Die Deutsche Wohnen will die österreichische Wohnungsgesellschaft Conwert übernehmen. Es ist nicht der erste Milliardendeal im Wohnungsmarkt.

Deutsche Wohnen

16.02.15
Deals

M&A-Deal: Deutsche Wohnen will durch Conwert-Übernahme weiter wachsen

Von Anna Wulf

Die Deutsche Wohnen überrascht mit einem neuen Mega-Deal: Sie will für 1,2 Milliarden Euro den österreichischen Wettbewerber Conwert übernehmen – rund ein Jahr nach der Verschmelzung mit der GSW. Nach der aufsehenerregenden Übernahme der Gagfah durch die Deutsche Annington geht die Konsolidierung in der Wohnungsbranche damit weiter.

Die Deutsche Wohnen hat überraschend einen milliardenschweren M&A-Deal angekündigt. Sie will für knapp 1,2 Milliarden Euro die österreichische Conwert übernehmen. Im Rahmen eines öffentlichen Übernahmeangebots bietet der MDax-Konzern 11,50 Euro je Conwert-Aktie, was in Summe rund 980 Millionen Euro entspricht. Außerdem würde die Deutsche Wohnen im Rahmen der Transaktion zwei Wandelschuldverschreibungen mit einem Volumen von rund 210 Millionen Euro mit übernehmen.

Da im Markt schon seit Monaten über eine Conwert-Übernahme spekuliert wurde, hatte der Kurs der  Conwert-Aktie seit Mitte Dezember um rund 20 Prozent auf zuletzt 10,97 Euro zugelegt. Das Angebot der Deutschen Wohnen liegt mit 11,50 Euro je Aktie nur 5 Prozent höher. Das Unternehmen bezieht sich jedoch auf den Durchschnittskurs des letzten Halbjahrs und errechnet so eine Prämie von 21,5 Prozent.

Deutsche Wohnen: Milliardendeal zum Teil selbst finanziert

Die Deutsche Wohnen will mit diesem Angebot mindestens 50 Prozent der Conwert-Anteile erzielen. Die Chancen stehen gut, da die Deutsche Wohnen schon Großaktionäre wie die Haselsteiner Familien-Privatstiftung auf ihre Seite ziehen konnte, die rund ein Viertel der Conwert-Anteile verkaufen wollen.

Allerdings gibt es Aktionäre, die den Angebotspreis als zu niedrig einschätzen und sich aller Voraussicht nach sträuben werden, das Angebot anzunehmen. Der Investor Alexander Proschofsky, dessen Unternehmen Cube Invest 1,5 Prozent der Conwert-Anteile hält, hält den gebotenen Preis nicht für fair, auch wenn er dem Einstieg der Deutschen Wohnen grundsätzlich positiv gegenübersteht. Medienberichten zufolge teilen auch die Investoren Petrus Advisors und der Fonds 3-Banken-Generali diese Meinung hinsichtlich des Angebots, die nach eigenen Angaben 6,7 Prozent beziehungsweise knapp 2 Prozent halten.

Den M&A-Deal mit einem Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Euro will die Deutsche Wohnen aus zwei Quellen finanzieren. Den Großteil soll eine Brückenfinanzierung über rund 900 Millionen Euro decken, die von Goldman Sachs und UBS bereitgestellt wird. Beraten wurden sie dabei von einem Clifford Chance-Team um Alexandra Hagelüken. Dieser Kredit soll noch in diesem Jahr durch eine Kapitalerhöhung abgelöst werden, damit der Verschuldungsgrad von Fremdkapital zu Eigenkapital des Unternehmens zum Jahresende wieder bei dem selbst gesteckten Ziel von rund 50 Prozent des Eigenkapitals liegt. Erst im Oktober 2014 hatte die Deutsche Wohnen ihre Finanzierungsstruktur durch eine vorzeitige Refinanzierung bestehender Darlehen im Volumen von 1,76 Milliarden Euro verbessert.

Den Rest des Kaufpreises will das Unternehmen nach eigenen Angaben aus freier Liquidität bestreiten.

Deutsche Wohnen auf dem Weg nach ganz oben

Die Deutsche Wohnen war im Oktober 2013 in die obere Liga der Wohnimmobilienkonzerne aufgestiegen, als sie die GSW Immobilien übernahm. Das deutsche MDax-Unternehmen hatte damals 1,7 Milliarden Euro in eigenen Aktien für den Konkurrenten gezahlt. Im Zuge des Zusammenschlusses hatte Andreas Segal, der ehemalige CFO und Co-CEO von GSW, den CFO-Posten in dem fusionierten Unternehmen übernommen.

Die Milliardenübernahme der GSW war nicht der einzige Deal der Deutschen Wohnen in den vergangenen Jahren. Das Unternehmen hatte ebenfalls 2012 die BauBeCon-Gruppe mit etwa 23.400 Wohnungen zugekauft und will jetzt noch weiter wachsen.

Conwert bringt 25.000 deutsche Wohnungen mit

Das neue Akquisitionsziel Conwert sitzt zwar in Wien, ist jedoch hauptsächlich in Deutschland investiert. Conwert hält derzeit 25.000 deutsche Wohnungen, zu denen Immobilien im Rhein-Main-Gebiet, in Berlin, Potsdam, Dresden und Leipzig zählen. Diese ergänzen das Portfolio der Deutschen Wohnen, die bislang auf knapp 150.000 Immobilien kommt, die ebenfalls vorwiegend in Berlin, der Rhein-Main-Region und im Rheinland liegen.

Zusammen mit Conwert würde die Deutsche Wohnen dann rund 180.000 Wohnungen halten. Der Bestand wäre damit immer noch weitaus geringer als der des Marktführers Deutsche Annington. Dieser hat nach dem vor dem Abschluss stehenden aufsehenerregenden Zusammenschluss mit Gagfah rund 350.000 Wohnungen im Portfolio und weist einen Portfoliowert von rund 21 Milliarden Euro auf. Die Aktie der Deutschen Wohnen ist am Freitag auf ein Hoch von 24,12 Euro gestiegen, was einem Börsenwert von rund 7 Milliarden Euro entspricht.


anna.wulf[at]finance-magazin.de