Erst wendete Hochtief einen milliardenschweren Bieterstreit um Abertis ab und nun steht der Essener Konzern vor dem Abschluss der Übernahme des spanischen Unternehmens.

Hochtief

18.05.18
Deals

M&A-Deals: Hochtief, Sivantos, Linde

Hochtief darf Abertis übernehmen, EQT fusioniert die ehemalige Siemens-Tochter Sivantos mit Widex und Linde trennt sich vor dem Praxair-Deal von Remeo. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Hochtief bei Abertis-Übernahme am Ziel

Der deutsche Baukonzern Hochtief hat die Übernahme des spanischen Autobahnbetreibers Abertis abgeschlossen. Hochtief hat sich mit seiner Übernahme-Offerte rund 79 Prozent des Abertis-Aktienkapitals gesichert, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Laut früheren Angaben des Unternehmens soll der Kaufpreis bei 18,2 Milliarden Euro liegen.

Hochtief hatte sich im März mit seinem Mutterkonzern ACS und dem italienischen Autobauer Atlantia darauf geeinigt, Abertis gemeinsam zu übernehmen. Zuvor hatte sich noch ein milliardenschwerer Bieterstreit zwischen Hochtief und Atlantia abgezeichnet. Im Anschluss an die Übernahme wird Abertis von der Börse genommen und in eine gemeinsame Gesellschaft eingebracht. An dem neuen Unternehmen wird Hochtief künftig 20 Prozent minus eine Aktie halten. Atlantia wird mit 50 Prozent plus eine Aktie beteiligt sein und ACS wird 30 Prozent kontrollieren.

Ex-Siemens-Tochter Sivantos und Widex fusionieren

Der Finanzinvestor EQT fusioniert sein Portfoliounternehmen Sivantos mit dem Hörgerätehersteller Widex. Durch den Zusammenschluss soll ein Unternehmen entstehen, dessen Wert inklusive 3 Milliarden Euro Schulden auf über 7 Milliarden Euro beziffert wird. Der fusionierte Konzern soll mit mehr als 10.000 Mitarbeitern weltweit auf einen Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro kommen. Der Finanzinvestor EQT hatte Sivantos 2014 von dem Technologiekonzern Siemens für 2,15 Milliarden Euro übernommen.  

Die Transaktion wurde von J.P. Morgan, Goldman Sachs und der Deutschen Bank finanziert. Latham & Watkins agierte als Financing Counsel. Widex wurde von J.P. Morgan, Kromann Reumert und Deloitte beraten. Freshfields Bruckhaus Deringer, Plesner, PwC und AON begleiteten EQT und Sivantos. The Boston Consulting Group agierte zusätzlich als Commercial Advisor.

Linde verkauft Remeo vor Fusion mit Praxair

Der Industriegaseproduzent Linde trennt sich vor der geplanten Fusion mit dem US-amerikanischen Wettbewerber Praxair von seiner auf Intensivpflege spezialisierten Tochtergesellschaft Remeo Deutschland. Wie die Münchener mitteilten, übernimmt die Deutsche Intensivpflege Holding den Geschäftsteil von Linde für einen nicht genannten Kaufpreis. Laut Informationen des „Handelsblatts“ erwirtschaftet Remeo Deutschland einen Umsatz von 15 bis 20 Millionen Euro.   

Sowohl Linde als auch Praxair gehen davon aus, dass sie sich aus kartellrechtlichen Gründen für den geplanten Zusammenschluss von Geschäftsteilen trennen müssen. Ob der Verkauf von Remeo zu diesen Transaktionen zählt, ist jedoch nicht bekannt.

Bund zieht sich bei Deutscher Pfandbriefbank zurück

Der Bund ist bei der Deutschen Pfandbriefbank (PBB) ausgestiegen. Die Hypo Real Estate (HRE), die zu 100 Prozent vom Finanzmarktstabilisierungsfonds der Bundesrepublik kontrolliert wird, hat 22 Millionen Euro Aktien der PBB verkauft, teilte der im MDax gelistete Immobilienfinanzierer mit. Durch den Aktienverkauf erlöst der Bund 287 Millionen Euro.

Der über die HRE gehaltene Anteil des Bundes sinkt somit von 20 auf 3,5 Prozent. Für die Restbeteiligung gilt bis Mitte November ein Verkaufsverbot. Die RAG-Stiftung hat sich unterdessen einen Anteil von 4,5 Prozent an der Deutschen Pfandbriefbank gesichert. Anfangs wurde noch gerätselt welcher „langfristig orientierter deutscher institutioneller Investor“ die Anteile vom Bund übernommen hatte. Erst Tage später gab sich die RAG-Stiftung als neuer Anteilseigner zu erkennen.

M&A-Personalien

Tibor Kossa wird ab November neuer Managing Director in der Division Investmentbanking bei Goldman Sachs. Er wird neben Christopher Droege als Co-Chef das M&A-Geschäft in Deutschland und Österreich verantworten. Kossa kommt von der Credit Suisse, wo er ebenfalls für die M&A-Aktivitäten in Deutschland und Österreich verantwortlich war.

Weitere Meldungen

Die Private-Equity-Gesellschaft Sun European Partners hat den österreichischen Feinchemiehersteller ESIM Chemicals vom Finanzinvestor Ardian übernommen. Zum Kaufpreis wurden keine offiziellen Angaben gemacht. Laut Informationen des Magazins „Juve“ soll Sun European 400 Millionen Euro bezahlt haben. Ardian war 2015 bei ESIM eingestiegen. Sun European Partners  wurde von Perella Weinberg Partners, Ernst & Young, Sidley Austin (Federführung: Jan Schinköth) und Herter & Co beraten. Die Transaktion muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Der Finanzinvestor Hg hat den im Pflegesektor tätigen Softwareanbieter Medifox von der Beteiligungsgesellschaft ECM übernommen. Die Medifox-Gruppe betreut mit 265 Mitarbeitern über 6.000 deutsche Pflegedienste und Seniorenheime. Hg wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Oliver Felsenstein) beraten. Die Kanzlei P+P Pöllath + Partners (Federführung: Benedikt Hohaus und Roman Stenzel) hat die Medifox-Gruppe unterstützt. Zum Kaufpreis wurden keine offiziellen Angaben gemacht.

Die Beteiligungsgesellschaft Paragon übernimmt den Produzenten von Granulaten und Pulvern Inprotec von den Gesellschaftern Andreas Baranyai und Pierre Schwerdtfeger. Inprotec beschäftigt rund 240 Mitarbeiter an zwei Standorten. Eigenen Angaben zufolge bleiben die beiden Manager auch weiterhin an Inprotec beteiligt, in welcher Höhe ist jedoch nicht bekannt. Die Transaktion muss noch von den Kartellbehörden freigegeben werden. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Paragon wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz beraten. 

Das Bundeswirtschaftsministerium hat nach sechsmonatiger Prüfung die Übernahme des sächsischen Flugzeugzulieferers Cotesa durch den chinesischen Investor Changzhou QFAT Composite Material genehmigt. Der Unternehmensgründer Jörg Hüsken und sein Geschäftspartner Udo Berthold werden mit 25,1 Prozent an Cotesa beteiligt bleiben. Das Unternehmen mit Sitz in Mittweida wurde beim Verkauf von P+P Pöllath + Partners (Federführung: Frank Thiäner) beraten.

Der Schuhhändler HR Group hat das E-Commerce-Unternehmen Surf4shoes übernommen. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte das 2006 gegründete baden-württembergische Unternehmen Surf4shoes einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro. Die Unternehmen machten keine Angaben zum Kaufpreis. Eigenen Angaben zufolge verspricht sich die HR Group von dem Deal ein deutliches Wachstum im Onlinegeschäft. Die HR Group wurde bei der Transaktion von Allen & Overy beraten.

Vyaire Medical, ein Portfoliounternehmen der Beteiligungsgesellschaft Apax Partners, hat alle drei Unternehmen der Acutronic Gruppe, zu der Acutronic Medical Systems, Advanced Respiratory Care sowie MIM Medizinische Instrumente & Monitoring gehören, übernommen. Mit dem Erwerb der Acutronic Gruppe erweitert Vyaire Medical sein Produktportfolio um innovative Geräte zur Frühgeborenen-Beatmung. Acutronic wurde bei der Transaktion von der M&A-Beratung Oaklins unterstützt.

Der Lampenhersteller Müller-Licht hat das 2016 gegründete Start-up Security Brand Pro (SBP) der Marke Blaupunkt gekauft. Damit erweitert der deutsche Lichtspezialist sein Geschäftsfeld um Home Security und vertreibt künftig auch onlinebasierte Sicherheits- und Hausautomationslösungen für private Haushalte sowie Büroräumlichkeiten. Über die genaue Höhe der Mehrheitsbeteiligung bei SBP und deren Kaufpreis ist nichts bekannt.

Sopra Steria, ein deutscher Anbieter für digitale Transformation, plant das deutsche IT-Beratungsunternehmen It-economics zu übernehmen. Das 2003 gegründete Unternehmen erzielte eigenen Angaben zufolge 2017 einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro. Sopra Steria erzielte im selben Zeitraum rund 3,8 Milliarden Euro. Nach Abschluss der Übernahme soll It-economics im zweiten Halbjahr 2018 von Sopra Steria konsolidiert werden. Raymond James und die Wirtschaftskanzlei Noerr (Federführung: Gerald Reger) berät It-economics bei der Transaktion. Sopra Steria wird von Gleiss Lutz (Federführung: Cornelius Götze) unterstützt.

Das belgische Offshore-Windkraftunternehmen Parkwind NV hat die deutsche KNK Wind von WV Energie und den Stadtwerken Bad Vilbel übernommen. Parkwind wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Jones Day (Federführung: Kerstin Henrich) begleitet. Heuking Kühn Lüer Wojtek hat die Verkäufer WV Energie und die Stadtwerke Bad Vilbel beraten.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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