Die Kölner Haie haben in der aktuellen Saison der Eishockey-Bundesliga bisher jedes Spiel gewonnen. Nach Jahren des Sparens will auch der Namensgeber der Spielstätte Lanxess wieder angreifen. Mit der Übernahme des US-Konkurrenten Chemtura sorgen die Kölner gleich für den größten M&A-Deal der Unternehmensgeschichte.

Lanxess

26.09.16
Deals

Lanxess bietet 2,4 Milliarden Euro für US-Wettbewerber Chemtura

Der Chemiekonzern Lanxess will den US-amerikanischen Hersteller von Zusatzstoffen Chemtura übernehmen. Um den Zukauf zu stemmen, verzichtet Lanxess auf den geplanten Aktienrückkauf und zapft den Kapitalmarkt an.

Das Spezialchemie-Unternehmen Lanxess plant einen Milliardenzukauf in den USA. Für umgerechnet 2,4 Milliarden Euro will der MDax-Konzern den US-amerikanischen Hersteller von Zusatzstoffen Chemtura übernehmen. Im Kaufpreis enthalten sind 300 Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten und 200 Millionen Euro Pensionsrückstellungen. Bei einem adjustierten Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen vor Sondereinflüssen) von rund 245 Millionen Euro entspricht das einem Vielfachen von 9,8x. 

Lanxess verspricht sich durch die Übernahme bis ins Jahr 2020 Synergien von jährlich 100 Millionen Euro. Diese einberechnet, kommt Lanxess auf ein Multiple von 7x Ebitda. Die Kölner bieten den Chemtura-Aktionären 33,50 US-Dollar pro Aktie in bar. Das entspreche einer Prämie von 18,9 Prozent auf den Schlusskurs vom 23. September. 

Lanxess will M&A-Deal überwiegend mit Anleihen finanzieren

Finanzieren will Lanxess-CFO Michael Pontzen die größte Übernahme der Unternehmensgeschichte durch die Ausgabe neuer Unternehmens- und Hybridanleihen sowie aus Cash-Reserven – am 30. Juni 2016 lagen die bei 650 Millionen Euro. Der geplante 200 Millionen Euro starke Aktienrückkauf ist damit für die Kölner passé.

Durch die Ausgabe neuer Anleihen steigt zwar die Nettoverschuldung, die zum Ende des ersten Halbjahres bei rund 900 Millionen Euro lag. Die Zinsen, die Lanxess auf die Bonds zahlen muss, dürften angesichts des Niedrigzinsumfelds allerdings gering sein. Die Aktionäre quittieren diesen Schritt heute mit einem Kursanstieg der Aktie um über 10 Prozent auf rund 54 Euro. Von dem Rekordhoch von 70 Euro aus dem Jahr 2013 ist Lanxess aber noch weit entfernt.

Lanxess-Ebitda hätte mit Chemtura bei 1,1 Milliarden Euro gelegen

Mit der Übernahme der in Philadelphia ansässigen Chemtura stärkt Lanxess seine Präsenz in Nordamerika und richtet gleichzeitig das eigene Geschäftsportfolio neu aus. Chemtura produziert hauptsächlich Hilfsstoffe, so genannte Additive, für Flammschutz und Schmierstoffe, die es an Industriekunden verkauft. Lanxess bündelt dieses Geschäft künftig zusammen mit der eigenen Geschäftssparte Rhein Chemie Additives unter dem Dach „Performance Additives“.

Chemtura hat zuletzt 1,5 Milliarden Euro umgesetzt. Das US-Übernahmeziel mit einberechnet, hätte Lanxess 2015 einen Jahresumsatz von 9,4 Milliarden Euro verbucht. Das Ebitda vor Sondereinflüssen hätte bei 1,1 Milliarden Euro gelegen.

Lanxess will nach Schrumpfkurs wieder wachsen

Zuletzt hatte Lanxess-CEO Matthias Zachert dem 2005 von Bayer ausgegliederten Spin-Off einen strikten Sparkurs auferlegt und das Unternehmen restrukturiert. Im Sommer konnte Zachert die Prognose für das operative Ergebnis insgesamt zweimal erhöhen und rechnet für das laufenden Geschäftsjahr mit einem bereinigten Ebitda zwischen 930 und 970 Millionen Euro.

Mit der im April angekündigten Übernahme des Desinfektions- und Hygienelösungsgeschäfts von Chemours (ebenfalls in Nordamerika) läutete Zachert im April dieses Jahres die neue Wachstumsphase ein. Während Lanxess die Chemours-Übernahme noch in diesem Jahr abschließen will, rechnen die Kölner bei Chemtura mit einem Vollzug erst Mitte 2017. Zwar haben beide Parteien eine Übernahmevereinbarung unterzeichnet. Jedoch müssen neben den üblichen kartellrechtlichen Behörden noch die Aktionäre von Chemtura der Übernahme zustimmen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de