ProSiebenSat.1

17.11.17
Deals

Schon vier Bieter für Digitalsparte von ProSiebenSat.1

Es liegen bereits vier Gebote für die Digitalsparte von ProSiebenSat.1 vor: Unter den Bietern sollen auch EQT und General Atlantic sein. Es geht um ein Milliarden-Asset.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sollen mindestens vier Bieter bereit sein, sich an der Digitalsparte des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 aus Unterföhring zu beteiligen. Zu dieser gehören unter anderem das Vergleichsportal Verivox, der Gutscheinvermittler Jochen Schweizer und die Partnervermittlungen Parship und ElitePartner.

Zu den Bietern für eine Minderheitsbeteiligung von 30 bis 40 Prozent gehören laut mit dem Prozess vertrauten Personen unter anderem die beiden Private-Equity-Häuser EQT und General Atlantic. Die Digitalsparte von ProSiebenSat.1 werde von diesen mit mehr als 1,3 Milliarden Euro bewertet, berichtet Reuters. JP Morgan berät den Dax-Konzern bei der Transaktion. Weder das Unternehmen noch die Bieter wollten den Reuters-Bericht kommentieren.

ProSiebenSat.1 sieht großes Potential im Digitalgeschäft

ProSiebenSat.1 möchte durch den Schritt frisches Kapital mobilisieren, um die Digitalsparte weiter auszubauen. Zum Jahreswechsel wird das Digitalgeschäft, welches mittlerweile ein Viertel des Gesamtumsatzes des Medienkonzerns ausmacht, daher in eine selbständige Rechtseinheit ausgegliedert. 

ProSiebenSat.1 hat in den zurückliegenden Jahren viel investiert und Internetunternehmen in sehr unterschiedlichen Branchen zugekauft. Zu dem Portfolio gehören auch die Online-Parfümerie Flaconi und der Erotikshop Amorelie. Die Strategie von ProSiebenSat.1 ist es, insbesondere E-Commerce-Unternehmen attraktive Werbeplätze einzuräumen und dafür Anteile an den stark wachsenden Unternehmen zu erhalten. „Da sind einige gute Unternehmen dabei, aber auch ein paar Kröten“, sagte ein Finanzinvestor, der sich gegen eine Offerte entschieden hat, dem „Handelsblatt“.

ProSiebenSat.1 steht unter hohem Druck

Im Sommer hatte Konzernchef Thomas Ebeling die neue „Drei-Säulen-Strategie“ von ProSiebenSat.1 angekündigt. Die zukunftsträchtigste dieser Säulen ist die Digitalsparte, während die beiden anderen Säulen Content Production und Entertainment derzeit unter starkem Konkurrenzdruck stehen. ProSiebenSat.1 musste in diesem Jahr schon drei Gewinnwarnungen ausgeben, der Aktienkurs hat massiv nachgegeben.

Gewinnwarnungen drücken ProSieben-Aktie auf Viereinhalbjahrestief

Noch unklar ist, wie die Dealstruktur aussehen wird. Denkbar ist, dass die Finanzinvestoren über eine Kapitalerhöhung bei der ProSieben-Digitalsparte einsteigen und direkt das frische Kapital mitbringen. Es könnte aber auch zunächst ein Verkaufserlös an den Konzern fließen, bevor alle Gesellschafter der Digitalsparte dann gemeinsam frisches Kapital zur Verfügung stellen.

Auch die Möglichkeit, einen Minderheitsanteil des Unternehmens an die Börse zu bringen, steht nach wie vor im Raum. Ein solcher IPO könnte ein mittleres dreistelliges Millionenvolumen erreichen.

redaktion[at]finance-magazin.de