M&A-Deals: Der Automobilzulieferer Leoni könnte zum M&A-Target werden.

Leoni

30.10.15
Deals

M&A-Deals: Leoni, Grammer, Odewald

Der Automobilzulieferer Leoni könnte zum Übernahmeziel werden, Wettbewerber Grammer übernimmt den Metall- und Kunststoffspezialisten Reum und der PE-Investor Odewald plant den Exit bei D&B Audiotechnik. Die M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Leoni könnte Übernahmekandidat werden

Droht der Automobilzulieferer Leoni zum Übernahmeziel zu werden? Ein Kursrutsch lässt Analysten spekulieren, dass Leoni zum Übernahmeziel werden könnte. Der Aktienkurs ist um 30 Prozent eingebrochen und stand zwischenzeitlich bei 32,15 Euro. Vorstandschef Dieter Bellé, der erst im Frühjahr vom CFO zum Konzernchef aufgestiegen war, musste erst kürzlich eine Gewinnwarnung ausgeben. Einen schnellen Turnaround erwarten die Analysten nicht – Zeit genug für eventuelle Kaufinteressenten, sich Leoni anzunähern.

PE-Investor Odewald sucht Exit bei D&B Audiotechnik

Der Berliner Finanzinvestor Odewald sucht einen Käufer für den Beschallungstechnik-Spezialisten D&B Audiotechnik, wie FINANCE aus Finanzkreisen erfuhr. Mit dem Verkauf sei die australische Investmentbank Macquarie betraut.

Odewald könnte mit dem M&A-Deal ein gutes Geschäft machen: Das Private-Equity-Haus soll 2011 rund 100 Millionen Euro für D&B gezahlt haben. Der Umsatz hat sich seitdem FINANCE-Informationen zufolge auf 90 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Wirecard kauft das Payment-Geschäft der GI Retail Group

Der bayerische Zahlungsverkehrsdienstleister Wirecard startet eine M&A-Offensive: CFO Burkard Ley hat der „Börsen-Zeitung“ gegenüber angekündigt, dass das TecDax-Unternehmen 750 Millionen Euro für kleinere Zukäufe außerhalb Europas ausgeben will. Der erste Deal ist schon in trockenen Tüchern: Wirecard übernimmt das Payment-Geschäft der Great Indian (GI) Retail Group. Der Kaufpreis beträgt 230 Millionen Euro, bis 2017 folgen weitere Zahlungen von bis zu 110 Millionen Euro bei Erreichen festgelegter Finanzziele. Finanziert wird der M&A-Deal aus Barmitteln sowie zugesagten Kreditlinien. In diesem Zuge übernimmt Wirecard auch die über 900 Mitarbeiter der Gruppe in Indien und Südostasien.

Grammer kauft Reum von PE-Investoren

Der Automobilzulieferer Grammer übernimmt den Metall- und Kunststoffspezialisten Reum. Das auf Innenraumausstattungen und Oberflächenveredelungen spezialisierte Unternehmen befand sich bisher in den Händen der PE-Investoren H.T.P Investments und Palatium.

Wieviel Grammer für Reum zahlt, ist nicht bekannt. Nach eigenen Angaben finanziert Grammer den M&A-Deal jedoch über bestehende Kreditlinien. Zum ersten Halbjahr 2015 betrugen die Nettofinanzschulden von Grammer 131,5 Millionen Euro. Durch die Übernahme von Reum erhöht Grammer seinen eigenen Jahresumsatz von 372 Millionen Euro im Jahr 2014 um 130 Millionen Euro.

M&A-Personalien

Die Wirtschaftskanzlei GvW Graf von Westphalen hat mit Till Liebau und Markus Rasner zwei M&A-Anwälte als Partner angeworben. Der 44-jährige Liebau ist seit 2003 bei CMS Hasche Sigle als Anwalt beschäftigt und hat seit 2012 dort die Position eines Associated Partners inne. Der 41-jährige Rasner begann seine Karriere im gleichen Jahr ebenfalls bei CMS. Seit 2012 war er Partner bei GSK und ist bereits Anfang Oktober zu GvW gewechselt. Außerdem tritt die Arbeitsrechtlerin Anja Dombrowsky – ebenfalls von CMS - der Kanzlei zum 1. November bei. Sie begleitet M&A-Deals aus arbeitsrechtlicher Sicht.

Weitere M&A-Deals

Die Deutsche Börse hat mit der Shanghai Stock Exchange und der China Financial Futures Exchange ein deutsch-chinesisches Joint Venture ins Leben gerufen. Die Gemeinschaftsbörse Ceinex (China Europa International Exchange) soll ab 18. November Handel mit Anleihen und auf chinesischen Basiswerten basierenden Indexfonds anbieten. Der zweite China-Deal der Deutschen Börse steht schon in den Startlöchern: Ein Gemeinschaftsunternehmen soll am Standort Frankfurt unter anderem den Handel von Zins- und Währungsderivaten ermöglichen. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung mit dem China Foreign Exchange Trade System (CFETS) hat CFO Carsten Kengeter bereits unterzeichnet.

Der Verpackungsglashersteller Saint-Gobain Oberland verselbstständigt seinen Geschäftsbereich Produktionsanlagen, die GPS Glasproduktions-Service, zum 1. Januar 2016 durch einen Management-Buy-Out. Das Unternehmen wird dann durch den bisherigen Geschäftsführer Rolf Themann geleitet. Im vergangenen Jahr trug GPS etwa 3,6 Prozent des Konzernumsatzes von Saint-Gobain Oberland in Höhe von 533,7 Millionen Euro bei.

Noch in diesem Jahr könnten Verhandlungen über einen Zusammenschluss der DZ Bank und der WGZ anlaufen, wie Reuters berichtete. Es habe konstruktive Gespräche über die Möglichkeit einer Fusion der genossenschaftlichen Zentralbanken gegeben. Ein M&A-Deal könnte dann 2016 abgeschlossen werden. Mit einer Bilanzsumme von rund 400 Milliarden Euro ist die DZ Bank mehr als viermal so groß wie die WGZ. In der Vergangenheit hatte es bereits mehrere Anläufe gegeben, die Banken zu fusionieren.

Der australische Finanzinvestor Macquarie schmiedet offenbar Pläne, den Dortmunder Gasnetzbetreiber Thyssengas abzustoßen, wie das „Handelsblatt“ berichtete. Der Wert von Thyssengas werde demnach auf 500 bis 600 Millionen Euro geschätzt. Dem Bericht zufolge wurden die 270 Mitarbeiter von Thyssengas bereits über die Verkaufspläne informiert.

Die Stadtwerke Erfurt wollen ihr 4,21 Prozent umfassendes Aktienpaket des Energieversorgers Verbundetz Gas (VNG) aus dem Unternehmen herauslösen und für 90 Millionen Euro am Markt veräußern. Kürzlich hat EnBW von dem Oldenburger Versorger EWE die Mehrheit an VNG übernommen.  Die übrigen 25,79 Prozent der Anteile sind im Besitz einer kommunalen Holding aus neun Städten. Sollte Erfurt seine Aktien aus der Holding herauslösen, könnte deren Sperrminorität bei VNG fallen.

Der US-Halbleiterkonzern Integrated Device Technology hat das Zentrum Mikroelektronik Dresden für 310 Millionen US-Dollar (rund 280 Millionen Euro) erworben. Verkäufer sind Globals Asic, Elber sowie der Freistaat Sachsen. Für die Käuferseite war die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins unter Federführung von Christoph W. G. Engeler und Mark Roeder (US-Recht) beratend tätig.

Der österreichische Industriekonzern OMV plant die Übernahme der restlichen Anteile 35,75 Prozent an dem Gashandelsunternehmen Econgas. Bislang hält OMV 64,25 Prozent, während jeweils 16,51 Prozent EVN sowie Wien Energie gehören. Weitere 2,73 Prozent hält Energie Burgenland. Eine entsprechende Einigung wurde erzielt, bis zum Jahresende soll ein Kaufvertrag vorliegen. Der M&A-Deal muss noch durch die Aufsichtsräte der Unternehmen sowie die Kartellbehörden genehmigt werden. Im vergangenen Jahr hat Econgas 28,4 Milliarden Kubikmeter Erdgas gehandelt.

Das Medienunternehmen BBC Worldwide hat sein mit All3Media Deutschland gegründetes Joint Venture Tower Productions neu gestaltet und erweitert. In diesem Zuge wurde dem Gemeinschaftsunternehmen das operative Geschäft des Produktionsunternehmens MME Me Myself & Eye Entertainment übertragen. Die Transaktion muss noch von den Kartellbehörden freigegeben werden. Die Wirtschaftskanzlei Noerr hat BBC Worldwide unter Federführung von Hans Joachim Radau beraten.

Der Industriekonzern Körber hat Winkler + Dünnebier (W+D), einen Anbieter von Systemlösungen unter anderem für die Hygieneindustrie, an das US-Unternehmen Barry-Wehmiller Companies veräußert. Details des Deals wurden nicht bekanntgegeben. Beraten wurde Körber bei dem Verkauf durch die Kanzlei P+P Pöllath + Partners unter Federführung von Otto Haberstock.

Die Baugenossenschaft Familienheim Rhein-Neckar hat sämtliche Anteile der in einer Unternehmensgruppe gebündelten Unternehmen Bayerische Wert- und Grundbesitz Verwaltung, Famap, Wohmax und Münchner Grund Immobilien Management erworben. Dadurch ergänzt die Baugenossenschaft ihr Leistungsspektrum im Servicebereich. Begleitet wurde Familienheim Rhein-Neckar bei der Transaktion durch das Beratungsunternehmen Imap M&A Consultants unter Leitung von Peter Koch und Hans-Christian Vastert.

Anchor Capital Investment erwirbt 50 Prozent der Anteile an dem in der Öl- und Gasindustrie tätigen Unternehmen Teknik Utama International. Der neue Investor lässt das Unternehmen an der Börse in Frankfurt und Australien listen und stellt frisches Kapital in Höhe von 5,5 Millionen US-Dollar für die Ausweitung der Geschäftstätigkeit des Tochterunternehmens PT Indonusantara Tata Udara, einem Dienstleister der Rohstoffindustrie, bereit.

VMS Deutschland Holdings hat Mevis Medical Solutions, einen Anbieter von Computerunterstützung für bildbasierte Diagnostik, übernommen. Der entsprechende Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag wurde in das Handelsregister eingetragen. Damit ist VMS verpflichtet, alle von außenstehenden Aktionären angedienten Aktien gegen eine Barabfindung von 19,77 Euro je Aktie zu erwerben. Alternativ zahlt VMS diesen Aktionären eine jährliche Ausgleichszahlung in Höhe von 1,13 Euro brutto beziehungsweise 0,95 Euro netto je Aktie.

Das Medizintechnikunternehmen Em-Tec, das dem Beteiligungsunternehmen Blue Cap gehört, hat eine strategische Lizenz- und OEM-Vereinbarung mit Medistim abgeschlossen. In deren Rahmen erhält Medistim weltweite Vermarktungsrechte für Produkte von Em-Tec. Dies umfasst eine Vorauszahlung über rund 300.000 Euro sowie eine Mindestabnahme von 1,4 Millionen Euro über die Dauer des Vertrags.

Die Equinet Bank hat ihre Beteiligung an der VBH Holding in Höhe von 57,14 Prozent vollständig veräußert. Dies teilte die Bank in einer Pflichtmeldung mit. Details des Deals wurden nicht bekanntgegeben.

Das britische Medienunternehmen WPP hat seinen über verschiedene Tochterunternehmen gehaltenen Anteil an der Werbeagentur Syzygy mit Sitz in Bad Homburg auf 46,97 Prozent ausgebaut. WPP Jubilee hatte im August ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für Syzygy bekanntgemacht, in dessen Rahmen die Agentur 9 Euro je Syzygy-Aktie geboten hat. Bis zur Ablauf der Angebotsfrist wurden WPP demnach rund 15 Prozent der Anteile angedient.

Das auf Büroimmobilien spezialisierte Unternehmen Alstria Office REIT hat im Rahmen eines öffentlichen Übernahmeangebots die DO Deutsche Office übernommen. Nach Angaben des Unternehmens haben 90,6 Prozent der DO-Aktionäre das Übernahmeangebot angenommen. Alstria erwartet aus der Konsolidierung der DO eine Erhöhung des Umsatzes von 98 Millionen Euro auf 116 Millionen Euro sowie eine Steigerung des operativen Ergebnisses um 10 Millionen Euro auf 59 Millionen Euro.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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