Auch Porsche beteiligt sich an Flix
Porsche setzt zukünftig auf Bus und Bahn. Der Stuttgarter Autobauer ändert jedoch nicht das eigene Produktportfolio, sondern investiert in das Verkehrsunternehmen Flix. Unter Flix versammeln sich Marken wie Flixbus, Greyhound oder Flixtrain. Im Rahmen eines Co-Investments erwerben Porsche, EQT, Kühne Holding sowie andere Partner rund 35 Prozent an dem Unternehmen. Das Investment von Kühne Holding sowie von EQT war schon länger bekannt, während Porsche die eigene Beteiligung am Deal erst in dieser Woche bekannt gab. Porsche steuert dabei einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag bei.
Mit dem Investment will Porsche zudem die Zusammenarbeit mit EQT weiter vertiefen, heißt es aus dem Unternehmen. „Die Investition mit EQT steht dabei beispielhaft für unseren Ansatz, bei der Umsetzung unserer Investitionsstrategie mit weltweit führenden Investoren zusammenzuarbeiten“, sagt Lutz Meschke, CFO und Vorstand Beteiligungsmanagement der Porsche SE.
Durch die Beteiligung an Flix erweitert Porsche das eigene Investmentportfolio erstmalig um eine Beteiligung an einem Plattformanbieter im Endkundengeschäft. Zudem berichteten verschiedene Medien, dass Porsche weitere Beteiligungen plane. Den Berichten zufolge seien Start-ups entlang der mobilen Wertschöpfungskette sowie auf Verkehrsmanagement oder autonomes Fahren spezialisierte Software-Firmen im Blickfeld des Stuttgarter Autobauers.
Viessmann setzt Einkaufstour in den USA fort
Viessmann expandiert weiter in den USA. Nachdem die Hessen den Kühlhausbetreiber BMIL übernommen haben, geht die Einkaufstour in den Vereinigten Staaten weiter. Das Familienunternehmen kauft den Kühl- und Reinraumhersteller KPS Global vom New Yorker Investor D Cubed. Zum Kaufpreis wurden keine näheren Angaben gemacht. Den Deal wollen die Hessen innerhalb der nächsten 90 Tage vollziehen.
Nach dem Verkauf des eigenen Klima- und Heizungsgeschäfts vergangenes Jahr für 12 Milliarden Euro stärkt das deutsche Familienunternehmen mit dem Zukauf weiter den Geschäftsbereich „Clean & Cold“. Neben dem Geschäft mit Kühlräumen und -schränken für Supermärkte kann Viessmann auch die Geschäfte mit Reinräumen ausbauen. Diese werden beispielsweise in der Landwirtschaft oder für Rechenzentren genutzt, aber auch Lieferdienste und Online-Lebensmittelhändler sind mögliche Kunden.
Rheinmetall kauft in den USA ein
Rheinmetall baut die Position auf dem amerikanischen Rüstungsmarkt weiter aus. Der deutsche Rüstungskonzern übernimmt die US-amerikanische Firma Loc Performance. Loc Performance beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter und hat sich neben Fahrzeugen für die Agrar- und Bauindustrie vor allem auf Militärfahrzeuge spezialisiert. Neben dem Know-how erhofft sich Rheinmetall von dem Zukauf eine Ausweitung des Geschäfts mit dem US-Militär.
Und das lässt sich der deutsche Rüstungskonzern einiges kosten. Ein genauer Kaufpreis wurde zwar nicht kommuniziert, diesem liegt jedoch ein Unternehmenswert von 950 Millionen US-Dollar zugrunde. „Wir tätigen diese Investition, weil wir eine klare Strategie für Wachstum haben und die Vereinigten Staaten für uns ein bedeutender Kernmarkt in den kommenden Jahren sein werden“, erklärt Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall, den Deal.
Thyssenkrupp Steel will sich von Mehrheitsbeteiligung trennen
Deutschlands größtem Stahlhersteller steht ein Umbruch bevor. Im Zuge der geplanten Neuaufstellung will sich Thyssenkrupp Steel (TKSE) von seinen Anteilen an den Hüttenwerken Krupp Mannesmann (HKM) trennen. Insgesamt hält Thyssenkrupp Steel rund 50 Prozent an HKM. Die restlichen Anteile verteilen sich auf den Stahlkonzern Salzgitter (30 Prozent) und den französischen Röhrenhersteller Vallourec (20 Prozent), wobei ersterer eine Komplettübernahme bereits ausgeschlossen hat.
Der Verkauf der Anteile ist laut dem Vorsitzenden des TKSE-Aufsichtsrats, Sigmar Gabriel, ein Kernbestandteil eines geplanten, aber noch nicht beschlossenen Restrukturierungsprogramms des Vorstands. Laut TKSE spreche man bereits mit einer Beteiligungsgesellschaft über einen Verkauf. Sollte ein Verkauf jedoch nicht zustande kommen, soll HKM geschlossen werden, heißt es weiter.
Hintergrund des Restrukturierungsprogramms sind die noch ungeklärten Finanzierungsfragen bei TKSE durch den Mutterkonzern Thyssenkrupp. Thyssenkrupp hat seine Stahltochter auf den Weg in die Selbstständigkeit geschickt. Im Zuge dessen war das Energieunternehmen EP Corporate Group (EPCG) des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky mit 20 Prozent eingestiegen, über die Übernahme von weiteren 30 Prozent wird derzeit gesprochen.
Weitere M&A-Deals
Und nochmal Thyssenkrupp: Die Verkaufsgespräche zwischen Thyssenkrupp, dem Private-Equity-Investor Carlyle und der KfW zur Veräußerung eines Mehrheitsanteils an Thyssenkrupp Marine Systems laufen weiter. Das sagte Thyssen-CFO Jens Schulte in dieser Woche vor Journalisten, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt. Im März dieses Jahres wurde bekannt, dass Thyssenkrupp erwägt, die Mehrheit der eigenen Kriegsschiffsparte an Carlyle und die KfW abzugeben.
Theo Wormland wechselt den Besitzer. Damit konnte die siebenmonatige Sanierung des Textileinzelhändlers unter dem Schutzschirmverfahren abgeschlossen werden. Zukünftig wird Theo Wormland zu Lengermann & Trieschmann (L&T), einem Osnabrücker Familienunternehmen, gehören. L&T betreibt in Osnabrück eines der größten inhabergeführten Einkaufszentren Deutschlands. Als Transaktionsberater fungierte das M&A-Team von Wieselhuber & Partner (Federführung: Hubertus Bartelheimer).
SGT German Private Equity, ehemals German Startups Group, übernimmt drei Internet-Zahlungsdienstleister. Bei den Unternehmen handelt es sich um Funanga aus Deutschland, Campamocha aus Malta und Surfer Rosa von der Isle of Man. Die drei Unternehmen arbeiten bereits miteinander zusammen und sollen laut SGT profitabel und Cashflow-positiv sein. Auf der Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch wurde derweil die Umbenennung von SGT in The Payments Group Holding beschlossen. Die Zukäufe und die Umbenennung markieren die Transformation von SGT zu einem Fintech-Unternehmen. Christoph Gerlinger, CEO und Gründer von SGT German Private Equity und designierter CEO der Payments Group Holding: „Die Zustimmung der Hauptversammlung zu dieser Transaktion legt die Basis für eine prosperierende Entwicklung unseres Unternehmens.“
Schmalz + Schön (SSH) aus Stuttgart wechselt den Besitzer. NTG Deutschland (NTG), eine Tochter des dänischen Logistikers NTG Nordic Transport Group, übernimmt alle Anteile von SSH. Durch den Zukauf verdoppelt NTG den Umsatz im deutschen Markt nach eigenen Angaben. Der Kaufpreis, der in Richtung der Gesellschafter von SSH wandert, basiert auf der Unternehmensbewertung, die bei 39,1 Millionen Euro ohne Schulden liegt. Teil der Transaktion sind zudem Earn-out-Zahlungen in Höhe von bis zu 5 Millionen Euro. Die SSH-Gesellschafter wurden bei dem Deal von der LBBW als Lead Financial Advisor beraten.
M&A-Gerüchteküche
Der Verkauf der Bahntochter DB Schenker soll kurz vor dem Abschluss stehen, wie die „Börsen-Zeitung“ berichtet. Demnach werden die finalen und verbindlichen Angebote der zwei verbliebenen Bieter Ende nächster Woche erwartet. Diese will der Bahn-Aufsichtsrat dann bis Mitte September diskutieren. Bei den verbliebenen Bietern handelt es sich um den dänischen Logistikkonzern DSV, einen direkten Konkurrenten von DB Schenker, und ein Konsortium rund um den Finanzinvestor CVC mit seiner Logistikfirma Scan Global. Die Angebote von DSV und dem Konsortium sollen derzeit bei 10 beziehungsweise 14 Milliarden Euro liegen, die Unternehmensbewertung könnte sogar auf bis zu 16 Milliarden Euro taxiert werden.
Ein Rettungsplan für die in wirtschaftlich schwierige Fahrwasser geratene Meyer Werft ist weiterhin nicht in Sicht. Berichten des „Redaktionsnetzwerks Deutschlands“ zufolge soll zwar der Staat einsteigen, beschlossene Sache ist das aber offenbar noch nicht. „Es gibt keinen konkreten neuen Sachstand“, erklärte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Hannover. Dem Bericht des RND zufolge soll eine etwaige befristete Übernahme jeweils zur Hälfte durch den Bund und das Land Niedersachsen, die dafür je 200 Millionen Euro bezahlen müssten, geplant sein. „Alles, was wir tun, tun wir im Gleichschritt mit dem Bund“, führte der Sprecher weiter aus.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
