Der Spezialchemiekonzern Evonik zahlt für die Spezialadditiv-Sparte des US-Konkurrenten Air Products 3,5 Milliarden Euro.

Evonik

06.05.16
Deals

Evonik zahlt für Sparte von US-Konkurrent 16x Ebitda

Evonik kauft die Spezialadditiv-Sparte des US-Konkurrenten Air Products für 3,5 Milliarden Euro. CFO Ute Wolf rechnet jedoch mit erheblichen Steuerersparnissen, die das Deal-Volumen nach unten drücken sollen.

Nach langer Suche hat der Spezialchemiekonzern Evonik ein passendes M&A-Target gefunden: Wie die Essener am heutigen Freitag mitteilten, erwirbt das Unternehmen das Spezialadditiv-Geschäft von dem US-Konzern Air Products. Evonik zahlt für die Sparte 3,8 Milliarden US-Dollar, umgerechnet knapp 3,5 Milliarden Euro. Der M&A-Deal soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein und bedarf noch der Freigabe der zuständigen Wettbewerbsbehörden. Im Zuge der Transaktion wurde Strategiechef Christian Kullmann zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt.

Das Spezialadditiv-Geschäft von Air Products stellt Zusatzstoffe für Beschichtungen, Kunstharze und Klebstoffe sowie Spezialtenside her. Die Sparte erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 960 Millionen Euro bei einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 242 Millionen US-Dollar, umgerechnet 211 Millionen Euro. Entsprechend zahlt Evonik einen Ebitda-Multiple von 15,7x.

Evonik: Synergien und Steuereinsparungen durch M&A-Deal

Ganz so teuer soll der M&A-Deal aber nicht werden: Evonik-CFO Ute Wolf will durch Optimierungen in den Bereichen Produktion, Logistik und Vertrieb 52 Millionen Euro einsparen. Zudem erhofft Evonik sich durch die Erweiterung der Kundenstämme und Produktportfolios jährliche Umsatzsynergien in Höhe von 70 Millionen Euro.

Zusätzlich ergeben sich für Finanzchefin Wolf positive Steuereffekte. Denn der M&A-Deal ist als sogenannter Asset Deal teilweise als Kauf von Vermögensgegenständen strukturiert. Dadurch wird die Übernahme steuerrechtlich als Investition gesehen, die abgesetzt werden kann. Evonik würden dadurch mehr als 440 Millionen Euro zufließen, sagte ein Sprecher gegenüber FINANCE. Wenn alle erhofften Effekte eintreten, reduziere sich das Ebitda-Multiple noch einmal deutlich, so der Sprecher. Die Übernahmegerüchte kamen am Kapitalmarkt entsprechend gut an: Die Evonik-Aktie stieg zwischenzeitlich um fast 3 Prozent und notierte am späten Freitagnachmittag bei 28,70 Euro.

Evonik-CFO Ute Wolf finanziert M&A-Deal mit Fremdkapital

Die Spezialadditiv-Sparte von Air Products soll bei Evonik in die Segmente Konsumgüter (Nutrition & Care) und Resource Efficiency, in der der MDax-Konzern die Produktion umweltfreundlicher Kleb- und Lackstoffe bündelt, eingegliedert werden. Das kombinierte Spezialadditiv-Geschäft käme laut Evonik nach der Übernahme auf einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro bei einer Ebitda-Marge von über 20 Prozent.

Die Akquisition will CFO Wolf je zur Hälfte aus unternehmenseigenen und -fremden Mitteln finanzieren. Geld sollte Evonik genug in der Kasse haben: Ende des vergangenen Jahres verfügte der Konzern über ein Nettovermögen von 1 Milliarde Euro. Eine Kapitalerhöhung, über die in den vergangenen Wochen spekulierte wurde, wird es nicht geben, sagte ein Evonik-Sprecher. Auf Evoniks Kreditprofil soll der M&A-Deal keine Auswirkung haben: Nach der Übernahme streben die Essener weiterhin eine Bewertung im Investmentgrade an.

jakob.eich[at]finance-magazin.de