Der Dealmaker kauft wieder zu: Fresenius-Chef Stephan Sturm kündigt die Übernahmen von Akorn und der Biopharmazeutika-Sparte von Merck an.

Fresenius

25.04.17
Deals

Fresenius wagt den nächsten Milliardendeal

Die Ankündigung der Rekordübernahme von Quirónsalud ist noch kein Jahr her, da kauft Fresenius-Chef Stephan Sturm erneut zu. Wieder geht es um Milliarden, wieder läuft die Finanzierung ohne Eigenkapital.

Der Dealmaker Stephan Sturm schließt die nächsten Übernahmen ab. Wie der im Dax notierte Gesundheitskonzern Fresenius mitteilte, soll die 100-Prozent-Tochter Fresenius Kabi den auf Generika spezialisierten US-amerikanischen Konzern Akorn und die Biopharmazeutika-Sparte des Darmstädter Pharmariesen Merck übernehmen.

Für das an der US-Börse Nasdaq gelistete Akorn bietet Fresenius 34 US-Dollar je Aktie, was einem Kaufpreis von 4,3 Milliarden US-Dollar entspricht. Inklusive der 450 Millionen Dollar an Nettofinanzverbindlichkeiten bewertet Fresenius Akorn mit 4,75 Milliarden Dollar. Das Akorn-Management und der nicht namentlich genannte Ankeraktionär unterstützen das Angebot. Es ist die zweitgrößte Übernahme in der Konzerngeschichte von Fresenius.

Fresenius zahlt für Akorn 13x Ebitda

Akorn soll dieses Jahr rund 1 Milliarden Dollar umsetzen, wovon unter dem Strich ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 363 und 401 Millionen Dollar stehen bleiben soll. Fresenius bietet für die Übernahme somit rund 13x Ebitda. Analysten hatten zuvor mit einem höheren Kaufpreis gerechnet. Im Branchenvergleich ist dieses Multiple nicht übermäßig hoch.

Mittelfristig rechnet Fresenius durch die Übernahme mit jährlichen Synergien in Höhe von rund 100 Millionen Dollar. Die dadurch entstehenden Integrationskosten schätzt Fresenius auf 140 Millionen Euro. Sie sollen zwischen 2018 und 2020 anfallen. Ab 2019 soll Akorn positiv zum Konzernergebnis beitragen, inklusive Integrationskosten. Der Abschluss für die Transaktion wird Anfang 2018 erwartet.

Finanziert werden soll die Übernahme, wie bei den meisten von Stephan Sturm eingefädelten Deals üblich, vollständig über Fremdkapital. Der Verschuldungsgrad des Fresenius-Konzerns – gemessen an der Nettoverschuldung in Relation zum Ebitda – werde durch die Transaktion deshalb voraussichtlich auf 3,3 ansteigen und soll Ende 2018 wieder auf den Faktor 3 sinken. 

Fresenius kauft Biosimilar-Geschäft von Merck

Fresenius‘ Einstieg in das Biosimilar-Geschäft soll dagegen aus dem laufenden Cashflow von Fresenius finanziert werden. Für die Merck-Sparte zahlt Fresenius mit Abschluss der Transaktion in der zweiten Jahreshälfte 170 Millionen Euro in bar. Werden bestimmte Entwicklungsziele erreicht, können für Fresenius weitere 500 Millionen Euro fällig werden. Außerdem hat Fresenius Merck nach eigenen Angaben im Rahmen einer Vereinbarung umsatzbezogene Zahlungen im einstelligen Prozentbereich zugesichert. 

Die Investitionen in das Biosimilar-Geschäft sollen Fresenius inklusive des Kaufpreises maximal 1,4 Milliarden Euro kosten. Die ersten Umsätze aus dem Geschäftsfeld erwartet Fresenius Ende 2019. Der Ebitda-Breakeven der Übernahme soll dann 2022 erfolgen.

Das Konzernergebnis für 2020 hat Fresenius mit 2,4 bis 2,7 Milliarden Euro bestätigt. Die beiden Übernahmen sollen sich ab 2020 neutral und ein Jahr später positiv auf das Konzernergebnis auswirken.

Stephan Sturm ist für seine Milliardendeals bekannt

Auf die M&A-Abteilung von Fresenius wartet in den nächsten Monaten viel Integrationsarbeit, denn erst im September hatte Fresenius die größte Übernahme seiner Firmengeschichte bekannt gegeben. Für 5,76 Milliarden Euro übernahm der Konzern den spanischen Krankenhausbetreiber Quirónsalud vom Private-Equity-Investor CVC Capital Partners. Für die Finanzierung ging Fresenius sowohl an den Anleihen- als auch an den Schuldscheinmarkt

Für Stephan Sturm, der erst seit Sommer vergangenen Jahres als CEO im Amt ist, sind das drei Übernahme hintereinander in kurzer Zeit. Doch auch in seiner Zeit als CFO bei Fresenius hatte er zahlreiche Milliardendeals für den Gesundheitskonzern eingefädelt.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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