Finanzinvestor Advent sichert sich in einem Milliardendeal das Methacrylat-Geschäft von Evonik.

Evonik

08.03.19
Deals

M&A-Deals: Evonik, Innogy, Linde

Evonik findet einen Käufer für sein Methacrylat-Geschäft, die EU prüft die Innogy-Übernahme durch E.on genauer und Linde verkauft drei Sparten. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Advent übernimmt Plexiglas-Sparte von Evonik

Der Finanzinvestor Advent kauft das Methacrylat-Geschäft des Spezialchemiekonzerns Evonik. Das teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Demnach beläuft sich der Kaufpreis auf 3 Milliarden Euro. Damit übersteigt der Kaufpreis die Einschätzungen von Marktbeobachtern, die ursprünglich von 2 bis 2,4 Milliarden Euro ausgegangen waren. Enthalten darin sind auch Pensionsverpflichtungen in Höhe von etwa 500 Millionen Euro.

Der Abschluss des Deals wird für das dritte Quartal dieses Jahres erwartet. Vor etwa einem Jahr gab Evonik bekannt, sich von seinem Plexiglas-Geschäft trennen zu wollen. Bei der Übernahme wird Advent von der Anwaltssozietät Freshfields unterstützt. Die Wirtschaftskanzleien Baker McKenzie (Federführung: Thorsten Seidel) und Pöllath + Partners (Federführung: Benedikt Hohaus) haben Evonik beraten.

EU durchleuchtet Innogy-Übernahme durch E.on

Die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat eine vertiefte Prüfung des milliardenschweren Innogy-Deals eingeleitet. Dies teilte die EU am Donnerstag mit. Demnach prüfe die Behörde, wie sich die Übernahme von Teilen Innogys durch den Wettbewerber E.on auf die Marktmacht auswirken könnte. Es gebe Bedenken, dass der geplante Deal in mehreren Mitgliedstaaten den Wettbewerb im Strom- und Gaseinzelhandel beeinträchtigen könnte, heißt es. E.on reagierte gelassen auf die Ankündigung. „Bei Transaktionen dieser Größe und Komplexität ist die Eröffnung einer zweiten Prüfungsphase völlig üblich“, teilt der Energiekonzern mit.

E.on und die Innogy-Muttergesellschaft RWE hatten im März 2018 angekündigt, den Stromanbieter unter sich aufzuteilen. Dabei soll RWE das Ökostromgeschäft von Innogy und E.on übernehmen und zudem rund 17 Prozent an E.on erhalten. E.on hingegen soll das Netz- und Vertriebsgeschäft von Innogy bekommen.

Linde verkauft für Praxair-Fusion drei Sparten

Der Industriegasehersteller Linde hat sich von drei Unternehmenssparten getrennt. Der Konzern veräußerte Anteile des US-amerikanischen HyCO-Geschäfts an Matheson Tri-Gas, sein Synthesegas- und Methanol-Geschäft an Lyondell Basell und eine Produktionsstätte für Synthesegas an Celanese Corporation. Zusätzlich hat Linde einen Carve-out in Nord- und Südamerika durchgeführt. Davon betroffen waren Unternehmensteile in den USA, Kanada, Brasilien und Kolumbien. Eigenen Angaben zufolge stand der Carve-out in Verbindung mit den Unternehmensverkäufen an ein Konsortium aus dem Konkurrenten Messer und dem Finanzinvestor CVC.

Mit den Transaktionen erfüllt Linde die Auflagen der US-Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC) für die Fusion mit dem US-Konzern Praxair. Die Wirtschaftskanzlei Linklaters (Federführung: Timo Engelhardt) beriet Linde bei den Transaktionen. 

Merck bleibt bei Versum hartnäckig

Der Pharmariese Merck lässt bei seinem Übernahmeversuch von Versum nicht locker: Der Dax-Konzern torpedierte vergangene Woche die Fusionsgespräche, die das US-Unternehmen mit dem Wettbewerber Entegris führt. Merck hatte ein Gegenangebot für Versum über mehr als 5,3 Milliarden Euro inklusive Schulden vorgelegt. Das Management des Halbleiterzulieferers lehnte das Angebot als zu niedrig ab und empfahl seinen Aktionären die Offerte nicht anzunehmen.

Am 5. März legte Merck nochmal nach und wandte sich mit einem offenen Brief direkt an die Versum-Aktionäre. In diesem Schreiben bitten die Darmstädter die Anteilseigner darum, das Entegris-Angebot nicht anzunehmen.

Weitere Meldungen

Das Fernbusunternehmen Flixbus plant die Übernahme des Wettbewerbers Eurolines, der zum französischen Verkehrskonzern Transdev gehört. Beide Unternehmen teilten mit, in exklusive Verkaufsverhandlungen treten zu wollen. Transaktionsdetails wurden nicht genannt. Flixbus beherrscht mit 95 Prozent bereits den deutschen Fernbusmarkt. Mit der Übernahme von Eurolines würden die Münchner auch zum Marktführer in Frankreich aufsteigen.

Der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero kauft dem indischen Wettbewerber Zomato Media das Geschäft in den Vereinigten Arabischen Emiraten ab. Der Deal erfolgt über die Delivery-Hero-Tochter Talabat Middle East Internet Services, wie das Unternehmen der Start-up-Schmiede Rocket Internet mitteilte. Zudem beteilige sich Delivery Hero mit 50 Millionen US-Dollar (rund 44,25 Millionen Euro) an der jüngsten Finanzierungsrunde von Zomato. Dadurch würden die Berliner zu einem der zehn größten Aktionäre des indischen Unternehmens.

Die Fusion der Telekom-Tochter T-Mobile US und dem US-Wettbewerber Sprint zieht sich weiter hin. Wie die US-Telekommunikationsaufsicht FCC mitteilte, benötigt die Behörde mehr Zeit für die Prüfung des 26 Milliarden US-Dollar schweren Deals. Die 180-tägige Prüffrist sei bis zum 4. April ausgesetzt worden, da die Unternehmen neue Informationen vorgelegt hätten. In den kommenden drei Wochen gebe es nun die Möglichkeit zur öffentlichen Stellungnahme.

Der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub übernimmt Nulon Products Australia, einen Hersteller von Schmierstoffen, Kühlmitteln und Additiven für den Automobilmarkt. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Eigenen Angaben zufolge dient der Zukauf der Expansion von Fuchs Australasia im Bereich Automotive. Der Abschluss der Transaktion wird für Anfang des zweiten Quartals erwartet.

Der Klett-Verlag plant die Übernahme der Wörterbuch-Sparte von Langenscheidt. Laut der „Welt am Sonntag“ hat der Stuttgarter Schulbuchverlag, zu dem auch die Pons-Wörterbücher zählen, das Vorhaben bereits beim Bundeskartellamt angemeldet. Genauere Informationen über den Deal sind noch nicht bekannt. Auch, ob die Behörde der Fusion zustimmt, ist dem Bericht zufolge unklar. Gemeinsam kämen beide Unternehmen auf einen Marktanteil von rund 90 Prozent, heißt es.

Premiere auf dem deutschen Fintech-Markt: Erstmals übernimmt ein deutsches Finanz-Start-up eine klassische Bank. Raisin, der Betreiber des Online-Zinsportals Weltsparen, kauft die MHB-Bank mit Sitz in Frankfurt. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Jedoch sagte Raisin-Chef Tamaz Georgadze der Nachrichtenagentur Reuters, dass von der jüngsten Finanzierungsrunde, an der sich auch der Zahlungsdienstleister Paypal beteiligt hatte, noch deutlich Mittel übrig seien. Raisin sammelte damals 100 Millionen Euro ein.

Dermapharm steigt bei dem niederländischen Cannabisproduzenten Fyta ein. Das geht aus einer Unternehmensmitteilung des Herstellers von Markenarzneimitteln hervor. Der Meldung zufolge beteiligt sich Dermapharm mit 20 Prozent an der Fyta-Gruppe. Über den Kaufpreis haben die Unternehmen Stillschweigen vereinbart.

Die MEA Gruppe übernimmt den Gitterrost-Spezialisten ASM. Das teilten die Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Bei dem Zukauf handelt es sich um eine Add-on-Akquisition der Beteiligungsgesellschaft Adcuram, die hinter MEA steht. Eigenen Angaben zufolge wurde die Transaktion bereits vollzogen. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.