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13.01.16
Deals

Kauf von Atmel durch Dialog Semiconductor droht zu kippen

Böse Überraschung für Dialog Semiconductor: Die sicher geglaubte Übernahme des Halbleiterherstellers Atmel rückt wegen eines neuen Gegenangebots in die Ferne. Die Dialog-Investoren feiern das wahrscheinliche Ende des gewagten Deals.

Die Übernahme des Halbleiterherstellers Atmel durch den deutsch-britischen Chiphersteller Dialog Semiconductor schien in trockenen Tüchern – jetzt steht der Deal aber wieder auf der Kippe. Der Nebenbuhler Microchip habe ein neues Angebot vorlegt, das besser sei als das von Dialog, teilte Atmel heute mit.

Microchip, ein amerikanischer Halbleiterhersteller mit einem Umsatz von rund 1,35 Milliarden US-Dollar, bietet je Atmel-Anteilsschein 8,15 US-Dollar, davon sind 7 Euro in bar und der Rest in eigenen Aktien. Dialog hatte den Atmel-Investoren 4,65 US-Dollar in bar und einen Anteil von 0,112 Prozent an den US-Aktien von Dialog geboten. Nach damaligem Stand hätten sie insgesamt einen Gegenwert von 10,42 US-Dollar pro Aktie erhalten, das Angebot war 4,6 Milliaren US-Dollar schwer. Doch nachdem die Dialog-Papiere abgestürzt sind, lag das Angebot nur noch bei 7,84 Dollar je Atmel-Aktie und damit niedriger als das heutige Angebot von Microchip.

Sieg für die Aktionäre von Dialog Semiconductor

Daher will Atmel den Deal jetzt wieder stornieren und stattdessen das Angebot von Microchip annehmen. Dafür muss Atmel Dialog allerdings eine Vertragsstrafe in Höhe von 137,3 Millionen US-Dollar zahlen. Dabei waren sich die beiden Unternehmen seit September schon einig und sogar die Kartellbehörden hatten den Deal schon abgesegnet.

Das Tec-Dax-Unternehmen Dialog Semiconductor hatte im September vergangenen Jahres verkündet, Atmel übernehmen zu wollen. Um den Deal zu finanzieren, wollte Dialog Semiconductor 2,1 Milliarden Dollar Schulden aufnehmen. Die Aktionäre hatten den Chiphersteller damals abgestraft und den Aktienkurs abstürzen lassen. Kurz darauf hatte auch der aktivistische Hedgefonds Elliot den Druck auf Dialog erhöht und seinen Anteil von 3 auf 5 Prozent aufgestockt. Elliott kritisierte damals vor allem den hohen Kaufpreis. Er entspreche einer Prämie von 92 Prozent auf den tatsächlichen Wert, den so genannten Fair Value, des Unternehmens. Das sei eine der höchsten Aufschläge in der Halbleiterindustrie seit 2012, schrieb Elliott. Die aktuelle Entwicklung freut die Anleger: Der Kurs von Dialog schnellte zwischenzeitlich um mehr als 10 Prozent nach oben.

Dialog Semiconductor hat jetzt nur noch eine Chance, um den Deal zu retten: Bis zum 19. Januar hat der Chiphersteller Zeit, sein Angebot nachzubessern, so Atmel. Angesichts der Reaktionen der Dialog-Investoren ist ein neues Angebot aber wohl eher unwahrscheinlich.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de