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17.11.17
Deals

M&A-Deals: Deutsche Bank, Lufthansa, Hochtief

Die Deutsche Bank hat zwei neue Großaktionäre und könnte vor einer Fusion stehen, Lufthansa will einen Großteil der Flugzeuge von Alitalia übernehmen und Atlantia will Hochtief im Bieterstreit ausstechen. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Deutsche Bank hat neue Großaktionäre

Die Investmentbank Morgan Stanley hat laut einer Pflichtmitteilung an die Märkte mit Hilfe verschiedener Finanzinstrumente rund 6,5 Prozent der Anteile der Deutschen Bank erworben. Bereits im Vorfeld des Zukaufs war die Investmentbank im Besitz von rund 0,5 Prozent und kontrolliert nun in Summe etwa 7 Prozent am Frankfurter Konkurrenten. Das US-Geldinstitut hat laut der Pflichtmitteilung Call-Optionen und eine Wertpapieranleihe gekauft, die es jederzeit in Aktien umtauschen kann. Bei einem aktuellen Aktienkurs von rund 16 Euro wäre das Paket knapp 2 Milliarden Euro wert.

Offiziell tritt Morgan Stanley als der Käufer der Anteile auf, jedoch halten sich hartnäckig Gerüchte, dass die Bank im Auftrag von einem oder mehreren Investoren handle. Am Donnerstag gab der Finanzinvestor Cerberus bekannt, sich mit 3 Prozent bei der Deutschen Bank eingekauft zu haben. Das Aktienpaket des US-Fonds ist rund 1 Milliarde Euro wert. Zu den Plänen von Cerberus ist nichts bekannt, die Beteiligung befeuert aber erneut Spekulationen über eine mögliche Fusion der Deutschen Bank und der Commerzbank. Der Investor hält seit Sommer auch 5 Prozent an der Commerzbank und einen großen Anteil an der österreichischen Bawag.

Lufthansa will bis zu 100 Alitalia-Flugzeuge übernehmen


Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa plant offenbar die Übernahme von 90 bis 100 Maschinen des insolventen Konkurrenten Alitalia. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf Insiderinformationen. Der Kaufpreis für die Flugzeuge soll sich demnach auf 250 Millionen Euro belaufen. Die Flotte der italienischen Airline fasst aktuell über 120 Flugzeuge. Ein Sprecher des Dax-Konzerns betonte jedoch, dass man nur an einer neu strukturierten „New Alitalia“ interessiert sei und nicht am Unternehmen in seiner jetzigen Form.

Bereits Mitte Oktober hatte Lufthansa Interesse an Teilen von Alitalia angemeldet, zugleich allerdings klargestellt, dass die Neustrukturierung des Konkurrenten eine Voraussetzung für eine Übernahme sei. Neben der Lufthansa haben auch der britische Billigflieger Easyjet und fünf weitere nicht bekannte Konkurrenten Angebote für Teile von Alitalia abgegeben. 

Atlantia will Hochtief im Bieterstreit ausstechen


Der italienische Mautabwickler Atlantia plant laut eines Artikels der „Financial Times“ den deutschen Baukonzern Hochtief im milliardenschweren Bieterrennen um den spanischen Infrastrukturanbieter Abertis zu überbieten. Atlantia-CEO Giovanni Castellucci versicherte im Gespräch mit der Zeitung, dass für ein weiteres Angebot noch Luft nach oben sei. Die Italiener hatten das Bieterverfahren mit einem Angebot über 16,3 Milliarden Euro eröffnet. Hochtief legte Mitte Oktober nach und erhöhte auf rund 17,1 Milliarden Euro. Finanzkreise gehen davon aus, dass das finale Angebot inklusive Schulden mehr als 30 Milliarden Euro schwer sein wird.

Vom Bieterrennen um Abertis profitieren auch die Banken, die Hochtief bei der geplanten Übernahme beraten, in hohem Maße. Laut einer exklusiven Erhebung des Dienstleisters Dealogic für FINANCE, haben die Finanzdienstleister Citigroup, JP Morgan und Lazard in den League Tables für M&A-Transaktionen mit Beteiligung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz einen großen Sprung nach vorne gemacht. 

Dieter Hahn stößt Constantin-Aktien ab


Der ehemalige Aufsichtsratschef des Sport- und Filmkonzerns Constantin Medien, Dieter Hahn, hat sich von weiteren Constantin-Aktien getrennt. Der einstige Großaktionär hat nun die meldepflichtige Schwelle von 3 Prozent unterschritten. Die Veräußerung von Hahns Anteilen ist die logische Folge seines verlorenen Machtkampfes gegen seinen Widersacher Bernhard Burgener, Chef der Constantin-Tochter Highlight Communications.

Hahn und Burgener hatten sich aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen für die zukünftige Ausrichtung des Medienunternehmens überworfen. Der Constantin-Aufsichtsratschef wollte den Konzern auf den Sportbereich fokussieren und die Filmsparte veräußern, Burgener hingegen wollte das Unternehmen als Ganzes erhalten. Nach einem monatelangen Streit und zahlreichen Manövern, legten Hahn und der Constantin-Chef Fred Kogel letztendlich ihre Ämter auf der vergangenen Hauptversammlung nieder

Pro Sieben Sat.1 mit hoher M&A-Aktivität

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 mischt den M&A-Markt gehörig auf. Am vergangenen Donnerstag hat sich das in Bayern ansässige Unternehmen 42 Prozent der Marketing-Plattform Buzzbird gesichert, wie beide Unternehmen bekannt gaben. Die Plattform setzt Marketing-Kampagnen mit Influencern um. Laut eigenen Angaben ermöglicht Buzzbird den Kontakt zu rund 6.500 Influencern. Am gleichen Tag berichtete das „Handelsblatt“, dass offenbar mindestens vier Finanzinvestoren Interesse an der Digitalsparte von ProSieben haben. Demnach hätten unter anderem die beiden Private-Equity-Investoren EQT und General Atlantic Angebote für 30 bis 40 Prozent der Anteile an der Sparte abgegeben. Pro Sieben Digital wird dem Bericht zufolge aktuell mit mehr als 1,3 Milliarden Euro bewertet.

Auch bei der von ProSiebenSat.1 mitbegründeten digitalen Werbevermarktungspartnerschaft European Broadcaster Exchange (EBX), hat sich eine Veränderung ergeben. Der britische Wettbewerber Channel 4 beteiligt sich nun ebenfalls an dem im Juni gegründeten Joint Venture. Neben diesen beiden Medienkonzernen sind bereits die internationalen Wettbewerber Mediaset (Spanien/Italien) und TF 1 (Frankreich) an dieser Partnerschaft. Alle vier Unternehmen halten jeweils 25 Prozent der Anteile an EBX. Beraten wurden die Unternehmen von der Anwaltskanzlei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy (Federführung: Martin Erhardt).

Weitere M&A-Deals

Auch das zu ProSiebenSat.1 gehörende Online-Vergleichsportal Verivox war auf dem M&A-Markt aktiv. Wie das Unternehmen mitteilte, übernimmt Verivox den Kündigungsservice für Verbraucherverträge Aboalarm. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Der Abschluss der Transaktion soll Anfang Januar erfolgen. Die Wirtschaftskanzlei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy (Federführung: Martin Erhardt) hat Pro Sieben bei der Transaktion beraten. Außerdem hat Verivox laut einer Pressemitteilung das Ende September in die Insolvenz gegangene Finanz-Start-up Outbank übernommen. Verivox hat mit rund 400 Beschäftigten im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von etwa 110 Millionen Euro erwirtschaftet. Bei der Übernahme wurde das Vergleichsportal von der Anwaltskanzlei DLA Piper (Federführung: Mathias Schulze) beraten. Outbank wurde während der Übernahme durch Hubert Ampferl von der Anwaltskanzlei Beck & Partner beraten.

Der Spezialchemiekonzern Lanxess plant einen Zukauf von Produktionsanlagen für Phosphorchemikalien vom belgischen Konkurrenten Solvay. Das teilte Lanxess am Mittwoch mit. Über den Kaufpreis ist bisher nichts bekannt. Das Kölner Unternehmen schätzt den Jahresumsatz der Anlagen, die sich im US-Bundesstaat South Carolina befinden, auf rund 65 Millionen Euro.

Der im SDax gelistete Immobilienkonzern Patrizia übernimmt Unternehmensanteile der Kapitalverwaltungsgesellschaft Triuva von der Finanzholding IVG. Über den Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Laut Patrizia, verwaltet Triuva aktuell ein Immobilienvermögen von rund 9,8 Milliarden Euro. Damit wachse durch die Übernahme das verwaltete Immobilienvermögen um 50 Prozent auf über 30 Milliarden Euro. Bei der Veräußerung der Anteile wurde IVG von der Anwaltskanzlei CMS (Federführung: Jürgen Frodermann) beraten. Patrizia wurde von der Wirtschaftskanzlei Freshfields (Federführung: Wessel Heukamp) unterstützt.

Der Anlagenbauer Gea übernimmt nach eigenen Angaben den slowenischen Hersteller von Abfüllanlagen Vipoll. Im Geschäftsjahr 2016 erwirtschaftete das Familienunternehmen mit über 100 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro. Die Übernahme soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Der Kunststoff-Hersteller Veka übernimmt die Mehrheit am indischen Produzenten von PVC-Profilsystemen NCL Wintech. Veka will laut eigenen Angaben, seine Präsenz auf dem indischen Baumarkt ausweiten. Aktuell beschäftigt das Sendenhorster Unternehmen 5.500 Mitarbeiter an 36 Standorten. NCL wurde bei der Transaktion von dem M&A-Berater Imap Indien und Deutschland beraten.

Der Private-Equity-Investor Seafort Advisors kauft den Automobilzulieferer J&S GmbH Automotive Technology. Nach eigenen Angaben übernimm Seafort die Unternehmensanteile vom Private-Equity-Investor Brockhaus, der Investmentgesellschaft Idinvest und dem bestehenden Management. Bei der Veräußerung wurde J&S von der Anwaltskanzlei Corvel (Federführung: Philipp Jacobi) beraten.

Die Frankfurter Forderungsbörse Debitos und die spanische Investmentbank Beka Finance gründen ein Joint Venture. Laut eigenen Angaben soll die Kooperation es Banken, Fonds und Unternehmen ermöglichen, offene Forderungen und illiquide Kredite über einen auktionsbasierten Online-Marktplatz zu verkaufen. Vorerst werden Verkäufe dieser Art ausschließlich in Spanien und Portugal möglich sein.

Die Private-Equity-Investoren Paragon Partners und Gimv haben sich nach eigenen Angaben eine Mehrheitsbeteiligung an dem Absperrtechnik-Hersteller Wemas gesichert. Beide Finanzinvestoren werden gleich viele Anteile halten. Verkäufer ist die Beteiligungsgesellschaft Nord Holding, die seit 2011 an dem Unternehmen beteiligt war. Die Anwaltskanzlei Pöllath und Partners (Federfühurng: Benedikt Hohaus) hat Wemas beim Verkauf der Unternehmensanteile beraten. Paragon Partners wurde von der Wirtschaftskanzlei Ebner Stolz unterstützt. 

Der Elektronikkonzern Dialog Semiconductor kauft die Produktsparte für LED-TV-Hintergrundbeleuchtung vom Halbleiterhersteller Ams. Dies teilten die Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Über den Kaufpreis machten sie keine Angaben. Weltweit beschäftigt Dialog Semiconductor rund 2.035 Mitarbeiter.

Das britische Technologieunternehmen Luxfer kauft die SKW-Stahl-Tochtergesellschaft ESM. Dabei handelt es sich um das Spezialmetallgeschäft des bayerischen Konzerns. Die Veräußerung vom ESM soll laut SKW-CEO Kay Michel „ein weiterer Baustein im Rahmen der laufenden Sanierung und Neuausrichtung der SKW-Gruppe“ darstellen.

Der Technologiekonzern RIB Software übernimmt weitere Anteile am australischen Anbieter von Bau- und Kalkulationssoftware Exactal. Wie beide Unternehmen bekannt gaben, erhöht RIB die bisherige Beteiligung von 25 Prozent auf 75 Prozent. Die Unternehmen legen der Transaktion nach eigenen Angaben eine Unternehmensbewertung von 24,4 Millionen Euro zugrunde.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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