29.11.13
Deals

M&A-Deals: Solarworld, NKD, Max Bahr

Solarworld übernimmt einen Teil des Solarenergiegeschäfts von Bosch, der PE-Investor OpCapita will bei NKD die Restrukturierung vorantreiben, Bauhaus rettet einen Teil der Max-Bahr-Märkte vor der Schließung. Diese und weitere M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie hier im FINANCE-Wochenrückblick.

Solarworld besiegelt Kauf von Bosch-Solarsparte

Der Bosch-Konzern kann einen Zwischenerfolg bei seinem Ausstieg aus dem Solarenergiegeschäft verbuchen: Zu einem „symbolischen Preis“, wie es offiziell heißt, hat der Solaranlagenbauer Solarworld die Zell- und Modulfertigung von Bosch in Arnstadt übernommen. An dem Thüringer Standort arbeiten aktuell rund 1.500 Beschäftigte, 800 Angestellte sollen nach dem Verkauf weiterbeschäftigt werden. Die ausländischen Standorte von Bosch Solar und die Tochter Aleo Solar sind von der Transaktion nicht umfasst. Das Closing wird für Februar erwartet, Bosch wurde bei der Transaktion von einem Team der Kanzlei Hengeler Müller unter Leitung von Bernd Wirbel und Thomas Meurer beraten.

Der angeschlagene Solarworld-Konzern schwingt sich mit dem M&A-Deal zu einem der weltgrößten Photovoltaik-Hersteller auf und baut während des laufenden Restrukturierungsprogramms seine eigenen Produktionskapazitäten deutlich aus. Auf die liquiden Mittel werde die Transaktion keinen Einfluss haben, teilte Solarworld mit. Stattdessen möchte das Bonner Unternehmen mit dem Zukauf Synergien heben und die Entwicklungsabteilungen zusammenlegen. Die Einsparungen hat Solarworld dringend nötig: In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres brach der Umsatz um rund 26 Prozent auf 345 Millionen Euro ein. Gleichzeitig kämpft das Unternehmen immer noch mit einer schweren Schuldenlast. Im Sommer verabschiedete Solarworld einen Sanierungsplan inklusive eines Schuldenschnitts bei den beiden Mittelstandsanleihen.

PE-Investor OpCapita kauft NKD

Der Finanzinvestor OpCapita übernimmt den Textildiscounter NKD vollständig. Der Kaufvertrag mit dem bisherigen Eigentümer, der Textilgruppe Daun, sei am 27. November unterzeichnet worden, teilten die Parteien mit. Wieviel OpCapita für die Übernahme zahlt, wurde nicht bekannt. Allerdings teilte der Investor mit, dem Unternehmen zunächst 20 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen, um die Restrukturierung voranzutreiben. Weitere Mittel sollen darüber hinaus fließen, sobald OpCapita den neuen Fonds vollständig aufgelegt und finanziert hat.

Der Kauf umfasst knapp 2.000 NKD-Filialen in der DACH-Region sowie in Italien, Slowenien, Kroatien und Polen. NKD wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Noerr unter Federführung von Holger Alfes beraten. Die neue Eigentümerin OpCapita wurde von Corporate Finance Mittelstand, EY sowie Kirkland & Ellis begleitet.

Bauhaus übernimmt einen Teil der Max-Bahr-Filialen

Kurz nachdem die Gespräche mit der Baumarktkette Globus um die Übernahme eines Großteils der Max-Bahr-Märkte gescheitert sind, können die Insolvenzverwalter von Moor Park, der Eigentümerin von 66 der 73 Max-Bahr-Märkte, einen Teilerfolg vermelden: Die Baumarktkette Bauhaus hat sich mit der insolventen Vermietungsgesellschaft darauf geeinigt, mehr als 20 einzelne Märkte zu übernehmen. Die 1.300 Mitarbeiter der betroffenen Standorte sollen zu den bisherigen Konditionen weiterbeschäftigt werden.

Von einer Gesamtlösung habe man sich verabschieden müssen, wurde Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann in Medienberichten zitiert. In dieser Woche waren zum wiederholten Male die Verhandlungen über einen Kompletteinstieg mit einem Investor fehlgeschlagen. Nachdem Mitte des Monats der Dortmunder Wettbewerber Hellweg aus dem Prozess ausgestiegen war, weil das mittelständische Unternehmen keine Konzerngarantie für die Miete übernehmen wollte, scheiterten schließlich auch die Verhandlungen mit Globus an unterschiedlichen Vorstellungen über den Mietpreis.

Vossloh: Gründerfamilie zieht sich zurück

Die Gründerfamilie hat sich von einem Großteil ihrer Vossloh-Aktien getrennt. Wie die Familie bekanntgab, hat sie 22 Prozent der Anteile an institutionelle Investoren verkauft. Die Papiere sind zu einem Preis von 68 Euro pro Aktie platziert worden. Bislang war die Familie noch mit über 30 Prozent an dem Konzern beteiligt. Hintergrund der Entscheidung sei, dass die Familie sich ohnehin seit langem aus der operativen Führung des Bahntechnikherstellers zurückgezogen habe und nun ihr Vermögen breiter anlegen wolle.

Folge des Rückzugs ist, dass nun Heinz Hermann Thiele mit seinem Anteil von knapp 30 Prozent zum größten Aktionär bei Vossloh aufsteigt. Der Inhaber von Knorr-Bremse und die Gründerfamilie hatten auf der diesjährigen Hauptversammlung einen offenen Machtkampf ausgetragen, da Thiele seine Strategie für Vossloh nicht offenlegen wollte. Überschreitet seine Beteiligung die 30-Prozent-Marke, müsste er den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten. Bislang hatte der Milliardär alle Übernahmespekulationen immer weit von sich gewiesen.

Streit um Asset Deal bei Rhön eskaliert

Nachdem Ende letzter Woche der Rhön-Großaktionär B. Braun Klage gegen den Verkauf eines Großteils der Rhön-Krankenhäuser an den Konkurrenten Fresenius eingereicht hatte, geht die juristische Auseinandersetzung nun offenbar in die nächste Runde. Kreisen holen weitere Rhön-Aktionäre nun zum Gegenschlag aus und wollen ihrerseits Klage gegen B. Braun einreichen. Die Begründung: Der juristische Schritt gegen den M&A-Deal sei rechtsmissbräuchlich.

Das Rhön-Management hatte den Verkauf eines Großteils des Klinikportfolios beschlossen, ohne dabei die Aktionäre über die Hauptversammlung einzubeziehen. Nach der sogenannten „Holzmüller“-Doktrin des BGH muss die Hauptversammlung in extremen Ausnahmefällen bei Verkäufen zustimmen, wenn große Teile des Kerngeschäfts verkauft werden. Nach Einschätzung von Juristen dürften diese Voraussetzungen bei dem Deal nicht erfüllt sein. Experten halten die Chancen der Klage von B. Braun deshalb für gering und werten sie als Manöver, um den Verkaufsprozess zu verzögern.

Wirecard setzt Einkaufstour in Asien fort

Wirecard kauft weiter in Asien zu. Der Münchener Zahlungsdienstleister hat nun sämtliche Anteile an dem indonesischen Unternehmen PT Aprisma Indonesia übernommen. Die Parteien haben sich auf einen Kaufpreis von rund 74 Millionen Euro zuzüglich zweier Earn-out-Komponenten mit einem Gesamtvolumen bis zu 14,5 Milllionen Euro geeinigt. Wirecard rechnet aufgrund der Transaktion mit einem um etwa 6,5 Millionen höheren Ebitda im Geschäftsjahr 2013 und Integrationskosten von rund 1 Million Euro. Erst Mitte September hatte Wirecard drei Gesellschaften der Korvac Gruppe mit Sitz in Singapur und Malaysia übernommen.

Chinesen wollen Solarmodul-Werk von Conergy

Der chinesische Modulhersteller Astronergy plant die Übernahme eines Solarmodulswerks von Conergy. Wie Geschäftsführung und Insolvenzverwalter des insolventen Hamburger Solarkonzerns auf einer Mitarbeiterversammlung bekannt gaben, sollen nach der Übernahme 80 der knapp 300 Arbeitsplätze am betroffenen Produktionsstandort in Frankfurt an der Oder abgebaut werden.

Ferrostaal trennt sich von Flagsol

Ferrostaal hat sich von seiner Tochtergesellschaft Flagsol getrennt. Käufer ist die spanische TSK-Gruppe. Ferrostaal hatte Flagsol erst Mitte 2012 vollständig übernommen. Das Unternehmen ist auf Dienstleistungen für solarthermische Kraftwerke spezialisiert. Flagsol soll nun unter dem Namen TSK Flagsol Engineering weitergeführt werden und seinen Hauptsitz in Köln beibehalten. Ferrostaal wurde bei dem Verkauf von DC Advisory beraten.

Leica übernimmt Sinar Photography

Leica Camera kauft das Schweizer Unternehmen Sinar Photography. Mit der Übernahme des Herstellers für Fachkameras möchte das Unternehmen aus Solms seine Position im Segment Berufsfotografie weiter ausbauen. Über Einzelheiten der Transaktion haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

M&A-News: Personalien

Hengeler Müller hat den M&A-Spezialisten Changfeng Tu ab dem 1. Januar zum neuen Partner im Düsseldorfer Büro ernannt. Changfeng Tu arbeitet seit 2008 für die Wirtschaftskanzlei und ist dort Mitglied des China Desk. Unter anderem hat er den chinesischen Automobilzulieferer Weichai bei der strategischen Partnerschaft mit der Kion-Gruppe begleitet.

Weitere M&A-Deals

Im langwierigen Verkaufsprozess um ihre Tochter BHF-Bank ist die Deutsche Bank einen Schritt vorangekommen. Nachdem die Bafin immer wieder neue Unterlagen von den potentiellen Käufern eingefordert hatte, hat der Finanzinvestor RHJI nun alle erforderlichen Unterlagen eingereicht. Die Finanzaufsicht möchte die Prüfung der Unterlagen bis Mitte Februar 2014 abschließen.

Das Grazer Familienunternehmen Christof Group übernimmt den Bereich Reject Power von Siemens Österreich. Das Linzer Unternehmen ist auf die Produktion spezieller Strom-Wärme-Generatoren für die Papierindustrie sowie für Kommunen spezialisiert. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Nach dem Rückzug von Gründer und Hauptaktionär Norbert Jäger haben die Investoren VR Equitypartner und Süd Beteiligungen die Mehrheit an dem Folienhersteller Duoplast erworben. Nach eigenen Angaben wollen die Investoren die Marktpositioj von Duoplast als Nischenplayer weiter ausbauen. Das Unternehmen mit Standorten in Sünna (Thüringen) und Lauterbach (Hessen) hat 130 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit der Produktion von Spezialfolien für Industrie und Landwirtschaft einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro.

Swatch hat seine Anteile an Luxusladenkette Rivoli aufgestockt und ist nun größter Aktionär des Unternehmens aus Dubai. Swatch war zuvor bereits über seine Tochter Technocorp mit 40 Prozent an Rivoli beteiligt. Rivoli betreibt im Mittleren Osten mehr als 350 Geschäfte und hat rund 1.500 Angestellte. Über die Höhe der Aufstockung hüllt sich der Schweizer Uhrenhersteller in Schweigen.

Die britische Midwich Ltd. hat die Mehrheit an dem Hamburger Unternehmen Kern & Stelly Medientechnik übernommen. Die Käuferin wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Graf von Westphalen beraten. Einzelheiten zur Höhe der Beteiligung sowie zum Kaufpreis wurden nicht bekannt.

Der Mastenhersteller Europoles aus Neumarkt/Oberpfalz hat den osteuropäischen Marktführer Kromiss aus Polen übernommen. Bislang hielt Unternehmensgründer Arkadiusz Laskowski alle Kromiss-Anteile. Er wird nun im Gegenzug mit 10 Prozent an Europoles beteiligt und soll zudem einen Posten in der Europoles-Geschäftsführung erhalten.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de