M&A-Deals: Bertelsmann, Personio, TK Elevator

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Die Musiktochter BMG von Bertelsmann fusioniert mit dem US-Rivalen Concord. Foto: nmann77 -stock.adobe.com
Die Musiktochter BMG von Bertelsmann fusioniert mit dem US-Rivalen Concord. Foto: nmann77 -stock.adobe.com

Bertelsmann formt Musik-Champion mit Concord

Der nächste Milliarden-Deal mit deutscher Beteiligung bahnt sich an: Bertelsmann plant, seine Musiktochter BMG mit dem US-Rivalen Concord zu fusionieren. Das neue Unternehmen firmiert unter dem Namen BMG. Die bisherigen Concord-Eigner unter dem Dach von Great Mountain Partners übernehmen 33 Prozent und erhalten zusätzlich eine einmalige Barzahlung von 1,16 Milliarden US-Dollar. Als Pro-forma-Zahlen für die fusionierten Musikgeschäfte nennen die Partner für 2026 einen Jahresumsatz von 2,2 Milliarden US-Dollar und ein Ebitda von 730 Millionen US-Dollar.

Bertelsmann verankert damit ein weiteres Standbein neben seinen Geschäftsbereichen TV, Buch, Services und Bildung. Strategisch setzt der Konzern auf Skaleneffekte und IP-getriebene Geschäftsmodelle: BMG und Concord bündeln Kataloge, Verwaltung sowie Vermarktung und sollen sich als große Independent-Plattform zwischen Major-Labels und Nischenanbietern positionieren. Hauptsitz soll Nashville werden, europäischer Hub bleibt Berlin.

Für Bertelsmann zahlt der Deal zudem direkt auf die Wachstumsagenda ein. Der Konzern stärkt damit seine Präsenz im wichtigsten Musikmarkt USA und erhöht den Anteil wiederkehrender, katalogbasierter Erlöse. Mittelfristig peilt Bertelsmann für das kombinierte Musikgeschäft ein Ebitda von 1,2 Milliarden US-Dollar an.

Personio schnappt sich Recruiting-KI von Aurio

Personio übernimmt das Münchner Recruiting-KI-Startup Aurio und baut damit seine KI-Funktionen im Recruiting aus. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Das Aurio-Team wechselt in die Produkt-, Engineering- und Design-Organisation von Personio. Aurio liefert agentenbasierte KI für zentrale Recruiting-Workflows, vor allem für Kandidatensuche und Vorauswahl: Profile sollen automatisch identifiziert, Bewerbungen bewertet und priorisiert werden. Erste Funktionen aus der Integration will Personio noch im laufenden Jahr ausspielen.

Der Zukauf fällt in eine Phase, in der Personio den Fokus auf Effizienz und Profitabilität legt. Das Unternehmen meldet sein erstes profitables Quartal und verweist auf 16.000 Kunden mit 1,5 Millionen Mitarbeitenden.

Kone greift nach TK Elevator

Eignerwechsel bei TK Elevator (TKE): Der finnische Aufzughersteller Kone übernimmt von einem Konsortium unter Führung der Private-Equity-Gesellschaften Advent und Cinven den deutschen Mitbewerber TKE. Die Gegenleistung soll aus Cash und Kone-Aktien bestehen. Die Vereinbarung impliziert für TKE eine Unternehmensbewertung von 29,4 Milliarden Euro inklusive Schulden. Auf Pro-forma-Basis käme das kombinierte Unternehmen auf rund 20,5 Milliarden Euro Umsatz, ein bereinigtes Ebit von mehr als 2,7 Milliarden Euro und einen Wartungsbestand von rund 3,2 Millionen Einheiten. Das Closing erwartet Kone frühestens im zweiten Quartal 2027, vorbehaltlich behördlicher Freigaben und der Zustimmung der Kone-Aktionäre.

Kone und TKE kombinieren komplementäre regionale Aufstellungen und planen, Service und Modernisierung weiter in den Mittelpunkt zu rücken. Rund 65 Prozent des Pro-forma-Umsatzes stammen aus Service und Modernisierung. Die Parteien stellen jährliche Synergien von rund 700 Millionen Euro in Aussicht. Hebel sollen eine höhere Dichte der Servicenetzwerke, eine stärkere gemeinsame F&E, Plattform-Optimierung, Einkauf sowie Einsparungen bei Vertrieb und Verwaltung sein. Advent und Cinven sichern sich über ihre Holding das Recht, nach Closing zwei Board-Mitglieder zu benennen, darunter den stellvertretenden Vorsitzenden.

Weitere M&A-Deals

Dem Zalandogründer Christoph Gerber gelingt ein erneuter Millionenexit: Der niederländische Paymentanbieter Adyen übernimmt für 750 Millionen Euro 100 Prozent der Anteile an der Berliner Plattform Talon.One für Kundenbindung und Incentives. Die Talon.One-Gründer Christoph Gerber und Sebastian Haas reinvestieren einen signifikanten Teil ihrer Erlöse in Adyen-Aktien. Der Zahlungsdienstleister baut damit sein Angebot rund um datengetriebene Commerce-Funktionen aus und will Händler stärker an die eigene Plattform binden. Beraten wurde Adyen von Hengeler Mueller im integrierten Team mit De Brauw Blackstone Westbroek.

Betzemeier Automotive Software kauft die IT-Tochter Midata Service von der zur Santander-Gruppe gehörenden MCE Bank. Der Käufer erweitert damit sein Portfolio um ein etabliertes Dealer-Management-System sowie IT-Dienstleistungen für Autohäuser und Werkstätten. Midata soll eigenständig bleiben und vom bestehenden Management weitergeführt werden. Die MCE Bank ließ sich von Dentons beraten.

Das britische Verteidigungs-Startup Kraken Technology Group hat ein Joint Venture mit dem Schiffbauunternehmen NVL Group geschlossen, das seit März zum Rüstungskonzern Rheinmetall gehört. Ziel der Partnerschaft ist der Ausbau des Plattformportfolios für militärische und zivile Anwendungen. Die Briten wurden bei dem Deal rechtlich von Clifford Chance beraten.

Die Boettger Gruppe, ein Lieferant für die Lebensmittelindustrie, hat BG Labs, einen kolumbianischen Produkthersteller von medizinischem Cannabis, veräußert. Die Unternehmensgruppe hat sich dazu entschieden, dieses Geschäftsfeld nicht weiterzuentwickeln, weshalb man sich für einen Verkauf entschieden hat. Boettger wurde bei der Transaktion von Proventis Partners beraten.

Blick in den M&A-Markt

Handelskonflikte setzen dem DACH-M&A-Markt stärker zu als Zinsen und Konjunktur. Das zeigt die dritte Ausgabe des „Dealcircle M&A Pulse” für das Halbjahr 2026, einer regelmäßigen Umfrage unter M&A-Professionals aus Beratung, Private Equity und dem strategischen Käuferumfeld im deutschsprachigen Raum. 66 Prozent der Befragten nennen internationale Handels- und Zollkonflikte als größten Belastungsfaktor – besonders in exportlastigen Branchen wie Automotive, Maschinenbau und Chemie. Gleichzeitig bleiben „Broken Deals“ ein Thema: 58 Prozent verweisen auf Ergebnisabweichungen als häufigsten Abbruchgrund, 54 Prozent auf anhaltende Kaufpreislücken.

Strukturell bleibt das Angebot robust,  91 Prozent der Teilnehmer nennen Nachfolge als zentralen Verkaufsgrund. Auf der Käuferseite dominieren strategische Käufer aus Deutschland mit 63,5 Prozent, während Private-Equity-Investoren durch langen Exit-Stau und gebundenes Kapital ausgebremst werden. Der Engpass bleibt die Finanzierung: Nur 3 Prozent erwarten eine steigende Bereitschaft der Banken, 90 Prozent der Deals werden laut Umfrage mit maximal dem vierfachen Ebitda finanziert. Trotz hoher Risikoaversion (70 Prozent) rechnet eine Mehrheit mit einer Belebung: 62,2 Prozent erwarten steigende Transaktionszahlen in den nächsten zwölf Monaten.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.

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