Die Comdirect verkauft ihre Tochter Ebase. Im Kerngeschäft dagegen will die Bank in diesem Jahr noch kräftig investieren.

Comdirect

11.07.18
Deals

Comdirect räumt im Portfolio auf

Die Commerzbank-Tochter Comdirect verkauft ihre Tochter Ebase. Den Erlös kann die Bank gut gebrauchen: Der Wachstumskurs bringt hohe Kosten mit sich.

Die Comdirect will sich stärker auf das Kerngeschäft mit Privatkunden fokussieren und bürstet dazu ihr Portfolio durch. Für einen Kaufpreis von 151 Millionen Euro verkauft die Commerzbank-Tochter die European Bank for Financial Services (Ebase), eine 100-prozentige Tochter, an den Finanztechnologieanbieter FNZ Group aus London. Bankenaufsicht und Kartellbehörde müssen der Transaktion noch zustimmen, bis zum Jahresende soll der M&A-Deal abgeschlossen sein. Beraten wurde die Comdirect vom M&A-Team des Bankhauses Lampe und der Kanzlei Noerr.

Ebase mit Sitz in Aschheim bei München wendet sich mit seinen Banking-Lösungen an Finanzvertriebe, Versicherungen, Banken und Vermögensverwalter und verwaltet der Comdirect zufolge ein Kundenvermögen von rund 31 Milliarden Euro.

Comdirect sieht günstiges Umfeld für Ebase-Verkauf

Ebase war seit 2009 Teil der Comdirect-Gruppe, und das Investment hat sich ausgezahlt: Die Comdirect hatte einen Kaufpreis von 24,9 Millionen Euro an die damalige Commerz Asset Management gezahlt. Unter dem Strich erwartet die Direktbank aus dem Weiterverkauf nun einen Einmalertrag vor Steuern von mindestens 85 Millionen Euro. Das ist erheblich, entspricht es doch in etwa einem Jahresgewinn der norddeutschen Direktbank.

„Vor dem Hintergrund des aktuell günstigen Marktumfelds und der erfolgreichen Repositionierung der Ebase war jetzt der optimale Zeitpunkt für einen Verkauf“, kommentiert Comdirect-CEO Arno Walter die Transaktion. Die neu gewonnenen Mittel sollen in die Weiterentwicklung des Kerngeschäfts fließen: Comdirect hat für neue Produkte, Technologien und Neukundenakquise im Jahr 2018 ein Investitionsvolumen von bis zu 30 Millionen Euro vorgesehen.

Wachstum treibt die Verwaltungskosten

Schon 2017 ist die Comdirect-Gruppe stark gewachsen: Die Gesamtkundenzahl kletterte um 221.000 auf insgesamt 3,34 Millionen Kunden. Das betreute Kundenvermögen stieg um 15,6 Milliarden Euro auf einen neuen Höchstwert von 91,4 Milliarden Euro. Der Großteil des Wachstums entfiel dabei auf das Geschäftsfeld B2C mit der Comdirect Bank und der übernommenen Onvista Bank: Sie betreute 2,29 Millionen Kunden und ein Kundenvermögen von gut 59 Milliarden Euro.

Im Geschäftsfeld B2B, in dem Ebase erfasst wird, stieg die Zahl der Kunden dagegen nur leicht von 1,04 auf 1,05 Millionen, das betreute Kundenvermögen erhöhte sich auf 32,35 Milliarden Euro (Jahresende 2016: 29,75 Milliarden Euro).

Das Wachstum im B2C-Segment bringt allerdings auch Kosten mit sich. Die Verwaltungsaufwendungen stiegen 2017 gegenüber dem Vorjahr um 9 Prozent auf 284,5 Millionen Euro. Gründe dafür waren gestiegene Sach- und Personalaufwendungen durch die Integration von Onvista, aber auch höhere Pflichtbeiträge für die Einlagensicherung sowie Aufwendungen zur „Umsetzung regulatorischer Großprojekte“, wie die Bank mitteilte.

Aktivistischer Investor setzt Comdirect unter Druck

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres meldete die Comdirect ein Vorsteuerergebnis von 29,3 Millionen Euro, ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Allerdings stiegen auch die Verwaltungsaufwendungen gegenüber dem Vorjahresquartal erneut: Sie legten um 19 Prozent zu auf 74,5 Millionen Euro. Den Gewinn aus dem Ebase-Verkauf wird die Comdirect daher auch gut gebrauchen können, um die Wachstumskosten zu tragen.

Comdirect war in den zurückliegenden Monaten mehrfach in das Visier des aktivistischen Investors Petrus Advisers geraten. Dieser warf ihr trotz der Zuwächse unter anderem vor, nicht schnell genug zu wachsen und nicht innovativ genug zu sein.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de