Aufatmen bei Fresenius: Der Bad Homburger Konzern muss laut der Entscheidung eines US-Gerichts die milliardenschwere Übernahme von Akorn nicht durchführen.

Fresenius

05.10.18
Deals

M&A-Deals: Fresenius, Transnorm, Rethmann

Fresenius darf Milliardendeal kippen, IK schafft den Exit bei Transnorm und Rethmann schlägt gleich zweimal am M&A-Markt zu. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Fresenius darf Akorn-Deal abblasen

Der Gesundheitskonzern Fresenius kann die Pläne für die Übernahme des US-Generikaherstellers Akorn zu den Akten legen. Ein US-Gericht hat entschieden, dass Fresenius den 4,75 Milliarden Dollar schweren Deal abbrechen darf. Der Dax-Konzern hatte sein ursprüngliches Target verklagt, weil er vermeintliche Verstöße seitens des US-Konzerns gegen die Regeln der US-Gesundheitsbehörde FDA festgestellt haben will. Akorn wiederum stritt die Vorwürfe ab und pochte auf einen Vollzug der Übernahme. Im Juli begann der Prozess in den USA und viele Beobachter gingen von einem langwierigen Rechtsstreit aus. Das nun gefällte Urteil kam dementsprechend überraschend schnell.

IK Investment verkauft Transnorm an Honeywell

Der schwedische Finanzinvestor IK Investment schafft den Exit bei dem deutschen Anbieter von Automatisierungslösungen Transnorm. Wie IK mitteilte, übernimmt der US-amerikanische Mischkonzern Honeywell den Mittelständler mit Sitz in Harsum für 425 Millionen Euro. Wie FINANCE aus Finanzkreisen erfuhr, konnte IK sein ursprünglich eingezahltes Eigenkapital durch den M&A-Deal versechsfachen. Damit zählt Transnorm zu einem der besten Investments in der Geschichte des Private-Equity-Investors. Die Kartellbehörden müssen den Deal noch absegnen.

Rethmann steigt bei Transdev ein

Der westfälische Abfall- und Entsorgungskonzern Rethmann hat erneut am M&A-Markt zugeschlagen. Wie das Unternehmen mit Sitz in Selm mitteilte, beteiligt sich Rethmann mit 30 Prozent an der französischen Nahverkehrsgesellschaft Transdev und bezahlt dafür 340 Millionen Euro an den bisherigen Anteilseigner Veolia. Erst vor wenigen Tagen hatte die Rethmann-Tochter Remondis den Grünen Punkt von den Private-Equity-Investoren H.I.G. Capital und Bluebay übernommen. Der Kaufpreis soll Schätzungen des „Handelsblatts“ zufolge zwischen 200 und 250 Millionen Euro gelegen haben. Transdev wurde bei der Transaktion von der Anwaltskanzlei Noerr (Federführung: Robert Korndörfer und Christoph Spiering) beraten.

Medimax findet Joint-Venture-Partner

Die beiden Elektronikhändler Medimax und Notebooksbilliger.de gründen ein Joint Venture. Das teilten die Unternehmen in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Demnach gründen die Unternehmen eine Holding, in der sie ihr gesamtes Geschäft bündeln werden. Eigenen Angaben zufolge habe das Gemeinschaftsunternehmen künftig 120 Standorte und soll einen Umsatz von 2 Milliarden Euro erwirtschaften. Hengeler Mueller (Federführung: Christian Wentrup) hat den Medimax-Mutterkonzern Electronic Partner bei der Joint-Venture-Gründung beraten. 

Stada: Bain und Cinven zahlen Elliott aus

Bain und Cinven wollen den Arzneimittelherstelle Stada von der Börse nehmen. Wie die Finanzinvestoren mitteilten, bieten sie den übrigen Stada-Aktionären 81,83 Euro je Anteilsschein. Von diesem Angebot profitiert vor allem der aktivistische Hedgefonds Elliott, hinter dem der Investor Paul Singer steht. Er kontrolliert über sein Vehikel mindestens 12 Prozent der Stada-Aktien, die sich Bain und Cinven sichern wollen. Die Offerte der PE-Häuser liegt fast ein Viertel über dem Preis, den Bain und Cinven für 65 Prozent der Anteile im vergangenen Jahr gezahlt hatten. Damals hatten die Investoren über 5 Milliarden Euro für die Aktien auf den Tisch gelegt. Im Anschluss an die Angebotsfrist soll Stada von der Börse genommen werden.

Weitere M&A-Deals

Der Immobilieninvestor Corestate kauft in Großbritannien zu und schluckt den britischen Studentenwohnheimbetreiber CRM Students. Der Kaufpreis beträgt laut Unternehmensangaben 17 Millionen Euro. CRM betreibt 145 Standorte und ist damit eigenen Angaben zufolge der größte unabhängige Studentenwohnheimbetreiber Großbritanniens.

Der Private-Equity-Investor Silver Investment Partners übernimmt den Bargeldlogistikspezialisten Alvara Cash Management für einen nicht genannten Kaufpreis. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, beteiligt sich im Zuge des Deals auch die zweite Managementebene von Alvara minderheitlich an dem Unternehmen. Auch der bisherige Mehrheitseigner und Unternehmensgründer, Bernd Hohlfeld, bleibt mit einem Minderheitsanteil beteiligt.

Der Deutsche Sparkassenverlag (DSV) hat die Übernahme des Marketingdienstleisters S Direkt von 44 Sparkassen, Sparkassenverbänden und Verbundpartnern abgeschlossen. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, soll in einem nächsten Schritt S Direkt mit der Mehrwert Servicegesellschaft (MWSG) fusioniert werden. MWSG gehörte bisher jeweils zur Hälfte der DSV-Gruppe und der Deutsche Assistance Service (DAS). Eigenen Angaben zufolge wird der DSV künftig mit 51 Prozent und DAS mit 49 Prozent an dem neuen Unternehmen beteiligt sein. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz hat DSV und MWSG bei der Transaktion beraten.

Heidelberger Druckmaschinen übernimmt den Maschinenbauer MBO für einen nicht bekannten Kaufpreis. Heidelberger Druckmaschinen plant mit dem Zukauf den Ausbau seines Angebots im Markt für die Weiterverarbeitung digital gedruckter Produkte. MBO erwirtschaftet eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von 50 Millionen Euro. Die Übernahme schließt die Standorte in Oppenweiler, Bielefeld sowie im portugiesischen Perifita inklusive der etwa 450 Mitarbeiter ein.
 
Der Automobilzulieferer Grammer hat die größte Übernahme seiner Unternehmensgeschichte  abgeschlossen. Wie das Unternehmen mitteilte, haben die Kartellbehörden ihre Freigabe für den Zukauf des US-Wettbewerbers Toledo Molding & Die erteilt. Inklusive Schulden beläuft sich der Kaufpreis auf 271 Millionen Euro.

Nestlé soll vor einem Einstieg bei der Mineralwasserfirma IDS Borjomi stehen. Wie die russische Zeitung „Kommersant“ unter Berufung auf Insider berichtet, soll die Alfa Group vor einem Verkauf ihrer Anteile stehen. Die Gespräche mit Nestlé befänden sich in einem weit vorangeschrittenen Stadium. Neben den Schweizern soll auch der US-Konzern Coca Cola zu den Interessenten zählen. Experten gehen dem Bericht zufolge bei einem Komplettverkauf von einem Transaktionsvolumen von 630 Millionen Euro aus.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.