Berentzen steht offenbar vor dem Verkauf in die USA. Konkret bietet der US-Spirituosenkonzern Sazerac in einem freiwilligen Übernahmeangebot 5,55 Euro je Aktie und damit insgesamt rund 53,3 Millionen Euro für das niedersächsische Traditionsunternehmen, wie beide Parteien am Montag mitteilten. Der Preis liegt nach eigenen Angaben 68 Prozent über dem Durchschnittskurs der letzten drei Monate.
Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen die Offerte und sehen darin „eine hervorragende Chance für die Berentzen-Gruppe“. Für den Vollzug muss Sazerac mindestens 50 Prozent plus eine Aktie einsammeln. Anschließend will der US-Konzern Berentzen von der Börse nehmen. Der Abschluss des Deals ist für das vierte Quartal 2026 geplant.
Sazerac will mit Berentzen in Europa wachsen
Sazerac hat dabei mehr vor als einen reinen Eigentümerwechsel. Gemeinsam wollen die Unternehmen eine größere Spirituosenplattform insbesondere in Europa aufbauen. Die Amerikaner kündigten an, die bestehenden Marken und Standorte weiterzuführen und zusätzlich zu investieren. Wie viel Geld dafür fließen soll, ist bislang allerdings offen.
Sazerac bringt dafür eine erhebliche Größe mit. Das 1850 gegründete Familienunternehmen gehört zu den großen internationalen Spirituosenherstellern und verfügt über mehr als 525 Marken. Dazu zählen Buffalo Trace Bourbon, Fireball Cinnamon Whisky, Svedka Vodka und Southern Comfort.
Berentzen würde dem US-Konzern im Gegenzug zusätzliche Marken, Produktionskapazitäten und Vertriebsstrukturen in Europa verschaffen. Für die Niedersachsen könnte Sazerac wiederum den finanziellen Spielraum schaffen, um das Geschäft in einem schwierigen Markt auszubauen.
Berentzen verdient wieder Geld – bei sinkender Nachfrage
Finanziell hat sich Berentzen zuletzt stabilisiert. 2025 erzielte der Konzern rund 163 Millionen Euro Umsatz und kehrte mit einem Konzernergebnis von 2,4 Millionen Euro in die Gewinnzone zurück. Gleichzeitig bekommt das Unternehmen die rückläufige Nachfrage nach alkoholischen Getränken zu spüren.
Spirituosen wie Berentzen Apfelkorn, Puschkin Vodka oder Bommerlunder stehen inzwischen nur noch für knapp zwei Drittel des Konzernumsatzes. Den Rest erwirtschaftet Berentzen unter anderem mit Mineralwasser, Säften und Limonaden. Die schwächere Nachfrage erhöht damit auch den Druck, neue Wachstumsfelder zu erschließen. Genau an diesem Punkt setzt der geplante Zusammenschluss mit Sazerac an.
Brühöfner kennt Berentzen seit fast 20 Jahren
Für CFO Ralf Brühöfner wäre die Übernahme der nächste große Einschnitt in seiner langen Amtszeit: Seit 2007 führt er die Finanzen von Berentzen und hat den Spirituosen-Hersteller dabei unter anderem durch die Corona-Krise gesteuert, die das stark von geselligem Konsum abhängige Geschäft der Emsländer zeitweise hart traf.
Nun steht Berentzen vor dem nächsten strategischen Wendepunkt. Ob Sazerac tatsächlich neuer Eigentümer wird, hängt zunächst von den Aktionären ab. Die vollständigen Angebotsbedingungen sollen nach der Prüfung durch die Bafin veröffentlicht werden.
Katharina Kleint ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen. Sie hat Politikwissenschaften und Germanistik an der Frankfurter Goethe-Universität studiert. Parallel arbeitete sie als freie Journalistin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Frankfurter Rundschau sowie die Mediengruppe Offenbach-Post. Nach dem Studium absolvierte sie ihr Volontariat bei F.A.Z. Business Media.
