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Flixmobility kauft US-Buslegende Greyhound

Flixmobility übernimmt die US-Buslegende Greyhound. Foto: Sundry Photography/stock.adobe.com

Vom Tal der Tränen ins Tal des Todes: Nachdem Corona, Lockdown und Co. auch Flixmobility hart getroffen hatten, meldet sich das Münchener Reiseunternehmen nun mit einem Paukenschlag zurück – ausgerechnet auf dem US-Markt, wo Flixmobility seit drei Jahren präsent ist, organisch rasch wächst und Marktführer werden will. Dies gelingt jetzt durch einen publicity-trächtigen M&A-Deal: Flixmobiliy kauft das legendäre US-Fernbusunternehmen Greyhound Lines vom britischen Transportkonzern Firstgroup, wie beide Partner am heutigen Donnerstag mitteilten. Die Briten hatten Greyhound Lines 2007 übernommen, jedoch bereits vor dem Ausbruch der Pandemie einen Käufer gesucht.

Mit Flixmobility bekam der naheliegende Kaufinteressent den Zuschlag – kein anderes Unternehmen hat derart ambitionierte Pläne für den US-Busmarkt, und auch kein anderes hat verbal mehr Druck auf Greyhound ausgeübt. Und dennoch zahlt das deutsche Einhorn offenbar keinen „strategischen“ Preis.

Vereinbart wurde ein Kaufpreis von 172 Millionen US-Dollar (148 Millionen Euro). Davon zahlen die Münchener zunächst rund 140 Millionen Dollar, die übrigen 32 Millionen sollen in den nächsten 18 Monaten in Raten fließen – gestundet mit einem Zinssatz von 5 Prozent. Zudem mietet Flixmobility von der Firstgroup die bestehenden Greyhound-Immobilien.

Darüber hinaus profitieren die Deutschen von Staatszuschüssen in Höhe von 108 Millionen Dollar, die Greyhound von der US-Regierung zur Unterstützung in der Coronakrise erhalten hatte. Diese bleiben bei Greyhound, so dass die implizite Bewertung auf 46 Millionen Dollar zurückgeht.

Flixmobility wird Marktführer in den USA

Für Flixmobility dürfte Greyhound jedoch deutlich mehr Wert sein. Mit dem Deal sichern sich die Münchener, die mit ihren Fernbusverbindungen und Fernzügen in Deutschland seit Jahren Vorreiter sind, nun auch die US-Marktführerschaft. Darüber hinaus gewinnt Flix mit Greyhound neben 2.400 Zielen in den USA und zuletzt 16 Millionen Fahrgästen im Jahr auch eine starke Marke, die weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus der Inbegriff für Fernbusreisen, Freiheit und Lebensgefühl ist – Greyhound gehört zu den Ikonen der US-Kultur. Tagtäglich sind 1.300 Greyhound-Busse in den USA, Kanada und Mexiko unterwegs.

 „Gemeinsam werden Flixbus und Greyhound der gestiegenen Nachfrage nach umweltfreundlicher Mobilität in den USA Rechnung tragen”, betont Flixmobility-Mitgründer und Co-CEO André Schwämmlein. Die Ambitionen von Flixmobility auf dem US-Markt hatte Schwämmlein bereits vor rund einer Woche im Interview mit der „F.A.Z.“ bekräftigt.

In den Staaten setzt die Mehrheit der Reisenden neben dem Flugzeug vor allem aufs Auto. Dafür wolle man eine erschwingliche und nachhaltige Alternative bieten. Flixbus bringe zwar bereits viele junge Leute, für die Busfahren bisher keine Option war, zum Bus, doch das Image vieler Anbieter in den USA sei noch nicht ideal, hatte Schwämmlein erläutert. „Unsere Ambition ist, dass man irgendwann in den Hollywood-Filmen Flixbusse sieht.“

Flix-CEO Schwämmler will auch in Europa wachsen

Das nötige Geld für den Deal hat Flixmobility-CFO Christian Rummel in der inzwischen siebten Finanzierungsrunde der Münchener im Juni eingesammelt. Dabei kamen 650 Millionen Dollar aus Eigen- und Fremdkapital zusammen, wobei der Kreditanteil, zu dessen Höhe sich die Münchener nicht äußerten, von dem US-Hedgefonds Canyon Partners stammt. Die Unternehmensbewertung von Flixmobility stieg im Zuge dieser Runde auf 3 Milliarden Dollar an.

Mit dem Geld will Flixmobility aber auch im europäischen Bus- und Bahngeschäft weiter wachsen, etwa in Großbritannien und Portugal. Vor Corona hatten die Münchener weltweit insgesamt 62 Millionen Passgiere im Jahr befördert.

Greyhound wird Kapital binden

Doch der Coup in den USA wird Flixmobility erst einmal Geld kosten und viel Kapital binden. Zum einen, weil Greyhound seit mehreren Jahren defizitär wirtschaftet – ob sich das mit einer Normalisierung der Fahrgastzahlen nach Ende der Coronapandemie schnell ändern kann, steht in den Sternen.

Zum anderen, weil Greyhound 1.200 eigene Busse mit zu Flix bringt. Das passt eigentlich nicht in die „Asset-light“-Strategie der Münchener, die sich als Plattform und nicht als Betreiber verstehen. In so gut wie allen Märkten führen unabhängige Busanbieter die Fahrten im Namen von Flixbus durch. Entsprechend schlank ist die Bilanz des Unternehmens, was sich nun ändern dürfte.

Langfristig will Flixmobility aber auch in den USA sein Plattformmodell verfolgen. Als Blaupause dafür dürfte die Türkei dienen. Auch dort übernahmen die Deutschen 2019 einen etablierten lokalen Linienanbieter mit eigener Flotte. Gegenwärtig sind sie dabei, das Türkei-Geschäft auf das Plattformmodell umzustellen.

Dass dies erfolgversprechender ist, zeigt sich nicht zuletzt in den USA selbst. Während der Platzhirsch Greyhound operativ Verluste einfährt, hat es Flixmobility in nur drei Jahren geschafft, in wichtigen Teilmärkten die Gewinnzone zu erreichen, zum Beispiel an der Westküste der Vereinigten Staaten.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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