EnBW trennt sich von Contracting-Portfolio
EnBW verkauft sein bundesweites Contracting-Geschäft an den Kölner Energieversorger RheinEnergie. Das Portfolio umfasst rund 200 Anlagen deutschlandweit. Etwa 150 Mitarbeitende wechseln im Zuge der Transaktion zu RheinEnergie, die den Stuttgarter Standort erhält und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 ausschließt. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Der Vollzug steht unter dem Vorbehalt der Kommunalaufsicht sowie kartellrechtlicher Genehmigungen und wird für Anfang 2027 erwartet.
Für EnBWbw ist der Verkauf ein strategischer Zug. Der Konzern plant bis 2030, bis zu 50 Milliarden Euro in Netze, erneuerbare Energien, wasserstofffähige Gaskraftwerke und Elektromobilität zu investieren, und schärft sein Portfolio konsequent auf diese Kernfelder. Das Contracting-Geschäft biete zwar Wachstumspotential, gehöre aber nicht zum unmittelbaren strategischen Kern, heißt es dazu. Von dem Kaufl profitiert RheinEnergie: Das Portfolio des Kölner Versorgers wächst auf rund 800 Anlagen und 1.100 MW installierte Leistung und zählt sich damit zu den drei größten Anbietern komplexer Energiedienstleistungen in Deutschland. Das Big-Four-Haus PwC beriet EnBW bei dem Deal.
Rebuy übernimmt Zeercle
Rebuy kauft in Frankreich zu. Die Berliner übernehmen mit Zeercle einen Anbieter für Rückkauflösungen für den stationären Buchhandel. Mit der Transaktion betritt Rebuy erstmals den stationären Handel als Ankaufskanal außerhalb seiner bestehenden Online-Infrastruktur. Zeercle bringt ein erprobtes Buy-back-Modell sowie bestehende Partnerschaften mit Buchhandelsketten mit, darunter Hugendubel in Deutschland, Mondadori in Italien, Cultura in Frankreich und Bruna in den Niederlanden. Durch den Deal erwartet Rebuy eine jährliche Umsatzsteigerung im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.
Für die Berliner schließt die Übernahme laut eigenen Aussagen eine strukturelle Lücke im Ankaufsmodell. Bisher läuft der Zufluss gebrauchter Waren fast ausschließlich über Online-Kanäle. Mit Zeercles Infrastruktur könne das Unternehmen Verbraucher künftig direkt am Point of Sale ansprechen und gleichzeitig die Internationalisierung beschleunigen. Über die integrierten Partnerschaften erhält das Unternehmen zudem Zugang zu einem etablierten Filialnetz in drei weiteren europäischen Märkten. Zum Start liegt der Fokus auf Medien wie Büchern, Filmen, Musik und Konsolenspielen. Perspektivisch soll das Modell auf weitere Kategorien wie Smartphones und Unterhaltungselektronik ausgeweitet werden.
Brenntag übernimmt südkoreanischen Beauty-Distributeur
Brenntag schlägt in Südkorea zu: Die Essener übernehmen Woojin Trading, einen Distributeur von Spezialinhaltsstoffen für die Beauty- und Körperpflegebranche mit Sitz im südkoreanischen Anyang. Das 1999 gegründete Unternehmen verfügt über ein eigenes Labor, ein technisches Team und ein gewachsenes Netzwerk globaler Lieferanten. Neben dem südkoreanischen Kernmarkt hat Woojin einen wachsenden Kundenstamm in ganz Asien aufgebaut. Der Abschluss der Transaktion ist für das vierte Quartal 2026 geplant, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen.
Mit dem Deal steigt Brenntag in den südkoreanischen Markt für Beauty-Inhaltsstoffe ein. Die übernommene Plattform soll als Ausgangspunkt dienen, um das Geschäft im Beauty- und Personal-Care-Segment sowie in angrenzenden Märkten in Südkorea auszubauen. Südkorea gilt in der Branche als zentraler Markt für Beautyformulierungen mit globaler Reichweite.
Weitere M&A-Deals
Die Allianz kauft in Singapur zu. Die Vermögensverwaltungstochter Allianz Global Investors (AllianzGI) übernimmt die Fondssparte der singapurischen Großbank UOB Group. Für umgerechnet 376 Millionen Euro geht der Deal über den Tisch. Die UOB Group verwaltet ein Vermögen von insgesamt 28 Milliarden Euro und ist in mehreren Ländern Südostasiens aktiv. Mit dem Zukauf verdoppelt die AllianzGI das Singapur-Geschäft und zahlt auf die Wachstumsstrategie der Allianztochter in Asien ein.
Holcim trennt sich von seinem Philippinen-Geschäft. Der Schweizer Baustoffkonzern verkauft zunächst eine Mehrheitsbeteiligung von rund 68 Prozent an den chinesischen Baustoffhersteller Huaxin Building Materials für 527 Millionen US-Dollar. Die verbleibenden rund 31 Prozent sollen innerhalb von drei bis fünf Jahren zu einem Mindestpreis von 280 Millionen US-Dollar folgen, was einer Gesamtbewertung von 807 Millionen US-Dollar entspricht. Der Vollzug ist für das erste Halbjahr 2027 geplant.
Der hessische Nutzfahrzeughersteller Jost Werke plant den Verkauf des indischen Kipperaubaugeschäfts der Tochtergesellschaft Hyva für rund 5 Millionen Euro an den indischen Automobilzulieferer Belrise Industries. Jost hatte Hyva im Februar 2025 übernommen. Der Verkauf des Kipperaufbaugeschäfts folgt nun, da die Neu-Isenburger planen, das Portfolio von Hyva weiter auf Kippzylinder, Hydraulikkomponenten und digitale Kippsysteme auszurichten. Der Verkauf ist für das vierte Quartal 2026 geplant.
Die deutsche Baader Bank baut ihr Kryptogeschäft weiter aus und übernimmt 9,9 Prozent der Anteile am Münchener Krypto-Fintech Hyphe. Bereits seit 2023 kooperiert die Baader Bank mit Hyphe, das als Market Maker auf der Trading-Plattform der Bank Kryptokurse bereitstellt. Beide Unternehmen kündigten in einer Pressemitteilung an, ihre Beziehung in Zukunft weiter intensivieren zu wollen.
Jungheinrich kauft in Australien zu: Der Hamburger Flurförderzeug-Hersteller übernimmt All Lift Forklifts, einen Staplervermieter und -händler mit Sitz in Sydney und sechs Standorten im Land. Das familiengeführte Unternehmen soll nach der Übernahme unter eigenem Namen weiteroperieren. Mit dem Deal stärkt Jungheinrich seine Präsenz in einem der größten Material-Handling-Märkte der Asien-Pazifik-Region und baut das Miet- und Servicegeschäft als Teil seiner Wachstumsstrategie weiter aus.
M&A-Berater-News
Jens Gerlach wechselt zu PwC Deutschland. Der M&A-Berater ist im August als Partner im Healthcare-M&A-Team am Frankfurter Standort eingestiegen. Zuletzt war Gerlach sechs Jahre als Director Healthcare bei Lincoln International tätig, davor unter anderem bei Raymond James und Citi im Investmentbanking. Er bringt Erfahrung in Buy-side- und Sell-side-Transaktionen im Gesundheitssektor mit. Gemeinsam mit ihm stößt Julian Knirim zum PwC-Team. Knirim bringt ebenfalls umfassende M&A-Erfahrung mit. Zuvor war er wie Gerlach bei Lincoln als Director Healthcare tätig.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
