Nemetschek schnappt sich HCSS
Nemetschek tütet die Übernahme von HCSS ein und holt sich damit laut eigenen Aussagen einen führenden Anbieter von Bausoftware für Infrastruktur- und Tiefbau in Nordamerika ins Haus. Verkäufer ist die Private-Equity-Gesellschaft Thoma Bravo. HCSS wird bei Nemetschek in den Bereich Build & Construct integriert. Im Rahmen der Transaktion wird Thoma Bravo mit 28 Prozent an Build & Construct beteiligt, Nemetschek wird die restlichen Anteile halten.
Einen Kaufpreis nennt Nemetschek nicht. HCSS kommt nach Unternehmensangaben auf rund 215 Millionen Dollar (rund 182,4 Millionen Euro) Umsatz im Jahr 2025, rund 21 Prozent ARR-Wachstum und etwa 40 Prozent Ebitda-Marge. Das Closing soll im zweiten Halbjahr 2026 erfolgen, vorbehaltlich behördlicher Freigaben.
HCSS ergänzt das Build-&-Construct-Portfolio von Nemetschek um operative Baustellenprozesse im Tiefbau und soll den adressierbaren Markt erweitern. Zugleich möchte die Gruppe auf mehr Cross-Selling zwischen Büro- und Baustellensoftware setzen, die aus der Kombination von HCSS-Lebenszyklusdaten und der eigenen KI-Expertise entstehen sollen.
JP Morgan berät Nemetschek bei dem Deal exklusiv als Finanzberater. Die Kanzleien Latham & Watkins sowie Hoffmann & de Vries unterstützen Nemetschek rechtlich, während Freshfields die Finanzierungsaspekte begleitet. Thoma Bravo lässt sich von Deutsche Bank, Citi und Centerview als Finanzberater sowie von Kirkland & Ellis rechtlich beraten.
Deutsche Börse kauft Minderheitsanteil an Kraken
Die Deutsche Börse baut die Partnerschaft mit der Kyptobörse Kraken aus und investiert 200 Millionen Dollar (rund 169,5 Millionen Euro) in Payward, die Marktinfrastruktur hinter der Kryptobörse. Das Geld fließt in eine Sekundärmarkttransaktion: Die Deutsche Börse kauft bestehende Anteile und kommt damit auf eine vollständig verwässerte Beteiligung von 1,5 Prozent. Die Parteien vertiefen damit eine Partnerschaft, die sie im Dezember 2025 angekündigt hatten.
Strategisch setzt die Deutsche Börse weiter auf den Kryptohype. Gemeinsam mit Kraken will der Konzern regulierte Angebote rund um Kryptowährungen, tokenisierte Märkte und Derivate ausbauen sowie die Liquidität für institutionelle Kunden in mehreren Regionen erhöhen. Inhaltlich zielt die Kooperation auf eine Brücke zwischen klassischer Kapitalmarktinfrastruktur und digitalen Assets: Handel, Verwahrung, Abwicklung, Sicherheitenmanagement und tokenisierte Vermögenswerte sollen stärker integriert werden.
Gründer holen Ankerkraut von Nestlé zurück
Ankerkraut kehrt zu seinen Ursprüngen zurück. Die Gründer Anne und Stefan Lemcke haben ihre Anteile an dem Hamburger Gewürzunternehmen von Nestlé zurückgekauft. Finanzielle Details nennen die Parteien nicht. Die Gründer wollen die Marke nach eigenen Angaben entlang ihrer ursprünglichen Identität weiterentwickeln und schneller auf eine veränderte Marktlage reagieren. Nestlé unterstützt den Wunsch nach „größerer unternehmerischer Eigenständigkeit“, sagte der Deutschlandchef Alexander von Maillot.
Der Deal dürfte auch reputationsgetrieben sein. Der Einstieg von Nestlé 2022 hatte in sozialen Medien massiven Gegenwind ausgelöst und das Markenbild polarisiert. Jetzt setzen die Gründer auf einen Neustart ohne Konzernhintergrund.
Weitere M&A-Deals
Volaris kauft den Heidelberger Softwareanbieter Zetvisions und baut damit sein deutsches Portfolio im Segment Beteiligungs- und Stammdatenmanagement aus. Verkäufer ist der Gesellschafter von Zetvisions. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten stillschweigen. Durch den Zukauf stärkt das Softwareunternehmen die Position im Bereich Legal Entity Management mit Kunden aus DAX-, MDAX- und SDAX-Kreisen sowie dem öffentlichen Sektor, heißt es aus dem Unternehmen. Görg hat den Gesellschafter von Zetvisions bei der Transaktion rechtlich beraten.
Das Familienunternehmen Bär schnappt sich die Marke Ströber Bequemschuhe aus der Insolvenz und stärkt damit ihr Angebot an orthopädisch orientierten Komfortschuhen. Die beiden Ströber-Gesellschaften hatten Anfang August 2025 Insolvenz beantragt. Bär übernimmt Vermögensgegenstände und ein Kernteam von Mitarbeitenden. Der Kaufpreis wird nicht genannt. Strategisch will sich das Familienunternehmen die Modelle künftig in der eigenen Fertigung produzieren und so Prozesse bündeln und effizienter machen.
Nächster Milliarden-Deal in der DACH-Region: Die österreichische Bank Bawag übernimmt das irische Geldinstitut Permanent TSB. Die Österreicher bieten den Aktionären 2,97 Euro je Aktie in bar. Das irische Finanzministerium als Großaktionär mit rund 57,5 Prozent unterstützt die Transaktion, ebenso der Verwaltungsrat von Permanent TSB. Damit setzt sich Bawag gegen weitere Bieter aus den USA durch, darunter Lone Star sowie ein Konsortium aus Sixth Street und Centerbridge. Das Closing steht noch unter Bedingungen, darunter die Zustimmung der Aktionäre, regulatorische Freigaben und die Zustimmung des irischen High Court. Hengeler Müller berät Bawag bei der Transaktion.
Trumpf verkauft seinen Geschäftsbereich Photonic Components in mehreren Teilveräußerungen und treibt damit die Fokussierung auf das industrielle Kerngeschäft voran. Wesentliche Teile der Standorte Ulm und Eindhoven inklusive eines Großteils der Fertigung gehen an einen Käufer aus den USA. Weitere Aktivitäten übernehmen ein Erwerber aus Taiwan sowie ein weiterer Käufer aus den USA. Kaufpreise nennt Trumpf nicht, und auch die Käufer bleiben ungenannt.
Circus greift in Belgien zu und übernimmt den Food-Robotik-Anbieter Alberts. Circus selbst ist ein in Hamburg ansässiges Unternehmen, das KI-gestützte Kochroboter (CA-1) für die vollautonome Speisenzubereitung entwickelt und betreibt. Das Alberts entwickelt patentierte autonome Versorgungssysteme und ist nach Angaben von Circus in sechs Ländern aktiv, unter anderem für Kunden wie Danone, Decathlon und Sodexo. Den Kaufpreis will Circus erst zum Closing veröffentlichen. Bezahlt werde über eine noch festzulegende Anzahl an Circus-Aktien mit 30 Monaten Lock-up, abhängig von Kursentwicklung und finalen Due-Diligence-Ergebnissen.
M&A-Berater-News
Karsten Maschler rückt in den Vorstand von Oaklins Germany auf. Er verantwortet weiterhin als operativer Partner die Sektoren Energy und Logistics und soll zusätzlich interne Strukturen und Prozesse weiterentwickeln. Zuvor war Maschler bei der M&A-Beratung als operativer Partner tätig und beriet über rund 20 Jahre mittelständische Unternehmen in Corporate Finance und Mid-Market-M&A. Unter dem erweiterten Vorstand um Florian von Alten und Jan P. Hatje will Oaklins Germany Sektorenexpertise, integrierte Beratung und die Anbindung an das internationale Netzwerk ausbauen.
Deals in Verhandlung
Das KI-Startup Aleph Alpha verhandelt offenbar über einen Zusammenschluss mit dem kanadischen KI-Anbieter Cohere. Wie unter anderem „Reuters” sowie weitere Medien unter Berufung auf mit dem Prozess vertraute Kreise berichten, laufen die Gespräche seit Jahresbeginn und sollen bereits weit fortgeschritten sein. Ein Abschluss könne zeitnah erfolgen. Entstehen soll demnach eine neue Gesellschaft mit Standorten in Deutschland und Kanada. Offiziell bestätigt haben Aleph Alpha und Cohere die Verhandlungen bislang nicht.
Brisant ist die politische Flankierung: Digitalminister Karsten Wildberger wirbt laut „Handelsblatt” offen für den Deal und nennt ihn „strategisch“ mit Blick auf KI-Souveränität. Aus Regierungskreisen heißt es dem Bericht zufolge, der Zusammenschluss liege „im strategischen Interesse Deutschlands“. Im Gespräch ist zudem, dass der Bund als Ankerkunde auftreten soll. Die Bundesregierung habe darüber hinaus darauf bestanden, dass wesentliche Entwicklungsleistungen in Deutschland bleiben und die Infrastruktur unter europäischer Rechtsordnung betrieben wird.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
