Das US-schweizerische Unternehmen TE Connectivity interessiert sich für den Berliner Sensorhersteller First Sensor.

First Sensor

27.05.19
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First Sensor steht vor Verkauf an TE Connectivity

Der Berliner Sensorhersteller First Sensor könnte an den US-schweizerischen Konkurrenten TE Connectivity verkauft werden. Der First-Sensor-Großaktionär Deutsche Private Equity hatte seinen Anteil bereits im Oktober ins Schaufenster gestellt.

Der Berliner Sensorhersteller First Sensor könnte bald den Besitzer wechseln: Wie das Unternehmen in der Nacht vom Samstag mitgeteilt hat, stehe man in fortgeschrittenen Verhandlungen über eine Übernahme durch den US-schweizerischen Rivalen TE Connectivity.

Der Mitteilung zufolge hat TE Connectivity ein indikatives, rechtlich unverbindliches Angebot von 28 Euro je First-Sensor-Aktie vorgelegt. Die Berliner prüfen nun „im besten Unternehmensinteresse ihre Handlungsoptionen“ – es sei derzeit aber noch nicht abzusehen, ob es zu einem Übernahmeangebot von TE Connectivity kommen wird, betont First Sensor.

Mit dem Angebot von 28 Euro je Aktie würde TE Connectivity sein Target mit rund 286 Millionen Euro bewerten. Die Bekanntgabe der Übernahmeverhandlungen sorgte für einen rapiden Anstieg des First-Sensor-Aktienkurses: Zum Schlusskurs am Freitag, also vor dem unverbindlichen Angebot von TE Connectivity, notierte das Wertpapier noch bei 24,65 Euro.

Nach der Veröffentlichung der Meldung sprang der Kurs am heutigen Montagvormittag zeitweise auf 27 Euro, dem bisher zweithöchsten Kurs seit dem Börsengang 2007. Mehr wert war die Aktie bisher nur im Februar 2018, als sie an der 30-Euro-Marke kratzte.

First-Sensor-Aktie steigt nach Bekanntgabe des Übernahmeangebots an

Trennt sich DPE von First Sensor?

Das Übernahmeangebot dürfte daraus resultieren, dass der Private-Equity-Investor Deutsche Private Equity – der größte Aktionär von First Sensor – im Oktober vergangenen Jahres seinen Anteil am Unternehmen ins Schaufenster gestellt hat. Damals hielt DPE noch 36,02 Prozent der Anteile, inzwischen sind es 40,08 Prozent.

Bereits damals war klar, dass ein möglicher Käufer die 30-Prozent-Marke überschreiten könnte und damit ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre unterbreiten müsste. Neben DPE, die im Rahmen einer Kapitalerhöhung 2011 bei First Sensor eingestiegen ist, ist noch der niederländische Investor Teslin Capital Management über zwei Vehikel mit insgesamt rund 14 Prozent beteiligt. Die restlichen rund 46 Prozent sind in Streubesitz.

Bereits im Oktober sollen sich der Nachrichtenagentur Reuters zufolge mehrere Interessenten gemeldet haben, darunter chinesische Unternehmen, der US-Wettbewerber Molex Electronic Technologies sowie TE Connectivity. Nun könnte der Wettbewerber TE Connectivity, mit Sitz in der Schweiz und den USA sowie mit Notierung in den USA, der sich unter anderem auf elektronische Steckverbinder und Sensoren spezialisiert hat, zum Zuge kommen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete TE Connectivity rund 14 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 12,5 Milliarden Euro).

CFO Gollwitzer will Ebit-Marge auf 10 Prozent heben

Verglichen mit dem Millarden-Umsatz von TE Connectivity ist der Berliner Sensorhersteller deutlich kleiner. First Sensor erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von 155,1 Millionen Euro. Damit konnte das Unternehmen seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent erhöhen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist um 15 Prozent auf 12,2 Millionen Euro gestiegen, damit beträgt die Ebit-Marge im abgelaufenen Geschäftsjahr 7,9 Prozent. First Sensor-CFO Mathias Gollwitzer hat sich eigentlich zum Ziel gesetzt, die Ebit-Marge auf 10 Prozent anzuheben, hinkt diesen Margenziel allerdings seit einigen Jahren hinterher.

FINANCE-Köpfe

Dr. Mathias Gollwitzer, First Sensor AG

Nach seiner Promotion an der Universität Erlangen-Nürnberg startet Mathias Gollwitzer seine berufliche Laufbahn bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern Deutsche Aerospace in München. Ab 1995 arbeitet er bei der Ulmer Telefunken Systemtechnik. 2002 wechselt er zum heutigen Daimler-Konzern, wo er zunächst die kaufmännische Leitung der Konzernforschung übernimmt. Später verantwortet Gollwitzer unter anderem das Konzerncontrolling und führt als CFO ausländische Tochtergesellschaften.

2012 wechselt er zu dem Energiekonzern ENBW, wo er neben dem Konzerncontrolling das Transformationsprogramm des Energieunternehmens leitet. Im August 2015 wird Mathias Gollwitzer CFO des Berliner Sensorikspezialisten First Sensor. Im Juni 2016 übernimmt Gollwitzer vorübergehend das Amt des CEO, da Vorstandschef Martin Schefter seinen Vertrag nicht verlängert. Im Zuge der Übernahmegespräche mit dem Schweizer Strategen TE Connectivity kündigt Gollwitzer im Juni 2019 an, nach Abschluss des Unternehmensverkaufs Mitte 2020 First Sensor verlassen zu wollen.

zum Profil

Für 2019 rechnet der CFO mit einer Ebit-Marge zwischen 8,5 und 9,5 Prozent bei einem erwarteten Gesamtumsatz von 160 bis 170 Millionen Euro.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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