M&A-Deals: ABB, Hensoldt, Delivery Hero  

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ABB setzt auf britische Expertise im Bereich der Flusssteuerung. Foto: frank – stock.adobe.com
ABB setzt auf britische Expertise im Bereich der Flusssteuerung. Foto: frank – stock.adobe.com

ABB übernimmt Flusssteuerungsspezialisten Rotork

In der Schweiz bahnt sich ein Milliarden-Deal an: ABB übernimmt den britischen Flusssteuerungsspezialisten Rotork. Das Barangebot liegt bei 503 Pence (rund 5,90 Euro) je Aktie und entspricht einem Aufschlag von rund 60 Prozent auf den Dreimonatsdurchschnittskurs. Der implizite Unternehmenswert beläuft sich auf rund 4,8 Milliarden Euro. Der Rotork-Verwaltungsrat hat das Angebot einstimmig gebilligt und empfiehlt den Aktionären die Zustimmung.

Rotork entwickelt und fertigt Durchflussregelungssysteme und Stellantriebe für kritische Industrieanwendungen in Bereichen wie Öl und Gas, Chemie sowie Wasser- und Energieversorgung. Das Unternehmen erzielte 2025 einen Umsatz von rund 870 Millionen Euro bei einer bereinigten Betriebsmarge von 24,6 Prozent, wie ABB mitteilte. Die Schweizer wollen Rotork als eigenständige Division in ihren Automatisierungsbereich integrieren und damit das Angebot auf der Feldgeräteebene ausbauen. Rotork soll ABBs Konzernumsatz um rund 3 Prozent erhöhen.

ABB finanziert die Transaktion aus vorhandenen Barmitteln sowie zugesagten Kreditfazilitäten. Zusätzliche Liquidität erwartet der Konzern aus dem bereits vereinbarten Verkauf seines Robotikgeschäfts an Softbank, der rund 4,2 Milliarden Euro netto einbringen soll. Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2027 geplant, vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre und regulatorischer Genehmigungen. Barclays begleitete ABB als Finanzberater und die Kanzlei Freshfields agierte als Rechtsberater.

Hensoldt mischt bei Defence-Tech-Start-up Project Q mit

Der Rüstungskonzern Hensoldt investiert in das Münchener Defence-Tech-Unternehmen Project Q. Project Q entwickelt mit seiner Open-Source-Plattform Hydris Softwarelösungen, die Sensoren, unbemannte Systeme sowie Führungs- und Missionssysteme unterschiedlicher Hersteller miteinander verbinden und orchestrieren sollen.

Für Hensoldt ist das Investment die Vertiefung einer bereits bestehenden Kooperation. Das Taufkirchener Unternehmen will seine Sensorik-, KI– und Edge-Technologien sowie seine Integrationsplattform MDO Core mit der Hydris-Lösung von Project Q kombinieren. Ziel ist ein softwarezentrierter Ansatz zur Multi-Domain-Integration, bei dem Daten aus verschiedenen Plattformen und Einsatzbereichen zusammengeführt werden.

Mit dem Schritt unterstreicht Hensoldt seine Strategie, sich als Systemintegrator für vernetzte, softwaredefinierte Verteidigungsfähigkeiten zu positionieren und gezielt in europäische Defence-Tech-Unternehmen zu investieren. Project Q ist mit Standorten in München und Berlin vertreten.

Uber schluckt Delivery Hero

Uber übernimmt Delivery Hero und zerschlägt das Berliner Unternehmen. Uber legt 41,50 Euro je Aktie für den Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero auf den Tisch, was einem Eigenkapitalwert von rund 13 Milliarden Euro entspricht. Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen das Angebot. Die Mindestannahmeschwelle ist faktisch bereits erfüllt: Uber kontrolliert über direkte Beteiligungen, Derivate und eine Vereinbarung mit dem Prosus-Vehikel MIH Food Delivery Holdings bereits mehr als 53 Prozent der Anteile.

Aktivitäten in 14 Märkten, in denen Uber als direkter Wettbewerber auftritt, sollen für 1,4 Milliarden Euro an das New Yorker Beteiligungshaus SSW Partners abgegeben werden, aufgrund von Bedenken der Kartellbehörden. Betroffen sind unter anderem Foodora in Österreich, Glovo in Polen und Spanien sowie Yemeksepeti in der Türkei.

Uber sichert den Berliner Standort und die Beschäftigung der Belegschaft bis 2029 vertraglich zu und kündigt Investitionen von 2 Milliarden Euro in Deutschland bis 2031 an. Ein Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag ist für die nächsten drei Jahre nicht geplant. Kartell- und behördliche Freigaben stehen noch aus.

JP Morgan beriet Delivery Hero als Finanzberater, während Sullivan & Cromwell und Clifford Chance als Rechts- beziehungsweise Kartellrechtsberater agierten. Der Aufsichtsrat von Delivery Hero mandatierte Morrison Foerster.

Weitere M&A-Deals

Vinci tütet den Kauf des schwäbischen SAP-Spezialisten All for One für bis zu 336 Millionen Euro ein. Der französische Bau- und Infrastrukturkonzern bietet 67,50 Euro je Aktie und hat sich bereits knapp 55 Prozent der Anteile gesichert. Großaktionär UIAG will seine 50,3 Prozent abgeben. Vinci will mit der Übernahme die IT-Dienstleistungstochter Axians stärken, die rund ein Viertel des Umsatzes von Vinci beisteuert. All for One beschäftigt 3.000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt rund 500 Millionen Euro Umsatz.

Der Wassertechnologiekonzern Xylem übernimmt den Sensorspezialisten Trios aus Rastede in Niedersachsen. Das 1998 gegründete Unternehmen entwickelt optische Messsysteme zur Echtzeitüberwachung von Wasserqualität für kommunale, industrielle und umweltbezogene Anwendungen. Gibson Dunn beriet den Gründer und Alleingesellschafter von Trios bei der Transaktion.

Alexander Eyckeler ist künftig in irischen Händen: Der Rind- und Lammfleischhersteller Dawn Meats hat den Fleischvermarkter erworben. Das Unternehmen agierte bislang als Vertriebspartner der Alliance Group im deutschen Markt. Der Deal ist Teil der laufenden Integration der Alliance Group, an der Dawn Meats seit Ende vergangenen Jahres mit 65 Prozent mehrheitlich beteiligt ist. Mit der Akquisition baut der irische Fleischspezialist seine Präsenz in Deutschland aus und will Kundennähe sowie optimierte Lieferketten sicherstellen. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Grant Thornton hat Dawn Meats bei der Transaktion beraten.

Das schwäbische Glasfaser- und Kabel-Telekommunikationsunternehmen Strategic Fiber Networks (SFN) hat Northern Fiber Holding (NFH) übernommen. Mit dem Erwerb des auf ländliche und semi-urbane Regionen spezialisierten Breitbandnetzbetreibers stärkt SFN die regionale Präsenz und will den Glasfaserausbau vorantreiben. Dentons und Noerr haben die Verkäuferseite bei dem Deal rechtlich beraten.

Deals in Verhandlung

Die geplante Übernahme des US-amerikanischen Chemiekonzerns Pittsburgh Paints durch Henkel gerät ins Stocken: Noch bevor der Düsseldorfer Konsum- und Industriegüterkonzern die 725-Millionen-Dollar-Transaktion öffentlich kommunizieren konnte, meldete die US-Kartellbehörde FTC vor einem New Yorker Bundesgericht Bedenken gegen den Deal an. Eine Fusion der großen Marken Loctite und Liquid Nails würde dem amerikanischen Wettbewerb schaden, argumentiert die Behörde. Der Prozess soll mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Die geplante Übernahme des US-amerikanischen Chemiekonzerns Pittsburgh Paints durch Henkel gerät ins Stocken: Noch bevor der Düsseldorfer Konsum- und Industriegüterkonzern die 725-Millionen-Dollar-Transaktion öffentlich kommunizieren konnte, meldete die US-Kartellbehörde FTC vor einem New Yorker Bundesgericht Bedenken gegen den Deal an. Eine Fusion der großen Marken Loctite und Liquid Nails würde dem amerikanischen Wettbewerb schaden, argumentiert die Behörde. Der Prozess soll mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Der US-Metallverarbeiter Worthington Steel hat am 15. Juli 2026 die Annahmefrist für sein öffentliches Delisting-Angebot für die verbleibenden Klöckner-Aktien eröffnet. Die Bafin hat die Angebotsunterlage bereits gestattet. Worthington Steel bietet 11 Euro je Aktie. Die Frist läuft bis zum 12. August 2026. Worthington Steel hält nach dem vollzogenen freiwilligen Übernahmeangebot vom 3. Juni 2026 bereits rund 62 Prozent der Klöckner-Aktien. Mit dem Delisting-Angebot erhalten die verbliebenen Aktionäre eine Ausstiegsmöglichkeit, bevor die Klöckner-Aktie vom regulierten Markt genommen wird. Das Angebot ist ohne Vollzugsbedingungen und enthält keine Mindestannahmeschwelle.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.

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