M&A-Deals: Lanxess wird wieder aktiv und plant den nächsten Zukauf.

Lanxess

29.04.16
Deals

M&A-Deals: Lanxess, Tui, Tipico

Lanxess plant nach der Neuausrichtung seinen ersten M&A-Deal, Tui verkauft Hotelbeds an den PE-Investor Cinven und CVC kauft die Mehrheit an Tipico. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Lanxess macht M&A-Deal mit US-Wettbewerber Chemours

Der Spezialchemiekonzern Lanxess übernimmt das  Geschäft mit Desinfektions- und Hygienelösungen des US-Wettbewerbers Chemours, wie die Nachrichtenagentur Dow Jones berichtete. Der M&A-Deal hat einen Wert von rund 210 Millionen Euro. Finanzieren will Lanxess den Zukauf aus liquiden Mitteln. Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Die Freigabe der Kartellbehörden steht noch aus.

Es ist der erste Deal nach der Neuausrichtung von Lanxess. Die starke Abhängigkeit von der Reifen- und Autoindustrie hatte den ehemaligen Dax-Konzern in der Vergangenheit in Bedrängnis gebracht. Lanxess erhofft sich aus dem M&A-Deal einen jährlichen Ebitda-Beitrag von rund 20 Millionen Euro. Dieser soll bis 2020 schrittweise auf etwa 30 Millionen Euro steigen. Die Sparte erzielte im vergangenen Geschäftsjahr rund 100 Millionen Euro Umsatz.

PE-Investor Cinven übernimmt Hotelbeds von Tui

Das Private-Equity-Haus Cinven kauft die Tui-Tochter Hotelbeds für 1,2 Milliarden Euro. Der Übernahme liegt eine Bewertung des Online-Buchungsportals von 17x Ebita zugrunde. Der von Tui-CFO Horst Baier vereinbarte Kaufpreis übertrifft die Erwartungen. Ursprünglich wurde der Preis in einer Spanne von 750 Millionen bis 1 Milliarde Euro geschätzt. Für den PE-Investor EQT ist der Deal wohl eine Enttäuschung, denn die Schweden sollen ebenfalls Interesse an Hotelbeds gehabt haben. Als Berater mandatierte Cinven Bain & Company (Commercial), Freshfileds Bruckhaus Deringer (Recht), Lazard, Morgan Stanley, HSBC und PwC (M&A), Deloitte (Steuern) und PwC (Finanzen, Personal und IT).

CVC kauft Mehrheit an Tipico

Der PE-Investor CVC hat eine Mehrheit an dem Wettanbieter Tipico erworben. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Zugrunde liegen soll jedoch ein Unternehmenswert von rund 1,4 Milliarden Euro, wie Reuters unter Berufung auf mit dem Deal vertraute Personen berichtete. 40 Prozent der Anteile verbleiben bei den bisherigen Eigentümern.

Auch die Private-Equity-Häuser Centerbridge und Xio aus China hatten mitgeboten. Beraten wurden die Gesellschafter von Tipico bei dem Verkauf von der Sozietät Weil, Gotshal & Manges unter Federführung von Gerhard Schmidt. CVC wurde bei der Transaktion durch Latham & Watkins unter Leitung von Partner Oliver Felsenstein sowie durch Freshfields begleitet.

Steinhoff schreibt Darty-Deal ab

Der Bieterkampf um den britischen Elektronikhändler Darty scheint vorbei: Die französische Handelskette Fnac hat ihr Angebot laut erneut auf nunmehr 1,70 Britische Pfund je Aktie in bar erhöht. Damit ergibt sich ein Angebotswert von rund 900 Millionen Britischen Pfund (1,16 Milliarden Euro).

Der Möbelhersteller Steinhoff, der der in Deutschland vor allem durch die Möbelkette Poco bekannt ist, hatte zwar bis zum Schluss mitgeboten, doch will sein Angebot jetzt nicht mehr erhöhen. Ein höherer Kaufpreis biete keine ausreichenden Wertsteigerungen, argumentierte das Unternehmen.

Novartis erwägt offenbar Verkauf von Roche-Aktien

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis zieht offenbar den Verkauf seiner Milliardenbeteiligung an seinem Konkurrenten Roche in Betracht. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. Demnach diskutiere Novartis mit Investmentbanken, welche Verkaufsoptionen für das an der Börse mit 13,5 Milliarden Schweizer Franken (rund 12,3 Milliarden Euro) bewertete Aktienpaket bestünden. Ein konkreter M&A-Deal soll jedoch noch nicht vorbereitet werden.

Weitere M&A-Deals und M&A-News

Die Investoren Heilemann Ventures und Earlybird VC fusionieren ihre Digital-Tech-Teams. In diesem Zuge legen der Frühphasenfinanzierer Heilemann und der Wagniskapitalgeber Earlybird einen neuen gemeinsamen Earlybird-Digital-West-Fonds auf. Dieser soll eine Größenordnung von 150 Millionen Euro erreichen.

Der Chemiekonzern BASF will sein Geschäft mit Polyolefinkatalysatoren an das US-Unternehmen W.R. Grace & Co veräußern. Der angestrebte M&A-Deal umfasst Technologien ebenso wie Patente, Marken und Produktionsanlagen in den USA und Spanien. Zudem sollen 170 Mitarbeiter zum Käufer wechseln. Abgeschlossen werden soll der Verkauf im dritten Quartal. Die zuständigen Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

Stabilus übernimmt von der schwedischen SKF-Gruppe die Industriezulieferer ACE, Hahn Gasfedern und Fabreeka/Tech Products. Die Kartellbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen. Insgesamt ist der M&A-Deal 339 Millionen US-Dollar (rund 300 Millionen Euro) schwer. Die Unternehmen erzielten im vergangenen Geschäftsjahr einen konsolidierten Umsatz von rund 120 Millionen US-Dollar (106 Millionen Euro). Stabilus hatte die Kanzlei White & Case sowie die US-Kanzlei Nixon Peabody als Berater mandatiert. Die Feder führte Gernot Wagner. Zudem war ein Team von CMS Hasche Sigle um Wolfgang Richter und Hendrik Hirsch für Stabilus beratend tätig. SKF hatte Reed Smith als Berater beauftragt.

Das Unternehmen Almonty Industries, an dem die Deutsche Rohstoff AG mit 13,2 Prozent beteiligt ist, verkauft die Wolfram Camp Mine. Eine entsprechende Vereinbarung hat Almonty mit ATC Alloys getroffen. Der Kaufpreis beläuft sich auf 6 Millionen Australische Dollar, die in Form von 120 Millionen Aktien gezahlt werden. Damit wird Almonty nach Abschluss des Deals mit 53 Prozent an ATC Alloys beteiligt sein.

Die Berentzen-Gruppe, die zum Portfolio von Aurelius gehört, hat mit dem holländischen Investor Monolith einen neuen Ankerinvestor. Monolith hat 10,4 Prozent der Aktien der Berentzen-Mutter erworben. Die Transaktion wurde von der Oddo Seydler Bank begleitet. Aurelius hält nach dem Verkauf noch rund 18,8 Prozent der Anteile am Mutterunternehmen von Berentzen.

Osram konkretisiert laut dpa die Verkaufspläne für sein Lampengeschäft. Bindende Gebote von Finanzinvestoren und strategischen Investoren unter anderem aus Asien werden für die kommenden Wochen erwartet. Der Konzern hat seinen CFO Klaus Patzak erst kürzlich auf Grund unterschiedlicher Ansichten über die Konzernstrategie verloren.  

Der PE-Investor Quantum Capital Partners hat von Tenneco, einem Hersteller von Abgas- sowie Federungs- und Dämpfungssystemen, eine Produktionsanlage in Spanien erworben. Tenneco betreibt weltweit 90 Produktionsstätten und erzielte im Jahr 2014 einen Gesamtumsatz von rund 8,4 Milliarden US-Dollar. Beraten wurde der Konzern bei dem Verkauf durch die Kanzlei Jones Day unter Federführung von Ansgar Rempp. Für Quantum Capital Partners war Tracc Legal tätig.

HCI Capital hat das Hamburger Unternehmen Ernst Russ übernommen. Die Peter Döhle Schifffahrts-KG und die MS „Cordula“ Schiffahrtsgesellschaft haben die Kommanditanteile von Ernst Russ im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung in HCI Capital eingebracht. HCI Capital erweitert mit dem M&A-Deal seine Schiffsflotte. Bei der Transaktion agierte Taylor Wessing als Berater von HCI Capital. Das Team leitete Oliver Kirschner.

E.on gründet ein Projekt-Joint-Venture mit dem norwegischen Energiekonzern Statoil, um einen Offshore-Windpark zu errichten. E.on wird für den Bau des Projekts Arkona verantwortlich sein und 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten. Beraten wurde E.on bei der Transaktion durch Freshfields. Statoil hatte die Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells unter Federführung von Tobias Flasbarth als Berater mandatiert.

Die schwedische Design Your Home Holding erwirbt 94 Prozent der Anteile an der Aton Verwaltungs- und Handels GmbH. Der Kaufpreis beträgt 1 Million Euro und wird bar beglichen. In der Folge soll im Zuge einer Kapitalerhöhung der Design Your Home Holding das Unternehmen Aton in eine AG umgewandelt werden.

Die Magna Automotive Holding hat das Unternehmen Telemotive übernommen, das Automobilelektronik entwickelt. Der Kaufpreis ist unbekannt. Die wettbewerbsrechtliche Freigabe steht noch aus, der Abschluss des Deals wird für das zweite Quartal erwartet. Beraten wurde Magna bei der Transaktion durch Baker & McKenzie unter Federführung von Partner Florian Kästle.

Die Berliner Unternehmen SumUp und Payleven, die Bankkarten-Lesegeräte für Smartphones und Tablets anbieten, schließen sich zusammen. Payleven gehört dem Konzern Rocket Internet, in SumUp haben unter anderem American Express und Groupon investiert. Das fusionierte Unternehmen wird als SumUp geführt und soll über 300 Mitarbeiter haben. Weitere Details der Fusion sind nicht bekannt. Für Payleven war die Wirtschaftskanzlei Noerr unter Federführung von Felix Blobel beratend tätig.

Die Airopack Technology Group hat den 50-prozentigen Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen Airolux von Resilux erworben. Der Kaufpreis von 25 Millionen Euro wird bar gezahlt. Außerdem begleicht Airopack die ausstehenden Gesellschafterdarlehen und Finanzverbindlichkeiten von Resilux gegenüber Airolux, die sich auf rund 37 Millionen Euro belaufen.

Lufthansa könnte eine mögliche Übernahme der Fluglinie Brussels Airlines nach den Terroranschlägen in Brüssel offenbar noch überdenken: Das Ende der Übernahmefrist für die verbleibenden Anteile wird um drei Monate verschoben. Somit könnte ein denkbarer M&A-Deal nicht vor September abgeschlossen werden. Bislang hält Lufthansa 45 Prozent an der belgischen Fluglinie.

Obotritia Capital hat im Rahmen einer strategischen Partnerschaft die Aktionärsbank von der Fintech Group erworben. Der technische und aufsichtsrechtliche Betrieb der Bank wird durch das Banksystem der Fintech-Group-Töchter Bank biw und Xcom gewährleistet. Künftig wird die Bank als Bankhaus Obotritia geführt.

Die deutsche Finanzindustrie unterstützt die geplante Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange offenbar größtenteils. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage des Center for Financial Studies. Demnach befürworten 63 Prozent der befragten Finanzinstitute den  Zusammenschluss grundsätzlich. Allerdings erwartet eine Mehrheit negative Folgen für den Finanzplatz Frankfurt, sollte der Sitz des fusionierten Unternehmens in London sein.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.