Hohe Aktivität, aber auch ein hohes Preisniveau: Kaufinteressenten schauen zurzeit in der Due Diligence ganz genau hin.

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03.06.15
Deals

M&A: „Aschenputtel-Zeit der Due Diligence ist vorüber“

Gute Finanzierungsbedingungen, hohe Dealaktivität: M&A-Deals sind für viele Unternehmen zurzeit das Mittel der Wahl, wenn es um Wachstum geht. Das rege Treiben am M&A-Markt lässt die Strategen aber keinesfalls wahllos agieren.

Am deutschen M&A-Markt hat sich die M&A-Aktivität in den vergangenen Monaten über nahezu alle Branchen hinweg noch einmal gesteigert. Darauf deuten die Ergebnisse der jüngsten Befragung des FINANCE M&A Panels hin, für das die Redaktion von FINANCE gemeinsam mit der Kanzlei CMS Hasche Sigle sowohl M&A-Chefs deutscher Unternehmen als auch führende Investmentbanker und M&A-Berater anonym zu ihrer Markteinschätzung befragt hat.

Die M&A-Tätigkeit ist dabei zurzeit durchaus rege: Bei nahezu allen Branchen haben die befragten Investmentbanker und M&A-Berater einen höheren Wert vergeben als noch im Februar.

Lediglich in der Medienbranche stagniert die M&A-Aktivität, im Bereich Energie/Bergbau ging sie auf niedrigem Niveau leicht zurück. Die größte M&A-Aktivität sehen die Marktteilnehmer in den Branchen Software und IT, Handel und E-Commerce sowie Pharma und Healthcare. Besonders stark gestiegen ist die Aktivität in den vergangenen Monaten offenbar im Bereich Handel und E-Commerce (+17,6 Prozent).

Corporates setzen bei M&A-Deals auf eigene Liquidität

Die Finanzierung von M&A-Deals bestreiten die Unternehmen vorwiegend aus eigener Liquidität. Die M&A-Verantwortlichen auf dem Panel räumen dieser Finanzierungsform nach wie vor den höchsten Stellenwert ein. Allerdings scheinen die guten Rahmenbedingungen am Finanzierungsmarkt auch die Nutzung von Bankkrediten wieder etwas zu forcieren: Die Corporate-M&A-Chefs stufen den Stellenwert von Krediten um 6 Prozent höher ein als im Februar dieses Jahres und bewerten die Finanzierungsform insgesamt so hoch wie noch nie zuvor in den Befragungen.

Als wichtigsten Dealtreiber nennen die M&A-Chefs den Wunsch, das Wachstum des Unternehmens zu beschleunigen. Auch die befragten Investmentbanker und M&A-Berater sehen diesen Punkt gegenwärtig als wichtigsten Treiber von M&A-Transaktionen an.

M&A-Verhandlungen dauern immer länger

Der Wunsch nach Wachstum lässt die M&A-Verantwortlichen aber nicht wahllos werden. Im Gegenteil: Viele schauen genauer hin als in der Vergangenheit. Das hat aber Folgen: Viele  haben daher immer mehr den Eindruck, dass M&A-Deals langwierig sind. „Transaktionen benötigen von der Vorbereitung bis zum erfolgreichen Abschluss immer mehr Zeit. Dieser Trend ist ungebrochen. Dass Verhandlungen besonders intensiv und langwierig sind, hängt zweifellos auch mit den hohen bis sehr hohen Kaufpreiserwartungen der Verkäufer und dem großen Wettbewerb um attraktive Targets zusammen“, sagt Oliver Wolfgramm, Partner bei CMS Hasche Sigle.

Angesichts hoher Kaufpreise werden die Targets auf sorgfältig geprüft – und bei Zweifeln springen die Interessenten auch bei weit fortgeschrittenen Deals schon mal ab. Negative Due Diligence Findings haben sowohl nach Einschätzung der Corporate M&A-Chefs als auch nach Meinung der Investmentbanker und M&A-Berater als Dealbreaker an Bedeutung gewonnen. Ähnliches beobachtet Thomas Meyding, Partner bei CMS Hasche Sigle: „Die Aschenputtel-Zeit der Due Diligence ist vorüber. Die risikoorientierte und fokussierte Due Diligence erlebt derzeit eine Renaissance.“

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Die vollständigen Ergebnisse des FINANCE M&A Panels stehen im Bereich FINANCE Research kostenlos zum Download zur Verfügung.