Mercedes verkauft europäisches Schnellladenetzwerk an Electra
Der Autobauer Mercedes-Benz hat sein Schnellladenetzwerk in Europa an den französischen Betreiber von Schnellladesäulen Electra veräußert. Von den insgesamt 47 übernommenen Ladeparks befinden sich unter anderem 31 in Deutschland und sechs in Österreich. Zusammen umfassen diese 374 Ladepunkte. Zu dem Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben.
Noch vor drei Jahren hatte Mercedes-Benz angekündigt, bis 2030 mehr als 10.000 Schnellladepunkte an 2.000 Standorten in Nordamerika, China und Europa aufbauen zu wollen. Nun verweist der Autobauer auf den gewachsenen Markt für Ladeinfrastruktur und beabsichtigt, seine Ressourcen anders einzusetzen. Ob der Verkauf auch die Ausbaupläne außerhalb Europas verändert, teilte das Unternehmen nicht mit.
Mercedes-Kunden sollen durch den Verkauf an Electra künftig vereinfachten Zugang zu mehr als 800 Stationen mit über 5.000 Ladepunkten in zehn europäischen Ländern erhalten.
Merck verkauft US-Geschäft an Schweizer Pharmahersteller Lonza
Merck trennt sich von seinem US-Geschäft für die Auftragsentwicklung und -herstellung . Käufer ist der Schweizer Pharmakonzern Lonza. Dieser übernimmt mit dem Kauf insgesamt fünf US-Standorte, mit einer Belegschaft von rund 1.100 Mitarbeitern. Beide Unternehmen rechnen mit einem Abschluss der Transaktion bis Mitte 2027. Der Kaufpreis soll im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen.
Unter dem neuen Konzernchef Kai Beckmann baut Merck derzeit sein Portfolio um. Im Juni hatte Merck zur Stärkung seiner Laborsparte (Life Science) die Übernahme des US-Unternehmens Bio-Techne, einem Anbieter von Analysetechnologien, für mehr als 11 Milliarden US-Dollar vereinbart. Zudem verkündete der Darmstädter Konzern kürzlich, für rund eine Milliarde Euro die britische Biotechfirma Silence Therapeutics zu übernehmen, um ihr Geschäft mit seltenen Krankheiten auszubauen.
Lonza erweitert mit dem Merck-Geschäft sein US-Netzwerk von vier auf neun Standorte. Für den Technologieanbieter ist die Übernahme ein weiterer Schritt, um seine Kapazitäten für die Entwicklung und Herstellung von Wirkstoffen auszubauen.
Bavaria Film gibt Mehrheit an Saxonia Media ab
Bavaria Film ordnet sein Geschäft neu und gibt die Mehrheit an der Produktionsfirma Saxonia Media an MDR Media ab. Der Film- und Fernsehproduzent aus Grünwald bei München senkt seinen Anteil von 51 auf 49 Prozent. MDR Media, der kommerzielle Arm des MDR, stockt von 49 auf 51 Prozent auf. Saxonia Media produziert unter anderem „In aller Freundschaft“, „Schloss Einstein“ und „WaPo Bodensee“.
Bavaria Film trennt im Zuge seines Konzernumbaus die Beteiligungen an Produktionsfirmen vom Studio- und Immobiliengeschäft. Für den MDR fällt die Anteilsverschiebung in eine Phase, in der der MDR Einschnitte im Programm angekündigt hat. Eine dreijährige Produktionspause für „Tatort“ und „Polizeiruf“ trifft auch unabhängige Produktionsfirmen. Welche Folgen die neue Gesellschafterstruktur für Saxonia Media hat, ist offen. Die Kanzlei Flick Gocke Schaumburg berät MDR Media bei der Anteilsübernahme.
Weitere M&A-Deals
Wolters Kluwer hat den Verkauf seines deutschen Privatkunden-Steuergeschäfts Steuertipps an Buhl Data Service für 40 Millionen Euro vereinbart. Steuertipps rechnet für 2026 mit ungeprüften Bruttoerlösen von rund 30 Millionen Euro. Wolters Kluwer konzentriert seine Steuersparte damit stärker auf professionelle Kunden. Das Angebot für Privatkunden passt weniger zum übrigen Portfolio, das sich in Deutschland vor allem an Juristen, Steuerberater und die Verwaltung richtet. Buhl Data Service ergänzt mit Steuertipps sein Angebot rund um die Steuersoftware WISO Steuer. Die Kanzlei A&O Shearman berät Wolters Kluver bei dem Deal.
Lifted, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Upwork, hat die globale HR- und Employer-of-Record-Plattform Workmotion übernommen. Zum Kaufpreis machten die beteiligten Parteien keine Angaben. Workmotion vermittelt Unternehmen die Beschäftigung von Mitarbeitern im Ausland und bleibt nach Angaben der Unternehmen als eigenständige Marke bestehen. Auch auf den Führungsebenen sind keine Veränderungen vorgesehen.
Der Unternehmensverbund Infitech, der Versicherungs-, Finanz- und Technologiedienstleistungen anbietet, übernimmt 75,1 Prozent an Kees Finanzberater aus Braunschweig. Damit baut Infitech seine Präsenz in Norddeutschland aus. Kees beschäftigt festangestellte Finanzberater und spricht mit der Marke Blaulichtversichert unter anderem Angehörige von Polizei und Feuerwehr an. Die Gründer bleiben an Bord, Kees soll operativ eigenständig bleiben.
Personal-News
Blick in den M&A-Markt
Ausländische Käufer treiben das Dealvolumen in Deutschland. Laut dem „M&A Outlook 2027“ von KPMG stieg das Volumen angekündigter Übernahmen durch ausländische Käufer im Zeitraum vom dritten Quartal 2025 bis zum zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 134 Prozent auf 128,7 Milliarden US-Dollar.
Bis 2028 rechnen KPMG und Oxford Economics mit rund 3.100 Transaktionen mit deutscher Beteiligung. Das wäre der Höchststand innerhalb des bis zum Jahr 2030 modellierten Zeitraums. Gegenüber 2026 erwarten sie 22 Prozent mehr Inlandsdeals, 13 Prozent mehr Übernahmen deutscher Unternehmen durch ausländische Käufer und 20 Prozent mehr Auslandsakquisitionen durch deutsche Firmen.
Auch künstliche Intelligenz könnte den Markt verändern: 61 Prozent der 203 befragten M&A-Entscheider erwarten, dass KI innerhalb der kommenden drei Jahre eine neue Welle von Käufen und Verkäufen auslöst.
Deals in Verhandlung
RWE wirbt gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR um die Übernahme von Uniper. Laut eines Berichts des „Handelsblatts”, das sich auf Insider beruft, hätten die beiden Interessenten ein Konsortium gegründet. RWE-Chef Markus Krebber bestätigte das Interesse auf der Energie-Konferenz ADIPEC in Abu Dhabi.
Der Bund hatte Uniper 2022 verstaatlicht. Seitdem verwaltet das Bundesfinanzministerium das Paket in Höhe von 99,12 Prozent. Davon will das Ministerium bis zu 74,12 Prozent auf den Markt bringen. Bisher steht noch nicht fest, ob der Bund sich für einen Verkauf oder einen Börsengang entscheiden wird. Beraten wird das Finanzministerium von JP Morgan und der UBS.
Webasto erwartet noch in diesem Jahr eine Einigung über den Verkauf seiner Energiesparte, die zuletzt einen Umsatz von 300 Millionen Euro einfuhr. Derzeit soll es zwei potentielle Käufer geben. Beide sind an einer Komplettübernahme interessiert.
Der Autozulieferer hat sich in den vergangenen Jahren mit 1,5 Milliarden Euro verschuldet und versucht nun den Schuldenabbau voranzutreiben. Neben dem Verkauf prüft Webasto, wie das „Handelsblatt“ berichtet , einen Teilbörsengang seines Asien-Pazifik-Dachgeschäfts, voraussichtlich in Indien. Die Erlöse daraus sollen für den Schuldenabbau verwendet werden.
Der chinesische E-Commerce-Konzern JD.com hat von der EU-Kommission die Genehmigung zur Übernahme des europäischen Elektronikfachhändlers Mediamarktsaturn erhalten. Diese ist jedoch an die Bedingung geknüpft. Mediamarktsaturn soll keine Vorteile durch chinesische Subventionen erhalten, um unfaire Wettbewerbsvorteile auszuräumen. Brüssel geht derzeit davon aus, dass JD.com Steuervorteile und Staatskredite erhält. Dementsprechend soll der Online-Händler logistische Dienstleistungen, Lager und Technologien anderen Marktteilnehmern zu den gleichen Bedingungen anbieten wie Mediamarktsaturn.
Mediamarktsaturn gehört zu dem Handelskonzern Ceconomy, dessen Aktien bereits zu 59,8 Prozent dem chinesischen Onlinehändler gehören. Da sich die Beteiligungsgesellschaft der Gründerfamilie Kellerhals mit ihrem Anteil von 25,4 Prozent dazu verpflichtet hat, künftig mit JD.com zu stimmen, kommt der Onlinehändler zusammengenommen auf mehr als 85 Prozent. Die Fusion soll jedoch laut Aussagen von JD.com keine Auswirkungen auf das Geschäftsmodell von Ceconomy und Mediamarktsaturn haben. Baker McKenzie berät JD.com bei der regulatorischen Freigabe.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
