M&A-Deals: Aleph Alpha, ProSiebenSat.1, Schaeffler

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Mit dem fusionierten Unternehmen aus  Aleph Alpha und Cohere soll ein transatlantischer KI-Champion entstehen. Foto: nerminmuminovic - stock.adobe.com
Mit dem fusionierten Unternehmen aus  Aleph Alpha und Cohere soll ein transatlantischer KI-Champion entstehen. Foto: nerminmuminovic - stock.adobe.com

Aleph Alpha fusioniert mit Cohere

Die beiden KI-Anbieter Aleph Alpha und Cohere aus Kanada fusionieren. Das kündigten beide Unternehmen gemeinsam mit dem deutschen Bundesdigitalminister Karsten Wildberger und dem kanadischen Minister für Künstliche Intelligenz und digitale Innovation der Regierung, Evan Solomon, bei einer Pressekonferenz in Berlin am heutigen Freitag an. Die transatlantische KI-Allianz soll den Unternehmen zufolge eine europäisch verankerte Alternative zu US-Anbietern wie Open AI, Anthropic, Google oder Microsoft bilden.

Strategisch zielen die Partner auf den Markt für „vertrauenswürdige KI“ in regulierten Branchen, vor allem im öffentlichen Sektor. „Was hier entsteht, ist ein deutsch-kanadisches KI-Modell: sicher, souverän, wettbewerbsfähig“, sagte Wildberger. Deutschland benötige eigene Entwicklungen, auf „die wir uns verlassen können“. Zudem solle das neue Unternehmen ein Ort sein, der Talente in Deutschland hält und einen „Brain Drain“ ins Ausland verhindern solle.

Die Kräfteverhältnisse der beiden Partner sind dabei ungleich, Cohere ist deutlich größer als Aleph Alpha. Cohere sammelte insgesamt 1,6 Milliarden Dollar (rund 1,4 Milliarden Euro) ein und wurde zuletzt mit 6,8 Milliarden Dollar (rund 5,2 Milliarden Euro) bewertet. Aleph Alpha kam in der vergangenen Finanzierungrunde vor rund zweieinhalb Jahren auf eine Bewertung von knapp 450 Millionen Euro. Entsprechend sollen die Anteilseigner von Cohere im kombinierten Unternehmen den größeren Anteil halten. Ein zentraler Baustein kommt von Schwarz Digits: Deren Cloud Stackit soll als Infrastruktur dienen. Schwarz plant zudem, Cohere im Rahmen einer anstehenden Finanzierungsrunde mit einer strukturierten Finanzierung weitere 600 Millionen Dollar (rund 513 Millionen Euro) bereitzustellen.

ProSiebenSat.1 verkauft Studio71 US

Das Creator-Business von ProSiebenSat.1 hat einen neuen Besitzer in den USA. Das Medienunternehmen hat die Marke Studio71 US an Fixated veräußert, ein in Los Angeles ansässiges Unternehmen mit Schwerpunkt auf Creator Economy. Mit dem Verkauf treiben die Bayern ihre geplante Portfoliofokussierung voran.

Der Deal umfasst die gesamte US-Unternehmensgruppe von Studio71, die seit 2015 zu dem Unterföhringer Unternehmen gehört. Das operative Geschäft in Deutschland bleibt ProSiebenSat.1 erhalten. Neben einem breiten Netzwerk an Content-Creatorn spezialisiert sich Studio71 auf den Podcast-Bereich und gehört laut Angaben von ProSiebenSat.1 zu den zehn führenden Anbietern in den USA.

Mit Fixated übernimmt nun ein Unternehmen, das sich auf die Bedürfnisse moderner Creators ausgerichtet hat. Der LA-Spezialist begleitet digitale Talente von der Produktion bis zur Vermarktung. Über den Verkaufspreis machten die beteiligten Unternehmen keine Angaben.

Schaeffler geht zwei strategische Partnerschaften ein

Schaeffler setzt auf humanoide Robotik. Dafür geht der Automobilzulieferer zwei strategische Partnerschaften ein, wie das Unternehmen mitteilte. Mit dem Schweizer Anbieter Hexagon Robotics vereinbarte der Motion-Technology-Konzern eine Zusammenarbeit zur Entwicklung und Lieferung hochpräziser Wellgetriebe- und Planetenradaktoren aus der Aktoren-Plattform von Schaeffler. Parallel dazu baut Schaeffler mit Vindynamics aus der vietnamesischen Vingroup eine Partnerschaft im asiatischen Raum auf. Im Zentrum stehen dort Planetenradgetriebe als Schlüsselkomponenten für Aktoren.

Schaeffler will sich damit als Zulieferer für zentrale Gelenk-Komponenten humanoider Systeme und als industrieller Anwender positionieren. In den kommenden sieben Jahren will das Unternehmen rund 1.000 humanoide Roboter von Hexagon Robotics in seinem globalen Produktionsnetzwerk einsetzen. Ziel: Automatisierungsschritte beschleunigen, Effizienz heben und die Integration künstlicher Intelligenz in physische Systeme skalieren.

Houlihan Lokey befördert Adrian Nowitzki und Lukas Schmitt

Houlihan Lokey zieht zwei Investmentbanker in die erste Reihe: Adrian Nowitzki und Lukas Schmitt steigen zu Managing Directors auf, wie die Investmentbank mitteilte. Nowitzki arbeitet im Capital Solutions Team, Schmitt ist M&A-Spezialist in der Industrials Group. Beide kamen Ende 2021 im Zuge des Zusammenschlusses mit GCA Altium zu Houlihan Lokey.

Nowitzki bringt 13 Jahre Erfahrung im Capital-Solutions-Geschäft mit – zunächst bei Altium, danach bei GCA Altium und seit Ende 2021 bei Houlihan Lokey. Als Debt-Advisory-Spezialist berät er vor allem Private-Equity-Kunden und gilt intern als prägender Gestalter des Teams.

Schmitt wechselte 2021 zu GCA Altium und ging noch im selben Jahr mit der Fusion zu Houlihan Lokey. Zuvor arbeitete er bei Alantra in den USA und Deutschland. Bei Houlihan Lokey berät er im Industrials-Team Transaktionen im europäischen Industrial-Technology-Sektor.

Mit den Beförderungen setzt Houlihan Lokey in Deutschland auf mehr Seniorität in zwei wichtigen Sektoren für die Investmentbank: Debt Advisory für Sponsor-Deals und Industrials-M&A, wo Käufer zunehmend sektor- und technologiegetriebene Expertise verlangen.

Weitere M&A-Deals

Porsche verkauft seine Anteile am Joint Venture Bugatti Rimac sowie an der Rimac Group an ein Erwerber-Konsortium unter Führung von HOF Capital. Käuferseitig ist Blue Five Capital größter Investor, ergänzt um institutionelle Investoren aus den USA und der EU. Zum Preis der Transaktion machte Porsche keine genaueren Angaben. Nach Closing will die Rimac Group die Kontrolle über Bugatti Rimac übernehmen und mit HOF Capital und Blue Five Capital eine strategische Partnerschaft für weiteres Wachstum etablieren. Dieses wird abhängig von Freigaben im Jahresverlauf 2026 erwartet.

Der Münchener Inspektions-, Prüf- und Analysedienstleister Certania hat das italienische Unternehmen Labortest übernommen. Dieses konzentriert sich auf Prüfungen und Inspektionen im Bauwesen – etwa von Tunneln, Brücken, Gebäuden und weiteren Infrastrukturbauten. Mit dem Zusammenschluss plant Certania, das Produktportfolio in Italien zu erweitern. Beraten wurden die Münchener von Baker Tilly.

Dunapack Packaging, die zur österreichischen Prinzhorn Group gehört, übernimmt die deutschen Wellpappverpackungswerke von Stora Enso. Die Übernahme umfasst die Unternehmen Gaster Wellpappe, Wellpappe Sausenheim und PTI samt Standorten in Südwestdeutschland. Von der Transaktion erhofft sich Dunapack Packaging, seine Präsenz in Deutschland auszubauen. Baker Tilly hat die Österreicher bei dem Deal beraten, der noch im Laufe dieses Jahres vollzogen werden soll.

Der Sicherheitsanbieter Scutum breitet sich in Norddeutschland aus: Mit dem Erwerb von Alarm- und Sicherheitstechnik B.W. plant die Gruppe aus Bad Soden am Taunus, ihre Präsenz im Norden auszubauen und technische Kompetenzen sowie ihr Dienstleistungsportfolio zu stärken. Die Transaktion wurde von Deloitte Legal begleitet.

Forterro baut sein Softwarepaket für Fenster- und Türenhersteller aus und plant die Übernahme von Klaes, einem deutschen Spezialisten für ERP- und Konfigurationslösungen für Fenster, Türen, Fassaden und Wintergärten. Strategisch ergänzt Forterro damit seine jüngsten Zukäufe Orgadata und BM Group. Klaes soll die Plattform entlang der Wertschöpfungskette verbreitern. Die Kanzlei Goodwin beriet Forterro bei dem Deal.

M&A-Berater-News

Drei Neuzugänge im Transaktionsteam von RSM Ebner Stolz: Zum 1. April sind Sergey Pankratz als neuer Director sowie Tanja Hanser und Qusai Almhaisen als Manager Transaction Services bei der Beratungsgesellschaft eingestiegen. Das neue Team um Pankratz wechselte vom Big-Four-Haus PwC und baut fortan das Dienstleistungsangebot in den Bereichen Financial Modelling und Model Review bei M&A-Transaktionen und Projektfinanzierungen aus.

Alexander Rieger wird neuer Managing Partner bei Latham & Watkins. Er folgt auf Burc Hesse, der die deutsche Praxis seit 2020 führte, wie die Kanzlei mitteilt. Rieger ist seit Mai 2023 Teil von Latham & Watkins. Zuvor bekleidete er in mehr als 20 Jahren verschiedene Rollen bei Hogan Lovells. „Wir verfügen über ein einzigartiges Set-up und sind bestens aufgestellt, um die komplexesten Mandate in Deutschland zu begleiten. Mit Blick nach vorn verfolgen wir ambitionierte Ziele, um unsere Position in diesem wichtigen Markt weiter auszubauen“, kommentiert Rieger seine neue Rolle.

M&A-Gerüchteküche

Die deutsche Telekom könnte bald mit der US-Tochter T-Mobile fusionieren. Diskutiert werde demnach ein Modell, bei dem eine neue Holdinggesellschaft Gebote für Aktien beider Unternehmen abgibt, wie „Bloomberg“ berichtet. Eine Vereinbarung sei laut den mit der Angelegenheit vertrauten Personen nicht sicher. Die Gespräche könnten auch scheitern. T-Mobile sprach von Spekulationen, die Deutsche Telekom äußerte sich dem Bericht zufolge bislang nicht. Politisch und regulatorisch wäre das Vorhaben sensibel: Der Bund hält rund 14 Prozent an der Deutschen Telekom, weitere Anteile liegen bei der KfW. Zudem wären Bundesnetzagentur und US-Behörden involviert.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.