Die Lufthansa hat offiziell ihr Interesse an Condor bestätigt. Ihr Angebot könnte sie noch auf weitere Airlines der Thomas-Cook-Gruppe ausweiten.

Lufthansa/Alex Tino Friedel ATF Pictures

07.05.19
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Lufthansa legt Angebot für Condor-Übernahme vor

Die Lufthansa streckt die Fühler nach Condor aus: Die Fluglinie hat offiziell ein erstes Kaufangebot für den Ferienflieger abgegeben. Ein Deal wäre komplex, aber der Verkäufer braucht dringend Geld.

Auf der Hauptversammlung in Bonn ließ Lufthansa-Chef Carsten Spohr die Katze aus dem Sack: Die Lufthansa ist an der kompletten Übernahme des Ferienfliegers Condor interessiert, verkündete er am heutigen Dienstag in Bonn. Die Lufthansa habe dem aktuellen Condor-Eigentümer, dem britischen Reisekonzern Thomas Cook, bereits ein unverbindliches Angebot vorgelegt.

Damit hat sich die Lufthansa in dem laufenden M&A-Prozess in Stellung gebracht. Laut Spohr könnte der Konzern sein Angebot für Condor gegebenenfalls auch auf die komplette Airline-Sparte der Thomas-Cook-Gruppe ausweiten, die unter anderem auch eine große Ferienfliegerflotte in Großbritannien betreibt. 

Kartellprobleme und M&A-Konkurrenz für Lufthansa

Doch anders als etwa bei der ebenfalls zum Verkauf stehenden Alitalia stößt die Lufthansa im M&A-Prozess bei Thomas Cook auf Konkurrenz. Als weitere Interessenten werden die Wizz-Air-Muttergesellschaft Indigo, die British-Airways-Mutter IAG sowie die Billigflieger Ryanair und Easyjet gehandelt. Die von Thomas Cook zum Verkauf gestellten Fluggesellschaften umfassen eine Flotte von rund 105 Flugzeugen. Etwa 9.000 Mitarbeiter sind in dem Bereich beschäftigt, davon rund 4.000 bei Condor. Der Flugbetrieb des Konzerns in Großbritannien, Skandinavien, Deutschland und Spanien erzielte zuletzt einen operativen Gewinn von 129 Millionen Britischen Pfund (etwa 147 Millionen Euro).

Spohr geht davon aus, die Einheit der Condor-Flotte mit Lang- und Kurzstreckenflugzeugen erhalten zu können, sagte er am Rande der Hauptversammlung. Allerdings ist dies alles andere als gewiss. Während eine Integration der Condor-Langstreckenflotte in die Lufthansa-Tochter Eurowings wenig Kartellprobleme verursachen dürfte, sind bei den Kurz- und Mittelstreckenangeboten Auflagen durch die EU-Kommission zu erwarten, zitieren Nachrichtenagenturen den Lufthansa-CEO. Die EU hatte aufgrund kartellrechtlicher Bedenken bereits die Übernahme von Teilen der insolventen Air Berlin durch die Lufthansa unterbunden

Thomas Cook braucht Erlöse aus Airline-Verkauf dringend

Allerdings dürfte der Verkäufer konstruktiv an einer Lösung möglicher Kartellprobleme mitarbeiten, denn Thomas Cook benötigt dringend einen schnellen Abschluss des Airline-Verkaufs. Das Unternehmen braucht die Erlöse aus dem Verkauf offiziell, um in seine Digitalisierungsstrategie und das Hotelgeschäft investieren zu können.

Fakt ist aber auch, dass der Touristikkonzern in Geldnöten steckt und die bevorstehenden Investitionen in die Modernisierung der Langstreckenflotte aus eigener Kraft kaum stemmen könnte – und Condor betreibt eine der ältesten Langstreckenflotten Europas.

Die Indizien für eine ernste Krise bei Thomas Cook sind zahlreich: In den zurückliegenden zwölf Monaten beispielsweise hat der Konzern 80 Prozent seines Börsenwerts eingebüßt. Lag der Aktienkurs im Mai 2018 noch bei 146 Pfund, dümpelte er zuletzt bei Werten zwischen 20 und 25 Pfund. 

Condor-Verkauf könnte Thomas Cook Luft verschaffen

Im Februar senkte außerdem die Ratingagentur S&P das Rating des britischen Reiseanbieters um eine Stufe auf B, versehen mit einem negativen Ausblick. Damit stuft S&P den Konzern klar im spekulativen Bereich ein. S&P befürchtet, dass der Spielraum von Thomas Cook, seine Kredit-Covenants einzuhalten, immer geringer werde. Auch Moody’s stufte Ende April das Rating auf B3 zurück.

In Großbritannien kursieren Presseberichte, denen zufolge Thomas Cook bei seinen Banken zusätzliche Kreditlinien für den Winter angefragt habe. Typischerweise erreicht die Cash-Position von Reiseveranstaltern im Dezember den jährlichen Tiefpunkt, und der Winter 2019 droht für die finanziell ausgezehrte Thomas Cook kritisch zu werden.

Die Analysten von Berenberg glauben aber, dass die Banken „keinen Grund dazu“ hätten, Thomas Cook in der momentanen Lage frisches Geld zur Verfügung zu stellen, heißt es in einem aktuellen Report. Eine Finanzspritze hält Berenberg nur für denkbar, wenn Thomas Cook die bereits revidierten Covenants einhalten und den Banken außerdem Zugriff auf die Erlöse aus dem Airline-Verkauf gewähren würde. 

M&A-Interesse treibt Thomas-Cook-Aktie

Die Investoren setzen offenbar darauf, dass ein zügiger Verkauf des Airline-Geschäfts dem Thomas-Cook-Management wieder mehr Spielraum verschafft. Als Reaktion auf die ersten konkreten Übernahmeangebote für das Airline-Geschäft legte der Thomas-Cook-Aktienkurs heute Vormittag bereits um gut 6 Prozent zu. 

FINANCE-Köpfe

Ulrik Svensson, Deutsche Lufthansa AG

Nach seinem Abschluss an der Stockholm School of Economics fängt Ulrik Svensson bei Swedish Match im Jahr 1985 als Leiter Budget und Berichtswesen an, bis er 1989 zu dem britischen Bürobedarfshersteller Esselte in Stockholm wechselt. Dort ist er regionaler Controller und Geschäftsführer. Von 1992 bis 2000 ist Ulrik Svensson in den zur Stenbeck Gruppe gehörenden Telekommunikationsunternehmen Millicom und Société Européenne de Communication in Luxembourg tätig. Dort verantwortet Svensson die Bereiche  Controlling, Investor Relations, Steuern und Accounting.

Im Jahr 2000 kehrt Svensson zu Esselte zurück, diesmal allerdings nach Großbritannien. Dort ist er Finanzvorstand und zeitweise auch CEO des Unternehmens. Anschließend wechselt Ulrik Svensson 2003, ebenfalls als CFO, zu Swiss International Air Lines.

2006 wird Svensson CEO beim Finanzinvestor Melker Schörling. 10 Jahre lang arbeitet er für die Schweden, bis er im Januar 2017 zur Deutschen Lufthansa wechselt und dort Finanzvorstand wird. Im Mai 2017 wird Svensson neben seiner Tätigkeit als CFO in den Aufsichtsrat der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines gewählt.

zum Profil

Die Lufthansa-Aktie tendierte am Dienstagvormittag hingegen leicht ins Negative, nachdem das Unternehmen die Zahlen für ein schwaches erstes Quartal vorgelegt hatte. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag mit einem Minus von 336 Millionen Euro tief im negativen Bereich und deutlich unter dem Vorjahresquartal (52 Millionen Euro). Das Konzernergebnis ging auf minus 342 Millionen Euro zurück (Vorjahr: minus 39 Millionen Euro). Die Eckdaten dieser Zahlen hatte die Lufthansa bereits Mitte April bekanntgegeben. 

Als Grund für das schwache Ergebnis führte die Lufthansa Überkapazitäten insbesondere auf der Kurz- und Mittelstrecke in Europa an. Man sei aber aufgrund der guten Buchungslage für die kommenden Monate zuversichtlich, die Stückerlöse bereits im zweiten Quartal wieder steigern zu können, sagte CFO Ulrik Svensson.