Erleichterung in der Konzernzentrale in Bad Homburg: Fresenius darf den geplanten Milliardenkauf des US-Konzerns Akorn abblasen.

Fresenius

01.10.18
Deals

Fresenius muss Akorn nicht übernehmen

Ein US-Gerichtsurteil lässt den Kurs der Fresenius-Aktie explodieren: Der Dax-Konzern muss den ins Zwielicht geratenen US-Wettbewerber Akorn nicht übernehmen. Jetzt hat Fresenius wieder Spielraum für neue M&A-Manöver.

Aufatmen bei Fresenius: Ein US-Gericht hat entschieden, dass der Dax-Konzern den 4,75 Milliarden US-Dollar schweren Kauf des US-Generikaherstellers Akorn nicht vollziehen muss.

Akorn wäre nach der spanischen Klinikkette Quironsalud der zweitgrößte M&A-Deal der Unternehmensgeschichte gewesen. Fresenius hatte die geplante Akquisition im April vergangenen Jahres angekündigt, im Februar diesen Jahres dann aber wegen vermeintlicher Gesetzesverstöße bei Akorn die Notbremse gezogen. Nachdem Akorn die Vorwürfe zurückgewiesen und auf dem Vollzug des Deals bestanden hatte, begann im Juli der Gerichtsprozess. 

Akorn-Urteil lässt Fresenius-Aktie steigen

Eigentlich war mit einer Entscheidung erst um den Jahreswechsel herum gerechnet worden. Dass das Gericht jetzt schon zu Gunsten von Fresenius entschieden hat, führt zu einer Kursexplosion der Fresenius-Aktie – binnen weniger Minuten sprang das Papier um über 8 Prozent auf fast 70 Euro nach oben. Der Kurs der Akorn-Aktie hingegen brach um mehr als die Hälfte ein. Das US-Unternehmen will das Urteil nun anfechten.

Der Streit rund um die Akorn-Übernahme hat in diesem Jahr schwer auf der Kursentwicklung der Fresenius-Aktie gelastet. Von Kursen um 80 Euro zum Zeitpunkt der Ankündigung der Akorn-Übernahme war das Papier zeitweise auf nur noch knapp über 60 Euro abgesackt. Dies beendete den langfristigen Aufwärtstrend der Aktie. 

Fresenius waren am M&A-Markt die Hände gebunden

Mit dem heutigen Gerichtsurteil ist die größte Unsicherheit aus der aktuellen Equity Story von Fresenius verschwunden. Die von Fresenius erhobenen Anschuldigungen hatten den Wert und die Reputation von Akorn massiv beschädigt. Hätte Fresenius das US-Unternehmen zum vereinbarten Preis übernehmen müssen, wäre möglicherweise ein Wertberichtigungsbedarf in Milliardenhöhe entstanden.

Ein langer Rechtsstreit hätte zudem die strategische Beweglichkeit des Dax-Konzerns und seines M&A-affinen Vorstandschefs Stephan Sturm stark eingeschränkt. Ohne Gewissheit, ob nicht doch ein milliardenschwerer Kaufpreis für Akorn fällig werden würde, hätten weitere Großakquisitionen während des laufenden Gerichtsprozesses ein hohes finanzielles Risiko bedeutet. In einer ersten Reaktion zeigten sich mehrere Fresenius-Analysten davon überzeugt, dass das US-Gericht noch vor Jahresende die Berufung von Akorn zurückweisen werde.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Stephan Sturm, Fresenius SE & Co KGaA

1989 startet Sturm bei der Unternehmensberatung McKinsey. Zwischen 1991 und 1998 arbeitet Sturm in diversen führenden Positionen im Investmentbanking, unter anderem bei der BHF Bank und der UBS in Frankfurt und London. 1998 wechselt er als Geschäftsführer zu Credit Suisse First Boston, wo er ab dem Jahr 2000 das Investmentbanking in Deutschland und Österreich leitet. In dieser Funktion ist er auch Mitglied des European Management Committee der CSFB.

Im Januar 2005 wechselt er als Finanzchef zu seinem langjährigen Kunden Fresenius. Im Juli 2016 steigt Sturm bei den Bad Homburgern zum Konzernchef auf.

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