Kone-CEO Ehrnrooth geht einen Schritt auf ThyssenKrupp zu: Der Chef des finnischen Aufzugsherstellers bietet dem Essener Konzern eine vollständige Fusion Kones mit der Aufzugssparte ThyssenKrupps an.

ThyssenKrupp

13.09.19
Deals

Kone verstärkt Werben um ThyssenKrupps Aufzugssparte

Der finnische Aufzugkonzern Kone will die ThyssenKrupp-Sparte übernehmen und bietet den Essenern im Gegenzug eine Beteiligung an – auch aus Eigeninteresse.

Der CEO des finnischen Kone-Konzern, Henrik Ehrnrooth, legt bei seinem Werben um die Aufzugssparte von ThyssenKrupp einen Gang zu: Die Finnen bieten den Essenern jetzt eine Fusion Kones mit ThyssenKrupp Elevator an. „Wir würden begrüßen, wenn ThyssenKrupp als Miteigentümer an Bord wäre und den langfristigen Nutzen mit uns teilt“, erklärte er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Damit gewinnen CEO Guido Kerkhoff und Finanzchef Johannes Dietsch eine weitere Handlungsoption. Der Charme einer Fusion wäre, dass ThyssenKrupp auch in Zukunft an seiner Ertragsperle beteiligt bliebe. Allerdings würde in diesem Fall deutlich weniger Cash in die Kasse von CFO Dietsch fließen.

Kone verfolgt mit dem Angebot auch ein Eigeninteresse: In Analystenkreisen wird bezweifelt, ob die Finnen den erwarteten Kaufpreis von rund 15 Milliarden Euro komplett in bar stemmen können.

Kone eröffnet Bieterwettbewerb

ThyssenKrupp hatte den M&A-Prozess für Elevators zuletzt forciert. Ein Börsengang, den Kerkhoff zunächst präferiert haben soll, ist derweil unwahrscheinlicher geworden. Neben Kone haben Medienberichten zufolge Wettbewerber wie Otis und Schindler, aber auch Privat-Equity-Firmen Interessen angemeldet.

Kone-Chef Henrik Ehrnrooth geht auch direkt auf einen möglichen Vorbehalt der Essener vor einem Deal mit einem strategischen Investor ein: Er gehe davon aus, dass die kartellrechtlichen Bedenken überwunden werden könnten und ein Deal hohe Synergien zwischen beiden Unternehmen ermögliche.

ThyssenKrupp erlebte erst dieses Jahr beim Versuch sein Stahlgeschäft in ein Joint Venture mit dem Strategen Tata Steel Europe einzubringen einen herben Rückschlag. Die Essener zogen den Deal zurück als offensichtlich wurde, dass die zuständige Kartellbehörde – die EU-Kommission – den Deal nur unter hohen Auflagen genehmigt hätte.

FINANCE-Köpfe

Johannes Dietsch, ThyssenKrupp AG

Im Anschluss an seine Ausbildung nimmt Dietsch Leitungsfunktionen in verschiedenen Abteilungen des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer wahr. Auslandserfahrung sammelt er in zwei mehrjährigen Aufenthalten bei Bayer Japan, zuletzt als CFO für den Finanz- und Verwaltungsbereich.

2001 wird Dietsch in Leverkusen die Abteilungsleitung Corporate Finance innerhalb des Konzernbereichs Finanzen übertragen. Am 1. Juli 2002 übernimmt er die Leitung des Bereichs Finanzen im Corporate Center der Bayer AG. In diesen Zuständigkeitsbereich fallen die Ressorts Treasury, Corporate Finance, Financial Controlling, Asset Management Pensions, Mergers & Acquisitions und Taxes.

Im September 2011 wechselt Dietsch als Landessprecher und CFO Greater China zu Bayer China mit Sitz in Shanghai. Drei Jahre später im September steigt Johannes Dietsch zum Konzer-CFO bei Bayer auf. Sein Vertrag wurde bis Ende Mai 2018 verlängert. Im Anschluss verließ er das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Ab Februar 2019 wird Dietsch als CFO das Finanzressort bei dem Industriekonzern ThyssenKrupp leiten.

zum Profil

Aufzugssparte der Gewinnbringer ThyssenKrupps

Laut Zwischenbericht zu den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2018/19 waren ThyssenKrupps Aufzüge bis Juni 2019 nach Materials Services (10,9 Milliarden Euro) und Steel Europe (6,8 Milliarden Euro) mit 5,8 Milliarden Euro lediglich drittgrößter Geschäftsbereich der Essener. Allerdings läuft die Aufzugssparte den anderen Segmenten in Bezug auf Profitabilität klar den Rang ab: Mit einem Ebitda, also dem Gewinn vor Steuern und Abzügen, von 590 Millionen Euro sind die Aufzüge die lohnendste Sparte.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de