Bei M&A-Prozessen sollte der CFO ein genaues Auge auf Due Diligence haben.

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05.12.12
Deals

CFO muss auf sorgfältige Due Diligence pochen

Die Übernahme des britischen Softwareunternehmens Autonomy entpuppt sich für Hewlett-Packard als Milliardengrab. Der Fall zeigt, wie wichtig die aktive Einbindung des CFOs in den Due-Diligence-Prozess ist.

Seit Mai – lange bevor die Bilanzunregelmäßigkeiten bei Autonomy ans Licht kamen – kursiert das Gerücht, Cathie Lesjak, CFO von Hewlett-Packard, sei von Anfang an gegen eine Übernahme gewesen.  Nach Recherchen des Fortune-Magazins soll sie im Sommer 2011 bei einem Aufsichtsratstreffen gesagt haben, sie könne diesen Deal nicht unterstützen, weil der Preis zu hoch und dies nicht im Interesse des Unternehmens sei.

Bekanntermaßen hörten aber weder der damalige CEO Leo Apotheker noch die im August 2011 nominierte neue Vorstandschefin Meg Whitman, die damals im Board saß, auf Lesjak. Whitman schloss die größte Übernahme der Unternehmensgeschichte im Oktober ab, nachdem Apotheker, der den Deal über mehr als 10 Milliarden Dollar eingefädelt hatte, nach Bekanntgabe der Übergabe gehen musste. Nun wird sich Whitman wünschen, die Warnungen ihrer Finanzchefin ernst genommen zu haben.

Kaum erklärbar, dass Fälschungen bei Prüfung nicht ans Licht kamen

Von den 8,8 Milliarden Dollar, die HP auf den Autonomy-Kaufpreis abschreiben muss, gehen 5 Milliarden Dollar nach Angaben des Technologiekonzerns auf Bilanzfälschungen von Autonomy zurück.  Die Amerikaner beschuldigen die Softwarefirma und ihren Gründer Mike Lynch, Umsätze falsch ausgewiesen zu haben.

Das wirft jedoch die Frage auf, inwieweit HP die Unregelmäßigkeiten bei der Due-Diligence-Prüfung hätte entdecken müssen. Für Christian Schulz, Berater für M&A-Transaktionen bei der Wirtschaftsprüfung Ernst & Young, sind Versäumnisse dieser Größenordnung kaum erklärbar. „Es können immer Fehler unterlaufen, etwa weil Informationen vorenthalten werden. Aber es ist wichtig, dass am Ende der Prüfung alle Beteiligten behaupten können nach bestem Wissen und Gewissen alles kritisch hinterfragt zu haben –  unabhängig von einer adäquaten vertraglichen Absicherung des Kaufvertrags.“

CFO ist in der Verantwortung

Im Fall der Autonomy-Übernahme war das offenbar  nicht der Fall. Nicht nur CFO Lesjak, auch Analysten, Aktionäre und Wettbewerber stuften den Kaufpreis bereits damals als viel zu hoch ein: Das Gebot entsprach letztendlich einem Aufschlag von 79 Prozent des Aktienkurses von Autonomy bevor durchsickerte, dass HP mit einem Kauf liebäugelt. „Dieses Geschäft widerspricht jeder Logik“, zitierte seinerzeit die Financial Times die Analysten Paul Morland vom britischen Brokerhaus Peel Hunt.

Wie aber konnte trotz Einblick in interne Unterlagen des Targets so sehr danebengreifen? Hierfür hat Schulz eine Erklärung: Es gibt Situationen, in denen Unternehmen gewisse Dinge einfach nicht sehen wollen und deshalb keine Diskussionen zulassen oder Probleme herunterbügeln.“

An dieser Stelle ist der CFO gefragt, meint Schulz – nicht nur als reiner Zahlenmensch, sondern auch als Moderator und Stratege: „Am Ende sehe ich den CFO als denjenigen, der für die Due Diligence verantwortlich ist.“

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