Midea streckt seine Fühler nach Kuka aus. Es wäre die bislang größte Übernahme eines chinesischen Unternehmens in Deutschland.

Kuka

08.06.16
Deals

M&A-Deals mit chinesischen Käufern auf Rekordniveau

Chinesische Kaufinteressenten sorgen für eine Belebung am deutschen M&A-Markt: Die Transaktionen mit Käufern aus China steuern in diesem Jahr auf einen Rekord zu.

Der M&A-Markt mit Zielunternehmen in Deutschland nimmt langsam Fahrt auf – nicht zuletzt dank der Investitionsfreude chinesischer Investoren. Lag das Transaktionsvolumen mit Targets in Deutschland im Vormonat noch auf dem tiefsten Stand seit 1999, hat es sich inzwischen etwas gesteigert.

In den ersten fünf Monaten wurden bislang M&A-Deals mit deutschen Zielunternehmen im Gesamtwert von 26,9 Milliarden US-Dollar angekündigt, ein Plus von immerhin 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das zeigen Daten des Dienstleisters Dealogic, der die Statistiken zu angekündigten M&A-Deals mit Zielunternehmen in der DACH-Region sowie zu Debt Capital Markets, Equity Capital Markets und Syndicated Loans jeden Monat exklusiv für FINANCE aufbereitet.

Einen großen Anteil an der Belebung des M&A-Markts hatte der chinesische Investor Midea mit seinem Übernahmeangebot für das Robotikunternehmen Kuka, das mit einer Bewertung von 4,5 Milliarden Dollar in die Statistik einfließt. Auch der Maschinenbauer Aixtron hat einen chinesischen Kaufinteressenten gefunden. Dealogic zufolge gab es in den ersten fünf Monaten des Jahres 23 Gebote chinesischer Käufer für deutsche Unternehmen. Deren Wert summiert sich auf 9 Milliarden Dollar, schon jetzt ist dies gemessen an den Dealvolumina ein Rekord für das gesamte Jahr. Und auch die Anzahl der Transaktionen ist hoch: Im Gesamtjahr 2015 gab es nur 25 Transaktionen mit chinesischen Käufern. Ihr Volumen: zusammengenommen 761 Millionen Dollar.

In den M&A-League-Tables setzt sich die Credit Suisse ein wenig ab: Für sie steht (inklusive des angekündigten 48 Milliarden Dollar schweren Übernahmeangebots für Syngenta) ein Transaktionsvolumen von 116,4 Milliarden Dollar zu Buche. Es folgen J.P. Morgan (81,1 Milliarden Dollar) und die Bank of America Merrill Lynch (79,1 Milliarden Dollar). 

Daimler prägt den Anleihemarkt

Der Anleihemarkt wird weiterhin von der Automobilbranche dominiert. Im Mai hat Daimler eine neue Anleihe über 3,25 Milliarden Euro (etwa 3,71 Milliarden Dollar) emittiert und führt damit die Rangliste der Transaktionen am Fremdkapitalmarkt an. Dealogic zufolge ist es bereits der dritte Deal des schwäbischen  Autobauers, der in diesem Jahr ein Volumen von mehr als 3 Milliarden Dollar erreicht. Damit stemmte Daimler bislang einen nennenswerten Anteil am gesamten DCM-Markt: Bis Ende Mai wurden in Deutschland insgesamt Bondemissionen von 36,4 Milliarden Dollar gezählt, in der gesamten DACH-Region waren es 45,6 Milliarden Dollar.

In den Anleihe-League-Tables hat sich im Mai die UniCredit an die Spitze geschoben. Sie liegt nun mit einem begleiteten Transaktionsvolumen von 3,93 Milliarden Dollar vor der BNP Paribas (3,42 Milliarden Dollar) und Barclays (2,90 Milliarden Dollar). Die mit Abstand aktivste Bank im Segment ist jedoch die Credit Suisse: Sie begleitete bereits 18 Transaktionen, allerdings meist kleinerer Natur. Für die Credit Suisse reicht das begleitete Transaktionsvolumen von 2,89 Milliarden Dollar daher nur für den vierten Rang. 

Eigenkapitalmarkt hofft auf Bayer-Kapitalerhöhung

Am deutschen Eigenkapitalmarkt herrscht verglichen mit dem Vorjahr nach wie vor Flaute: Das Volumen lag Ende Mai bei 7,4 Milliarden Dollar (Vorjahr: 18,0 Milliarden Dollar). Und auch die Aktivität liegt mit 39 Transaktionen deutlich unter dem Vorjahreswert von 69 Deals. Zumindest das Transaktionsvolumen könnte aber bald einen ordentlichen Schub bekommen: Das Bayer-Gebot für Monsanto soll zu rund einem Viertel über eine Kapitalerhöhung finanziert werden. Diese hätte ein Volumen von mindestens 15 Milliarden Dollar und wäre, wenn der M&A-Deal wie geplant umgesetzt wird, die bislang größte Kapitalerhöhung eines deutschen Unternehmens überhaupt.

Noch werden am ECM-Markt allerdings deutlich kleinere Brötchen gebacken. Die größte Transaktion im Juni stellte MTU Aero Engines mit einer Wandelanleihe über 569 Millionen Dollar. Dealogic zufolge war dies erst die zweite Wandelanleihe, die in den ersten fünf Monaten in der DACH-Region begeben wurde.

Im Bookrunner-Ranking für den Eigenkapitalmarkt haben sich die beiden Erstplatzierten bereits ein Stück weit abgesetzt: Die UBS führt die League Tables mit einem begleiteten Transaktionsvolumen von 1,82 Milliarden Dollar an, vor dem Wettbewerber J.P. Morgan (1,01 Milliarden Dollar). Auf dem dritten Rang folgt die Deutsche Bank, die auch als Joint Bookrunner bei MTU mit an Bord war, mit einem Volumen von 645 Millionen Euro. 

Markt für syndizierte Kredite weiter unter dem Vorjahr

Noch schwächer ist die Aktivität bei  syndizierten Krediten. Diesen Markt sieht Dealogic in der DACH-Region auf dem tiefsten Stand seit 2002: Mit einem Gesamtvolumen von 33,5 Milliarden Dollar lag das Segment um 60 Prozent unter dem Vorjahr. In Deutschland ist der Rückgang sogar noch deutlicher: Ein Gesamtvolumen von 14,1 Milliarden Dollar bedeutet einen Rückgang von 73 Prozent.

Den größten syndizierten Kredit im Mai steuerte das Schweizer Ölunternehmen Puma Energy International mit 800 Millionen Dollar bei. Die Finanzierung soll zur Umschuldung genutzt werden. In den SynLoan-League-Tables führt die UniCredit mit einem begleiteten Volumen von 3,67 Milliarden Dollar recht deutlich vor der Commerzbank (2,84 Milliarden Dollar) und der BNP Paribas (1,48 Milliarden Dollar).

Die vollständigen Datenblätter für die Bereiche M&A, ECM und DCM stehen in unserer FINANCE-Datenbank kostenlos zum Download  zur Verfügung.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Die Marktdaten zum Download

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Was sind die Besonderheiten, wenn man Deals mit Chinesen macht? Alles Wissenswerte in unserem FINANCE-Ratgeber M&A-Deals mit China.