Opfer politischer Interventionen: US-Behörden verhinderten die Übernahme des Aachener Hightech-Konzerns Aixtron durch Chinesen.

Aixtron

21.03.18
Deals

Deutsche Bank: „Unternehmen unterschätzen Kartellprozess bei M&A-Deals“

CFIUS-Ausschuss, aufwendige Kartellverfahren, politische Interventionen: Internationale M&A-Deals werden immer unberechenbarer. Corporate-Finance-Spezialisten der Deutschen Bank räumen ein, dass Unternehmen und Banken in dieser Hinsicht gerade einen Lernprozess durchlaufen – und präsentieren einen Lösungsansatz.

M&A-Deals ziehen sich immer häufiger wie Kaugummi. So stößt beispielsweise Bayer bei der Monsanto-Übernahme auf unerwartet starken Widerstand der US-Behörden, wie vor kurzem bekannt wurde. Die Wettbewerbswächter des US-Justizministeriums seien bisher nicht von dem Deal überzeugt, Bayer müsse sich von mehr Geschäften trennen als bisher angedacht, berichtete die Nachrichtenagentur „Bloomberg“. Schon mehrmals musste Bayer den Abschluss des Mega-Deals verschieben. Ursprünglich hatte Bayer-Chef Werner Baumann das Closing noch für Ende 2017 angekündigt, jetzt erscheint allenfalls das zweite Quartal 2018 realistisch.

Vor aufwendigen Kartellverfahren, aber auch vor dem berüchtigten US-amerikanischen CFIUS-Ausschuss warnt auch Berthold Fürst, der seit Mitte 2016 gemeinsam mit Patrick Frowein den Bereich Corporate Finance der Deutschen Bank in der DACH-Region leitet. „Unternehmen unterschätzen zum Teil die Freigabeprozesse der Kartellbehörden“, sagte der M&A-Spezialist am gestrigen Dienstag im Rahmen eines Pressegesprächs.

Das Problem aus Sicht von Fürst: „Die Deal-Economics verändern sich bei einer Verlängerung des Prozesses.“ Je mehr Ungewissheit entstehe, desto teurer werde der Deal letztlich. Durch längere Prozesse steigen die Transaktionskosten, Synergien könnten erst später gehoben werden. Im schlimmsten Fall rechnet sich ein Deal nicht mehr oder muss sogar in letzter Minute abgeblasen werden.

„Die Deal-Economics verändern sich bei einer Verlängerung des Prozesses.“

Berthold Fürst, Deutsche Bank

Auch Russland stellt M&A-Hürden auf

Fürst glaubt, dass Unternehmen und Banken in dieser Hinsicht derzeit einen Lernprozess durchlaufen. Doch die vielen Unsicherheiten erschweren das. Vor allem die US-Politik gilt als unberechenbar, erst vor wenigen Tagen stoppte US-Präsident Trump auf Empfehlung des Sicherheitsausschusses CFIUS die geplante Mega-Fusion der Chiphersteller Broadcom und Qualcomm. Dealvolumen: 120 Milliarden US-Dollar.

Der CFIUS-Ausschuss hat auch schon M&A-Deals der deutschen Technologiekonzerne Infineon und Aixtron verhindert, während Bayer immerhin die CFIUS-Hürde schon erfolgreich gemeistert hat. „CFIUS muss man immer auf dem Zettel haben“, warnte vor kurzem auch Freshfields-Anwalt Martin Klusmann im Interview mit FINANCE-TV – und ergänzte: „Aber auch die normalen Kartellverfahren ziehen sich immer länger hin. Außerdem sind neu hinzu gekommene Prüfpunkte sehr vage definiert.“ Deutsch-Banker Fürst teilte mit, dass neben den USA inzwischen auch Russland zunehmend Hürden für M&A-Deals aufstelle.

Fürst: „Mehr innereuropäische Deals wagen“

Als Ausweg aus dem Dilemma empfiehlt die Deutsche Bank Unternehmenslenkern, innereuropäische Transaktionen stärker in Erwägung zu ziehen. Dadurch könnten europäische Champions mit internationaler Strahlkraft entstehen. Ein Beispiel dafür ist das geplante Joint Venture von Siemens und Alstom, die bis Ende dieses Jahres einen europäischen Bahnriesen schmieden wollen. Daran könnten sich auch kleinere Unternehmen ein Beispiel nehmen, rät Fürst.

markus.dentz[at]finance-magazin.de