Es ist offiziell: Die Fusion von DMG Mori Seiki AG und der japanischen DMG Mori Seiki Co., Ltd. steht bevor.

DMG Mori Seiki AG

22.01.15
Deals

DMG Mori Seiki: Japaner wollen Kontrolle übernehmen

Die japanische DMG Mori Seiki Co., Ltd. will den Bielefelder Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori Seiki AG (früher Gildemeister) nun doch übernehmen. Auf Widerstand werden sie wohl nicht stoßen, auch wenn Analysten das Angebot für wenig attraktiv halten.

Lange hatte sich die Fusion angekündigt und war doch offiziell stets abgestritten worden. Nun soll die deutsch-japanische Hochzeit zwischen der DMG Mori Seiki Aktiengesellschaft (früher: Gildemeister) und dem japanischen Konzern DMG Mori Seiki Company Limited auch offiziell vollzogen werden: Aus den zwei Häusern soll nun tatsächlich eins werden.

Das japanische Unternehmen legt über eine hundertprozentige Tochtergesellschaft, ein öffentliches Übernahmeangebot vor und bietet den Aktionären des im MDax notierten Konzerns 27,50 Euro je Aktie an. Nach Angaben des Unternehmens entspricht das einem Aufschlag von etwa 28,6 Prozent auf den durchschnittlichen Börsenkurs der DMG Mori Seiki AG während der letzten drei Monate.

Das Angebot bewertet das Eigenkapital von DMG Mori Seiki mit 2,17 Milliarden Euro. Darüber hinaus verfügt DMG Mori Seiki über eine hohe Net Cash-Position in der Größenordnung von rund 350 Millionen Euro, wie die Investmentbank Equinet schätzt. Damit entspräche der gebotene Übernahmepreis laut Equinet einem Ebit-Multiple von 9,5x (Ebitda-Multiple: 7,5x). Laut CMS Hasche Sigle, die DMG Mori Seiki CO., Ltd. bei der Übernahme beraten haben, liegt der Enterprise-Value bei rund 1,64 Milliarden Euro. Der Aktienkurs sprang mit der Ankündigung auf etwa 28 Euro und damit knapp über den Angebotspreis, den Equinet nicht für attraktiv hält.

DMG Mori Seiki: CEO Rüdiger Kapitza unterstützt Übernahme

DMG Mori Seiki Company Limited will seine Beteiligung an seinem deutschen Partner in einem ersten Schritt auf über 50 Prozent ausweiten. Das Unternehmen hält bereits mehr als 20 Prozent der Anteile der früheren Gildemeister AG. Unmittelbar vor der Abgabe des Angebots haben die beiden Konzerne ein Cooperation Agreement 2015 geschlossen. Die Vereinbarung behandelt unter anderem  „bestimmte Parameter und das gemeinsame Verständnis der Parteien im Hinblick auf das Übernahmeangebot und dessen Umsetzung sowie die künftige Organisation der gemeinsamen Tätigkeiten“.

Im Einzelnen sollen der Fortbestand bestimmter Produktionsstandorte, der Erhalt von Arbeitsplätzen sowie die zukünftige Unternehmensführung in der Vereinbarung geregelt sein. Der Vorstand der DMG Mori Seiki AG um den mächtigen CEO Rüdiger Kapitza, der Gildemeister seit 2009 zielstrebig immer tiefer in die deutsch-japanische Allianz hinein geführt hat, hat – vorbehaltlich einer Prüfung – seine Unterstützung des M&A-Deals zugesagt.

Eine Industrieikone verschwindet

Bereits seit 2009 kooperieren die beiden Unternehmen. Die Produkte der beiden Häuser werden seit Ende 2013 unter demselben Namen DMG Mori vermarktet. Was zunächst krisenbedingt mit einer kleinen Überkreuzbeteiligung und einer gemeinsamen Vertriebs- und Servicepartnerschaft begann, entwickelte sich schon im Laufe der vergangenen Jahre in Richtung einer de facto realisierten Übernahme, die Gildemeister allerdings stets vehement bestritten hat.

Für die frühere Gildemeister, wenngleich sie stets der Juniorpartner der Allianz war, hat sich die Liaison dennoch gelohnt. Der kleinere, aber kapitalstärkere japanische Partner hat seine Anteile schrittweise durch die Zeichnungen von Barkapitalerhöhungen aufgestockt und den dominierenden Part übernommen. Für den früheren Gildemeister-Konzern war es eine profitable Zusammenarbeit. Das Eigenkapital des Konzerns hat sich seit 2009 von 380,8 Millionen Euro auf 1,16 Milliarden Euro im Jahr 2013 verbessert. Nun geht eine deutsche Industrieikone in einem globalisierten Konzern auf. Die Tage im MDax dürften gezählt sein.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de