Die Paracelsus-Kliniken sind trotz Insolvenz ein begehrtes Target am M&A-Market. Angeblich sind die PE-Investoren Carlyle und Cinven interessiert ebenso wie finanzstarke Klinikkonzerne.

Paracelsus-Kliniken

05.04.18
Deals

Illustres Wettbieten um Paracelsus-Kliniken

Die PE-Investoren Carlyle und Cinven sind offenbar an den insolventen Paracelsus-Kliniken interessiert. Für einen Deal müssten sie aber finanzstarke Klinikkonzerne ausstechen.

Die insolvente Privatklinikkette Paracelsus lockt offenbar zahlreiche Kaufinteressenten an. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, sollen sich mehr als hundert Investoren für die Niedersachsen interessieren. Es lägen bereits erste unverbindliche Angebote vor, zitiert das Magazin Investmentkreise.

Der Bieterkreis scheint breit gefächert zu sein – und gespickt mit großen Namen. Zum einen sollen Paracelsus-Konkurrenten wie die Hamburger Asklepios-Kliniken und die Fresenius-Tochter Helios dazu gehören.

Auch eine Beteiligungsfirma des Milliardärs Otto Happel, Sohn des Gründers des Maschinenbaukonzerns Gea, soll an den Paracelsus-Kliniken interessiert sein. Happels Family Office ist bei seinen Beteiligungen unter anderem auf Unternehmen aus dem Gesundheitssektor spezialisiert und wird von Otto Happels Sohn Felix Happel geführt.

Carlyle und Cinven wollen Paracelsus kaufen

Unter den Bietern für die Paracelsus-Gruppe sind offenbar auch Finanzinvestoren. Explizit nennt „Der Spiegel“ die Private-Equity-Häuser Carlyle und Cinven. Alle genannten Unternehmen wollten das kolportierte Interesse gegenüber dem „Spiegel“ nicht kommentieren.

Paracelsus-CFO Michael Schlickum, der seit September 2017 amtiert und auch Sprecher der Geschäftsführung ist, muss nun die Fragen der vielen Kaufinteressenten beantworten und die komplexen Verkaufsverhandlungen koordinieren. Er war seinerzeit auf Peter Schnitzler gefolgt, der seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängert hatte.

Die Paracelsus-Kliniken gehören mit einem Umsatz von 400 Millionen Euro zu Deutschlands zehn größten Privatkliniken. Die Osnabrücker hatten kurz vor Weihnachten ihre Zahlungsunfähigkeit vermelden müssen. Es war die größte Insolvenz in Deutschland im vierten Quartal 2017. 

Paracelus-CFO Schlickum muss nun die komplexen Verkaufsverhandlungen koordinieren.

Verkaufserlös im dreistelligen Millionenbereich

Nun befindet sich das Unternehmen in Eigenverwaltung, um sich zu restrukturieren und einen neuen Eigentümer zu finden. Rund 400 Stellen sollen abgebaut werden, der Gruppe werden vom Generalbevollmächtigten Reinhard Wichels aber gute Zukunftschancen eingeräumt.

Paracelsus-Eigner Georg Krukemeyer, dessen Vater die Klinikkette einst gründete, will die Niedersachsen im Ganzen verkaufen. Insider rechnen mit einem Verkaufserlös im dreistelligen Millionenbereich. Angeblich braucht Krukemeyer dieses Geld dringend, um die Paracelsus-Gläubiger auszuzahlen. 

Paracelsus droht die Zerschlagung

Eine Zerschlagung von Paracelsus wäre keine Überraschung.

Dass Paracelsus trotz der Insolvenz derart viel Interesse auf sich zieht, ist nachvollziehbar, kommt es doch selten vor, dass am zersplitterten deutschen Krankenhausmarkt ein derart großes Unternehmen zum Verkauf steht. Die strategischen Interessenten Helios und Asklepios dürften vor allem die 16 Akutkliniken locken, die Paracelsus bundesweit betreibt, darunter ein Haus auf Helgoland. Beide Konzerne sind milliardenschwer, wachsen aber vor allem durch Zukäufe.

Für die Finanzinvestoren dürften hingegen die zwölf Rehakliniken von Paracelsus interessant sein. Der Rehasektor hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Private-Equity-Investoren angezogen. So gehört die Rehakette Median seit 2014 dem niederländisch-deutschen Finanzinvestor Waterland, der deutsche Mittelstandsinvestor Quadriga ist Mehrheitseigentümer der Pflegeheimkette Dorea.

Vor diesem Hintergrund wäre es keine Überraschung, wenn Paracelsus im Zuge des laufenden M&A-Prozesses zerschlagen werden würde – oder vom neuen Eigentümer im Nachgang der Transaktion.

jakob.eich[at]finance-magazin.de