Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck KGaA übernimmt die Londoner Biotech-Firma Silence Therapeutics. Dazu hat der Dax-Konzern am heutigen Dienstag eine endgültige Vereinbarung zur Akquisition abgeschlossen.
Merck erwirbt das britische Unternehmen für 20 US-Dollar je American Depositary Share (ADS). Das entspricht einem Unternehmenswert von 1,1 Milliarden US-Dollar und einem Eigenkapitalwert von rund 1,3 Milliarden US-Dollar. Die Prämie auf den Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage beträgt 82 Prozent. Die Übernahme will Merck mit neu aufgenommenen Krediten finanzieren.
Silence entwickelt Medikament gegen seltene Bluterkrankung
Merck möchte mit dem Zukauf von Silence Therapeutics das Geschäft mit Medikamenten gegen seltene Erkrankungen ausbauen. Das britische Unternehmen hat einen siRNA-Wirkstoff namens Divesiran entwickelt, der gegen Polycythaemia vera (PV) helfen soll. Bei der Erkrankung handelt es sich um eine seltene Form von Blutkrebs, bei welcher der Körper zu viele rote Blutkörperchen produziert. Das kann zu einem höheren Sterberisiko führen, etwa durch die Bildung von Thrombosen.
Der Wirkstoff Divesiran stehe Merck zufolge vor dem Einstieg in die entscheidende klinische Studienphase III. Er überzeuge mit guten Phase-II-Daten und werde nur viermal pro Jahr verabreicht. Für Merck eröffnet die Akquisition darüber hinaus den Einstieg in die Hämatologie. Auch Silence Therapeutics profitiert laut Iain Ross, Interim Principal Executive Officer und Vorsitzender des Board of Directors des Unternehmens, von der Übernahme. Merck verfüge über die notwendige Größe, die Ressourcen sowie die kommerziellen Kapazitäten, um die Entwicklung der Phase III zu beschleunigen, betont Ross.
Merck strebt Marktführerschaft an
„Mit der geplanten Akquisition von Silence Therapeutics wollen wir unsere Kompetenzen erweitern, um noch mehr Menschen mit seltenen Erkrankungen zielgerichtete Behandlungsoptionen zur Verfügung stellen zu können“, erklärte Kai Beckmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung und Group CEO von Merck.
Die Darmstädter wollen sich nach der Übernahme des US-Biotechs Springworks Therapeutics im Frühjahr 2025 sowie des US-Laborspezialisten Bio-Techne im Sommer dieses Jahres weiter auf hochspezialisierte Bereiche fokussieren, in denen es noch zu wenige Behandlungsmöglichkeiten gibt.
Mit dieser Übernahmestrategie verfolgt Merck das übergeordnete Ziel, ein global führender Anbieter von Spezialmedikamenten zu werden. Dafür nehmen die Darmstädter auch ordentlich Kapital in die Hände: Die Springworks-Übernahme ließ sich Merck rund 3 Milliarden Euro kosten, für Bio-Techne legte der Konzern sogar fast 10 Milliarden Euro auf den Tisch.
Merck und Silence wollen Deal bis Anfang 2027 abschließen
Der Abschluss der Transaktion steht unter dem Vorbehalt üblicher Vollzugsbedingungen. Dazu müssen unter anderem noch die zuständigen Behörden ihre Genehmigungen erteilen und die Aktionäre von Silence Therapeutics der Übernahme zustimmen. Das britische Unternehmen hat die Übernahme bereits genehmigt. Merck rechnet mit dem Abschluss der Transaktion im ersten Quartal 2027.
Silence Therapeutics beschäftigt rund 80 Mitarbeitende an Standorten in Großbritannien, den USA und in Deutschland. A&O Shearman hat Merck rechtlich beraten. Silence Therapeutics erhielt Unterstützung von Morgan Stanley, Centerview Partners, Cooley sowie Joele Frank, Wilkinson Brimmer Katcher.