Die Mehrheit des Online-Dating-Unternehmens Parship Elite gehört nun Pro Sieben Sat.1.

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05.09.16
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Finanzinvestor Oakley verkauft Parship Elite an Pro Sieben

Der Private-Equity-Investor Oakley Capital hat die Mehrheit des Online-Dating-Unternehmens Parship Elite an Pro Sieben Sat.1 verkauft – und das eingesetzte Geld in nur 16 Monaten um den Faktor 3,6 vervielfacht.

Der Finanzinvestor Oakley Capital hat den Mehrheitsanteil am Online-Dating-Unternehmen Parship Elite an die Mediengruppe Pro Sieben Sat.1 verkauft. Oakley dürfte der Ausflug in die deutsche Dating-Branche eines der lukrativsten Investments seiner Geschichte gebracht haben: Die Londoner haben das eingesetzte Kapital in nur 16 Monaten um den stattlichen Faktor von 3,6 („Money Multiple“) vervielfacht, wie Oakley am Montag bekanntgab. Die aufs Jahr gerechnete Rendite des Investments (Internal Rate of Return, kurz IRR) beziffert Oakley mit 150 Prozent.

Die Grundlage des Verkaufspreises ist eine Unternehmensbewertung von 300 Millionen Euro. Parship Elite erwartet für dieses Jahr einen Umsatz von 116 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll 25 Millionen Euro erreichen. Das Ebitda-Multiple der Transaktion beläuft sich damit auf 12x. Pro Sieben erwartet von Parship Elite ein Wachstum von mehr als 10 Prozent pro Jahr.

Für 50 Prozent plus 1 Aktie zahlt Pro Sieben 100 Millionen Euro an Oakley. Außerdem löst der Medienkonzern bestehende Finanzierungen von Parship Elite durch eine eigene, mezzanineartige Kreditlinie ab. Auf diesem Wege fließen Oakley weitere Mittel zu, so dass der Finanzinvestor insgesamt einen Cash-Zufluss von 129 Millionen Euro verbuchen kann. Der auf den europäischen Mid-Market spezialisierte Private-Equity-Investor mit Sitz in London ist börsennotiert und veröffentlicht darum genauere Angaben zu seinen Transaktionen als die meisten Branchennachbarn.

Oakley mit Bilderbuchstrategie bei Parship Elite

Die Transaktion war komplex. Oakley hat im April 2015 die Dating-Plattform Parship vom Verlag Holzbrinck gekauft. Im Juni des gleichen Jahres folgte der Kauf des Wettbewerbers Elite Partner von Tomorrow Focus. Damit schafften es die Engländer binnen kürzester Zeit, den wettbewerbsintensiven deutschen Markt der Online-Datingportale zu konsolidieren und eine gemeinsame Plattform zu schaffen, die auf Kostenseite hohe Synergieeffekte verspricht.

Der Finanzinvestor hat in gewisser Weise die Fleißarbeit für Pro Sieben Sat.1 gemacht. Der Dax-Konzern kann die Reichweite von Parship Elite durch seine Medienkanäle nun ausbauen, ohne damit die Kassenlage des Dating-Marktführers zu belasten. Werbeausgaben sind bei Online-Dating-Portalen ein großer Kostenblock, da die Websites ständig neue Kunden anlocken müssen – die alten sind nach einer gelungenen Dienstleistung häufig für immer verloren.

Parship und Elite Partner stehen unter erhöhtem Wettbewerbsdruck, seit Dating-Apps einer neuen Generation auf der Smartphone-Oberfläche erschienen sind – allen voran Tinder, das bei Liebessuchenden unter 30 längst beliebter ist als althergebrachte Dating-Websites. Doch die Tatsache, dass Oakley einen Minderheitsanteil behält, zeigt: Der Investor erwartet offenbar, dass der Münchener Medienkonzern den Wert von Parship Elite weiter steigern kann.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de