Aurubis

13.02.18
Deals

Kupferhütte Aurubis will 1,3 Milliarden Euro Umsatz abgeben

Die Kupferhütte Aurubis spaltet sich auf. Das Unternehmen will sein Segment Flachwalzprodukte an die Wieland-Werke verkaufen – und trennt sich damit von 1,3 Milliarden Euro Umsatz.

Mit einem Verkauf des Segments für Flachwalzprodukte (Flat Rolled Products, FRP) will die Kupferhütte Aurubis die Weichen für ihre Neuausrichtung stellen. Dem Unternehmen zufolge sind die Verhandlungen über den Verkauf des Bereichs an die Ulmer Wieland-Werke weit fortgeschritten. Ein Term Sheet wurde bereits in dieser Woche unterzeichnet. Details der Transaktion, der sowohl der Aurubis-Aufsichtsrat als auch die Kartellbehörden noch zustimmen müssten, sollen auf Basis des Term Sheets verhandelt werden.

„Mit dem Verkauf würden wir uns vom Bandgeschäft trennen und unsere strategische Ausrichtung auf das Multi-Metall-Geschäft weiter stärken“, sagt Aurubis-CEO Jürgen Schachler. Die Fokussierung auf das Multi-Metall-Geschäft ist Teil der im vergangenen Jahr aufgelegten Konzernstrategie „Wachstum, Effizienz & Verantwortung“. 

Aurubis hatte sich mit Beginn des Geschäftsjahres 2017/18 im vergangenen Oktober auch eine neue Struktur gegeben und das Geschäft bereits damals in die Segmente Metal Refining & Processing (MRP) sowie Flat Rolled Products unterteilt. Die Abspaltung des Flachwalz-Segments FRP wäre nun die erste große Transaktion des neuen CFOs Rainer Verhoeven, der seit Jahresbeginn im Amt ist.

Aurubis gibt ein Viertel der Mitarbeiter ab

Der M&A-Deal würde die Aurubis-Belegschaft spürbar reduzieren: Das Segment beschäftigt rund 1.740 Mitarbeiter, das ist rund ein Viertel der gesamten Mitarbeiterschaft der Kupferhütte. Das Segment FRP erzielte im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro. Ebenfalls Teil des Segments und damit der Verkaufspläne ist die Schwermetall Halbzeugwerk GmbH, die zu 50 Prozent bei Aurubis und zur anderen Hälfte bereits beim potentiellen Käufer Wieland-Werke liegt. Das Unternehmen lieferte im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 330 Millionen Euro.

Analysten von Warburg Research bewerten den Verkaufsschritt positiv, Aurubis‘ Kernkompetenzen lägen in anderem Bereichen. Das Closing erwartet Warburg für das zweite Halbjahr 2018, die Kartellfreigaben könnten bis zu sechs Monate dauern.

Aurubis vermeldete für den gesamten Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von rund 11 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis vor Steuern (EBT) von 298 Millionen Euro. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2017/18 erzielte Aurubis ein operatives Ergebnis vor Steuern (EBT) von 79 Millionen Euro, nach 18 Millionen Euro im Vorjahr. Die Zahlen für das erste Quartal legte der Konzern am heutigen Dienstag vor. Warburg beziffert den Ebit-Beitrag des nun zum Verkauf stehenden Segments FRP für das erste Quartal auf -5 Millionen Euro, nach -9 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Aurubis stärkt Kupfergeschäft

Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung will Aurubis auch das Kupfergeschäft stärken. Ende Januar hat das Unternehmen bereits die Deutsche Giessdraht vollständig von Codelco Kupferhandel übernommen. An dem Gemeinschaftsunternehmen hielt Aurubis zuvor bereits 60 Prozent der Anteile. Weiteres Wachstum soll aus der Verarbeitung komplexerer Rohstoffe kommen. Bis zum Geschäftsjahr 2022/23 will Aurubis die Verkaufsmenge von Nicht-Kupfer-Metallen verdoppeln und von 2022/23 an das Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern.

Parallel läuft ein Effizienzsteigerungsprogramm, das bis zum Geschäftsjahr 2019/20 Ergebnisverbesserungen von weiteren rund 200 Millionen Euro bringen soll. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), das im Geschäftsjahr 2016/17 bei 440 Millionen Euro lag, würde sich damit in den kommenden sechs Jahren nahezu verdoppeln: „Das finanzielle Gesamtziel unserer Strategie sind insgesamt zusätzliche 400 Millionen Euro operatives Ebitda bis zum Geschäftsjahr 2022/23“, sagt CEO Schachler.

An der Börse kamen die Verkaufsnachrichten zunächst weniger gut an. Zum Wochenbeginn war Aurubis noch mit ordentlich Rückenwind gestartet, der Aktienkurs kletterte am Montag bis auf 81 Euro. Nach Bekanntgabe der Verkaufspläne am späten Nachmittag fiel der Kurs allerdings und stand am Dienstagvormittag bei 77 Euro.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de