noch zustimmen. Ivoclar übernimmt die Anteile von der Beteiligungsgesellschaft BWK und der Gründerfamilie Wieland.

SensoMotoric Instruments (SMI) hat seinen Ophthalmologiebereich an WaveLight, ein Unternehmen der Alcon-Gruppe, verkauft. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Ein Team von Clifford Chance unter Federführung von Partner Dr. Thomas Krecek hat SMI beraten.

Der deutsche Finanzinvestor Perusa Partners will sich international etablieren. Das Unternehmen hat die schwedische SEM (Umsatz 2011 rund 27 Mio. Euro) und deren chinesische Tochter SEM Technology Suzhou vom schwedischen Unternehmen Opcon übernommen. Perusa will damit seine Präsenz im skandinavischen Investment-Markt und die Anbindung an China ausbauen.
Perusa ist in Schweden bereits in Dynasafe investiert.

Die Beteiligungsgesellschaft Quantum Kapital hat die Ausgründung
des Geschäftsbereichs Offset-Druckfarben der BASF im niederländischen Maastricht abgeschlossen. Nach der Übernahme firmiert das Unternehmen als IMEX Printing Inks. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Das Unternehmen war mit der Ciba Holding 2009 von BASF übernommen worden und zunächst als selbständige Einheit weitergeführt worden. Seit Ankündigung der Übernahme durch Quantum zum 1. September wurden der IT-Carve-out sowie der Aufbau eines neuen ERP-Systems abgeschlossen. Neue Geschäftsführer sind Murat Bekiroglu und Diederik Willem Fetter.

Die Schweizer Lonza Group hat mit dem US-Unternehmen Monument Chemical eine Vereinbarung zum Verkauf ihres Performance Urethanes- und Organics-Geschäfts in den USA getroffen. Die nun verkaufte Sparte gehört zu Arch Chemicals, das Lonza 2011 nach längerem Vorlauf übernommen hatte. Finanzielle Details zum M&A-Deal wurden nicht bekannt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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