Stylische Fusion: Outfittery und Lookiero schließen sich zusammen
Der Online-Modehändler Outfittery geht erneut einen strategischen Schritt und fusioniert mit dem spanischen Konkurrenten Lookiero. Diese Fusion ist Teil der Wachstumsstrategie von Outfittery, die bereits 2019 durch den Zusammenschluss mit Modomoto eingeleitet wurde. Die Gründerin von Outfittery, Julia Bösch, soll den Verwaltungsrat leiten und sich auf strategische Themen konzentrieren, während Lookiero-Gründer Oier Urrutia das operative Geschäft der fusionierten Gruppe übernimmt.
Beide Unternehmen setzen auf eine Kombination aus Stylisten und Algorithmen, um ihren Kunden personalisierte Outfits zu liefern. Und wenngleich beide Marken über eine gemeinsame Plattform operieren sollen, bleiben sie nach der Fusion als Einzelmarken erhalten, um den jeweiligen Fokus auf unterschiedliche Märkte und Zielgruppen beizubehalten. Zusammen erwirtschaften die Firmen einen Gesamtumsatz von 130 Millionen Euro, wie die Firmen in ihrer Pressemeldung verrieten. Für das kommende Geschäftsjahr peilen sie einen Vorsteuergewinn (Ebitda) im zweistelligen Millionenbereich an.
Immowerk wird Großaktionär von Noratis
Die Immowerk Holding hat sich 71,2 Prozent der Anteile an Noratis gesichert. Im Rahmen eines Aktienkaufvertrags mit Merz Real Estate sind in einem ersten Schritt bereits 35,6 Prozent des Grundkapitals des Bestandsentwicklers für Wohnimmobilien übertragen, zusätzlich hält Immowerk ein Optionsrecht auf weitere 35,6 Prozent. Außerdem verpflichtete sich Immowerk, bis Ende Juli 2025 Barmittel in Höhe von 16 Millionen Euro durch geeignete Kapitalmaßnahmen bereitzustellen. Der Einstieg von Immowerk soll die Fortsetzung der operativen Geschäftstätigkeit von Noratis als börsennotiertes Immobilienunternehmen sichern, wie das Unternehmen in seiner Meldung erklärte.
Der Aufsichtsrat von Noratis hat den Immowerk-CEO Kim Niklas Andersson zum neuen Vorstandsmitglied ernannt, mit Wirkung zum 1. April 2025 und einer Laufzeit von drei Jahren. Ein Dentons-Team hat Noratis umfassend bei dem Deal beraten.
Volocopter findet Unterschlupf bei Diamond Aircraft
Überraschende Wendung im Fall des kriselnden Elektroflugzeugherstellers Volocopter: Der österreichische Kleinflugzeughersteller Diamond Aircraft hat das finanziell angeschlagene Bruchsaler Unternehmen gekauft, wie der Insolvenzverwalter von Volocopter, Tobias Wahl, bekanntgab. Diamond Aircraft mit Sitz in Wiener Neustadt ist im Besitz des chinesischen Automobilzulieferers Wanfeng und plane demnach, das Volocity-Programm fortzuführen, das sich um die Entwicklung von Flugtaxis dreht.
Mit Hilfe des neuen Eigentümers will Volocopter seine Kosten weiter senken und sich auf Erreichen der Musterzulassung, die den kommerziellen Betrieb der elektrischen Senkrechtstarter ermöglicht, konzentrieren. Trotz der Übernahme kommt es bei Volocopter zu erheblichen Einschnitten: Von den etwa 500 Beschäftigten bei Volocopter können 185 an der Flugtaxientwicklung weiterarbeiten. Wahl betonte gegenüber dem SWR, er bedauere, dass nicht alle Arbeitsplätze erhalten werden können, diese Einschnitte aber Teil der erforderlichen Restrukturierung seien.
Volocopter, bekannt für seine elektrischen Multikopter für innerstädtische Kurzstrecken, kämpft seit 2023 mit finanziellen Schwierigkeiten und musste Ende 2024 Insolvenz anmelden. Wanfeng investiert verstärkt in die Luftfahrt und erwarb Ende 2024 das Elektroflugzeug-Projekt VMO von Volkswagen China. China verfolgt ehrgeizige Ziele in der batteriebetriebenen Luftfahrt.
Weitere M&A-Deals
Die Lifefit Group hat sich auf den Erwerb der Fitone-Gruppe geeinigt und damit ihre bisher größte Transaktion besiegelt. Mit diesem Zusammenschluss erhöht sich die Anzahl der Fitnessclubs in Deutschland und Österreich auf 210. Dem übergeordneten Ziel, bis 2028 über 250 Fitnessstudios zu führen, kommt Lifefit damit schnellen Schrittes näher. Auch das Vorhaben, nicht nur als Fitnessanbieter in Deutschland, sondern über die Landesgrenzen hinaus zu expandieren, wird mit dieser Transaktion realisiert. Nach Abschluss des Zusammenschlusses sollen die Fitone-Clubs in die Marke Fitness First integriert werden. Zur Finanzierung des Deals plant Lifefit eine Aufstockung ihrer Anleihe. Der Nettoerlös soll zur Teilfinanzierung des Erwerbs und für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden. Diese Aufstockung erfolgt im Rahmen einer Privatplatzierung an qualifizierte Anleger. Beide Fitnessstudio-Anbieter liegen im Portfolio des Finanzinvestors Waterland, die sich bei dem Deal von Hengeler Mueller beraten ließen.
Die Schweizer Mikrona Group, ein Anbieter von kieferorthopädischen Produkten, schluckt Dental Axess, einen Spezialisten für digitale Zahnmedizin. Diese Übernahme stärkt Mikronas Position im Bereich der digitalen Zahnmedizin, da Dental Axess moderne Intraoralscanner und Software-Lösungen anbietet. Durch den unterschiedlichen Fokus ergänzen sich die beiden Firmen strategisch: So ermöglicht es die Transaktion Dental Axess, sich auf die Entwicklung digitaler Workflows zu konzentrieren, während Mikrona das Distributionsgeschäft in der Schweiz übernimmt.
Dealfront hat Wiredminds übernommen, um seine Marktposition im Bereich Website Visitor Intelligence in der DACH-Region zu stärken. Wiredminds wird in die Dealfront Gruppe integriert, was den Kunden erweiterte Funktionen und Zugang zu einer umfangreichen B2B-Datenbank bieten soll. Beide Unternehmen betonen ihre hohen Datenschutzstandards und die Einhaltung europäischer Gesetze. Die Übernahme folgt einer Finanzierungsrunde von 30 Millionen Euro, die das Wachstum von Dealfront weiter beschleunigen soll. Beraten wurde Dealfront bei dem Zukauf von YPOG.
Die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin hat die Mehrheit am dänischen Online-Broker Saxo Bank erworben. Den Anteil von rund 70 Prozent verkauften die chinesische Zhejiang Geely Holding und die finnische Mandatum. Die Saxo Bank bleibt eigenständig, während Gründer Kim Fournais weiterhin als Vorstandschef agiert und etwa 28 Prozent der Anteile hält. Die Übernahme, deren finanzieller Umfang nicht detailliert bekannt gegeben wurde, bewertet das Aktienpaket mit etwa 1,1 Milliarden Euro.
M&A-Berater-News
Andreas Schreiber übernimmt die Rolle des Senior Advisors für Mergers & Acquisitions im Versicherungssektor bei FTI Consulting in Deutschland. Mit über 25 Jahren Erfahrung als Investmentbanker wird er eng mit den Insurance-Experten von FTI Consulting in Deutschland, London und weiteren europäischen Märkten zusammenarbeiten.
Zuvor leitete Schreiber die European Financial Institutions Group M&A beim Big-Four-Haus EY und hatte führende Positionen bei Lazard, UBS und der Deutschen Bank inne, mit einem Fokus auf Finanzdienstleistungen und Versicherungen. Bei FTI Consulting wird er sich auf Transaktionen, Kapitalbeschaffung und strategische Beratung für Unternehmen im Versicherungsmarkt konzentrieren. FTI Consulting setzt mit Schreibers Rekrutierung den Ausbau seiner europäischen M&A-Beratung im Versicherungssektor fort.
Deals in Verhandlung
Zalando plant einen Squeeze-out: Der Modehändler steht kurz vor dem Abschluss der Übernahme von About You, nachdem sich das Berliner Unternehmen über 90 Prozent des Grundkapitals seines Konkurrenten gesichert hat. Die verbleibenden Minderheitsaktionäre sollen ab Sommer durch einen Squeeze-out aus dem Unternehmen gedrängt werden. Zalando plant, About You mit sich oder einer Tochtergesellschaft zu verschmelzen, um diesen Prozess zu erleichtern. Bei einer Beteiligung von 95 Prozent könnte der Squeeze-out direkt erfolgen. Durch die Übernahme hat About You nun auch den Platz im SDax räumen müssen, für den ein Mindestanteil an Streubesitz-Aktien vorgeschrieben ist.
Info
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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.
