Deutz kündigt China-Comeback an

Deutz AG

18.12.18
Deals

Deutz kündigt China-Comeback an

Im Oktober erst verkaufte Deutz sein China-Joint-Venture. Jetzt kehrt der Motorenbauer mit einer neuen China-Strategie zurück. Kern ist erneut ein Gemeinschaftsunternehmen – dieses Mal jedoch anders strukturiert.

Deutz hat eine neue China-Strategie veröffentlicht. Wie der deutsche Motorenbauer am heutigen Dienstag mitteilte, fußt diese auf drei Säulen: Einem Joint-Venture und zwei Kooperationen mit chinesischen Partnern. Das Gemeinschaftsunternehmen will Deutz mit Chinas größtem Baumaschinenkonzern Sany gründen und dafür einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen.

Dabei hatte das Management um CEO Frank Hiller und CFO Andreas Strecker, der im März als Finanzchef auf Margarete Haase gefolgt ist, erst im Oktober sein langjähriges China-Joint-Venture aufgelöst. Den 50-Prozent-Anteil an Deutz Dalian haben die Kölner an den damaligen Partner First Automotive Works (FAW) verkauft.

Deutz-Chef Hiller setzt auf lokales China-Management

Im Interview mit dem „Handelsblatt“ räumte Deutz-Chef Frank Hiller nun ein, damals einige Fehler bei dem Joint Venture gemacht zu haben, die man mit der neuen Strategie nun vermeiden wolle. Einer der Fehler sei die Management-Besetzung gewesen, so Hiller – bei dem neuen Joint Venture mit Sany sei deshalb direkt ein lokales Management aufgebaut worden, einerseits bestehend aus westlichen Managern mit langjähriger China-Erfahrung, andererseits aber auch aus „Schwergewichten“ der chinesischen Szene, wie es heißt.

Die Compliance-relevanten Funktionen wie Einkauf und Vertrieb sollen von Deutz gestellt werden. Der Finanzchef müsse zudem „bisher vor allem für westliche Unternehmen gearbeitet haben“, so CEO Hiller in dem Interview.

Deutz hat beim China-Joint-Venture das Sagen

Ein anderes Problem bei dem alten Gemeinschaftsunternehmen sei gewesen, dass beide Parteien 50 Prozent daran hielten – nun wolle Deutz das Sagen haben. Im Joint Venture mit Sany kontrollieren die Deutschen 51 Prozent der Anteile und sind laut Hiller zudem der einzige Motorenlieferant im Konzernverbund. 

Im Gemeinschaftsunternehmen mit FAW hatte der Partner noch eine eigene Motorenproduktion betrieben und dadurch zu dem Joint-Venture im Wettbewerb gestanden. Für Sany soll Deutz nun im Jahr 2022 insgesamt 75.000 Motoren herstellen.

Flankiert wird die neue China-Strategie von zwei Partnerschaften mit den beiden chinesischen Unternehmen Horizon und Beinei. Horizon vermietet in China Baumaschinen und hat mit Deutz eine Service-Partnerschaft abgeschlossen. Beinei wird der Produktionshub für Deutz in Asien und ist damit der Montagedienstleister für Deutz in China.

Deutz plant 500 Millionen Euro China-Umsatz

Neben den drei neuen Geschäftspartnern verlagert Deutz außerdem die Zentrale für das Asiengeschäft von Singapur nach Shanghai. Für CEO Hiller ist das ein wichtiger Vertrauensbeweis für den chinesischen Markt: Man wolle nicht nur in China fertigen, sondern dort auch akzeptiert werden. Dazu sei es wichtig, in China nicht isoliert wahrgenommen zu werden. Aus diesem Grund habe sich Deutz auch für ein erneutes Joint-Venture entschieden, auch wenn laut Hiller wohl eine rechtlich eigenständige Lösung über eine Deutz-Tochter möglich gewesen wäre.

Mit der neuen Strategie plant Deutz, im Jahr 2022 rund 500 Millionen Euro Umsatz in China zu generieren. Der Motorenbauer erhofft sich durch die Kooperation aber auch Zugang zum Geschäft mit Batteriezellen für Elektroautos. Diese Thema findet laut CEO Hiller fast nur in China statt.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de