Biotest AG

07.11.17
Deals

CFIUS stoppt Biotest-Kauf durch Creat

Der US-Ausschuss CFIUS schiebt der Übernahme des hessischen Arzneiherstellers Biotest durch die chinesische Creat-Gruppe tatsächlich einen Riegel vor. Kann Biotest den wichtigen M&A-Deal noch retten?

Der geplante Kauf des Arzneimittelherstellers Biotest durch den chinesischen Investor Creat droht zu scheitern. Wie die Hessen am heutigen Dienstagmorgen mitteilten, hat der US-Ausschuss CFIUS (Committee on Foreign Investment in the United States) Biotest mitgeteilt, dass gegen das Übernahmeangebot von Creat an die Biotest-Aktionäre US-nationale Sicherheitsbedenken bestünden. Die US-Behörde stört sich bei dem M&A-Deal laut Mitteilung vor allem an der Creat-Tochter Tiancheng.

Die Bedenken müssen nicht zwingend beinhalten, dass die Biotest-Produkte entscheidend sind für die US-Sicherheit. Das CFIUS behält sich auch dann ein Einschreiten in M&A-Deals vor, wenn das Kommitte Bedenken gegen die Hintermänner der neuen Eigentümer hat. Im Fall Creat/Biotest dürfte dies eher der Fall sein als Bedenken bezüglich der Biotest-Produkte.

Das CFIUS hat zwar noch keine abschließende Freigabeentscheidung getroffen. Es geht aber laut Mitteilung davon aus, dass die die Sicherheitsbedenken innerhalb der jetzigen Deal-Struktur nicht ausgeräumt werden können. Das Veto hatte sich schon angedeutet: Bereits vor einer Woche war bekannt geworden, dass CFIUS den M&A-Deal überprüft.

Biotest und Creat wollen noch nicht aufgeben

Biotest und Creat  haben nun entschieden, ihre Deal-Anmeldung zurückzuziehen und einen neuen Antrag einzureichen, mit dem sie auch ein beschleunigtes Prüfungsverfahren erreichen möchten. Man wolle Gespräche mit CFIUS suchen und die Bedenken ausräumen, schreiben die Unternehmen. Creat sei weiterhin an einer Übernahme von Biotest interessiert, betonen die Hessen.

Dass der M&A-Deal durchgeht ist jedoch fraglich, wie Biotest einräumt. Es gebe „keine Garantie, dass CFIUS den Überprüfungszeitraum verkürzen wird“ oder dass der SDax-Konzern die Sicherheitsbedenken des US-Ausschusses ausräumen kann. Biotest will zudem prüfen, ob man „andere Maßnahmen“ ergreifen kann, um den M&A-Deal durchzubringen.

Es gibt keine Garantie, dass CFIUS den Überprüfungszeitraum verkürzt oder Biotest die Sicherheitsbedenken  ausräumen kann.

Welche Maßnahmen das genau sind, schreibt das Unternehmen nicht. Gegenüber FINANCE wollte eine Biotest-Sprecherin nicht näher darauf eingehen, welche Optionen sich das Unternehmen konkret anschaut.

Biotests Plan B erinnert an die Versuche des Aachener Chipanlagenbauers Aixtron, dessen geplanten Verkauf nach China das CFIUS ebenfalls unterbunden hatte. Doch Aixtrons Versuche, den Deal noch zu retten, fruchteten nicht. Am Ende hätte der damalige US-Präsident Obama die Bedenken des CFIUS per Präsidentendekret für gegenstandslos erklären müssen, was er aber nicht tat. 

Creat bietet 1,3 Milliarden Euro für Biotest

Die Creat-Gruppe hatte im März dieses Jahres ihr Interesse an Biotest bekundet und wenig später ein offizielles Übernahmeangebot lanciert. Da die Gründerfamilien von Biotest und weitere Großaktionäre einem Verkauf ihrer Anteile zustimmten, schien der Deal auf einem guten Weg zu sein. Mit einem Volumen von 1,3 Milliarden Euro inklusive Schulden wäre der Biotest-Deal eine der größten Übernahmen chinesischer Investoren in Deutschland gewesen.

Ein Scheitern des Deals wäre für Biotest schwer zu verkraften: Das Unternehmen erhofft sich von dem Investor finanzielle Unterstützung bei der Expansion. Außerdem ist die aktuelle Geschäftslage von Biotest nicht gut, die Investitionen in den Ausbau der Blutplasmaproduktion belasten das operative Geschäft stärker als erwartet. So ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im ersten Halbjahr auf minus 20 Millionen Euro eingebrochen. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum war dieser noch mit 33 Millionen Euro deutlich positiv.

Biotest-Aktienkurs seit CFIUS-Bedenken publik sind

Qualitätsprobleme kosten Biotest Großteil des Gewinns

Dazu beigetragen haben auch Qualitätsprobleme, die im Frühjahr zu einem umfangreichen Produktrückruf führten. Dieser kostet Biotest bis zu 30 Millionen Euro – ein Großteil des eigentlich für 2017 geplanten operativen Gewinns (Ebit) von 46 bis 48 Millionen Euro. Allein das damals schon laufende Übernahmeangebot von Creat verhinderte, dass diese Hiobsbotschaft zu einem Kurseinbruch der Biotest-Aktie führte.

Die Biotest-Aktionäre nehmen das drohende Scheitern des Kaufs durch Creat entsprechend schlecht auf. Die Aktie fiel am heutigen Dienstag Morgen um 8 Prozent. Bereits in der vergangenen Woche, als erste Meldungen über die Prüfung durch CFIUS aufgetaucht waren, hatten die Biotest-Papiere um über 10 Prozent eingebüßt.

jakob.eich[at]finance-magazin.de