M&A-Deals: Symrise, FMC, Francotyp-Postalia

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Dufte Deals bei Symrise

Bei Symrise liegt Deal-Duft in der Luft: Der Konzern treibt sich seit ein paar Monaten schon rege am M&A-Markt herum. Drei Mal schon schaffte es der Duft- und Geschmacksstoffhersteller jüngst in unseren FINANCE-Ticker, nun folgen die Transaktionen Nummer vier und fünf: Der Dax-Konzern hat ein verbindliches Angebot für eine Komplettübernahme des Familienunternehmens R. Romani – Société Française d’Aromatiques (SFA Romani) abgegeben. Die französische Firma stellt hochwertige Düfte her. Ebenso wie Neroli Invest DL (Groupe Néroli), für die Symrise ebenfalls eine Offerte vorgelegt hat.

Mit dem Doppel-Deal will Symrise die Präsenz im Bereich der Luxusparfümerie in Südfrankreich festigen, die Wettbewerbsfähigkeit bei der Herstellung von Duftkompositionen stärken und in wichtigen Ländern Europas, Afrikas und des Nahen Ostens die Marktposition ausbauen, erklärten die Holzmindener.

Der gemeinsame Jahresumsatz der beiden Duftunternehmen aus Frankreich beläuft sich auf über 40 Millionen Euro und ist damit überschaubar, verglichen zu den 3,8 Milliarden Euro, die Symrise 2021 umgesetzt hat. Der Abschluss der Transaktionen wird für das zweite Quartal 2022 erwartet. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Dreier-Deal bei Fresenius Medical Care

Die USA sind der wichtigste Markt der Fresenius-Tochter FMC, zuletzt musste der Dialysespezialist jedoch wegen den Folgen der Corona-Pandemie im operativen Geschäft einige Federn lassen. Mit einem Dreier-Deal will der DAX-Konzern nun sein Geschäft rund um die Versorgung von Dialysepatienten stärken und ein neues Unternehmen aus der Taufe heben.

Die nordamerikanische Tochtergesellschaft Fresenius Health Partners soll mit dem Nierenärzte-Netzwerk Interwell Health und Cricket Health, einem US-amerikanischen Anbieter von wertbasierter Nierentherapie mit einer führenden Plattform für Patientendaten, fusionieren. Das neue, unabhängige Unternehmen soll als Interwell Health auftreten. FMC wird das neu geschaffene Unternehmen als Mehrheitseigentümer vollkonsolidieren. Die Bewertung von Interwell Health liegt bei rund 2,4 Milliarden US-Dollar, erklärt Fresenius. 

Durch die strategische Expansion vergrößert sich der US-Markt für FMC von rund 50 Milliarden auf rund 170 Milliarden US-Dollar, so das Bad Homburger Unternehmen. Läuft alles nach Plan, soll die Fusion im zweiten Halbjahr abgeschlossen werden.

Francotyp-Postalia schnappt sich Wettbewerber Azolver

Francotyp-Postalia schlägt am M&A-Markt zu und übernimmt alle operativen Gesellschaften des Wettbewerbers Azolver. Das Unternehmen ist in den sechs Ländern Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Italien sowie in der Schweiz tätig und vertreibt Frankiermaschinen. Darüber hinaus bietet Azolver Softwares für das Asset Tracking sowie für den Paketversand an. Die Einheiten erzielten im vergangenen Jahr gemäß vorläufiger Zahlen einen Umsatz von 30 Millionen Euro sowie einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) über 3,8 Millionen Euro.

Durch die Transaktion können die Berliner ihre Marktposition in den Ländern ausbauen, in denen Azolver bereits aktiv ist, zudem wollen die Firmen das SaaS-Portfolio von Azolver gemeinsam weiterentwickeln. Darüber hinaus sollen die Kunden von Azolver die Produkte und Leistungen von Francotyp-Postalia nutzen können. Schlussendlich soll der Deal auch in das Transformationsprogramm mit dem klangvollen Namen „FUTURE@FP“ einzahlen, denn Teil der Transaktion ist ebenfalls ein voll integriertes Technologie- und Dienstleistungszentrum in Estland, das gemäß der Berliner in den Bereichen Finanzen, Kundensupport, IT und Software-Entwicklung tätig ist. Dieses Zentrum soll künftig ein wichtiger Bestandteil bei Francotyp-Postalia werden.

Die Übernahme finanziert Francotyp-Postalia „überwiegend“ aus frei verfügbaren Kreditlinien, den restlichen Teil des Kaufpreises begleicht das Unternehmen aus eigenen liquiden Mitteln. DLA Piper (Federführung: Mathias Schulze Steinen und Kristin Vogt-Schories) hat Francotyp-Postalia bei der Übernahme beraten. Azolver erhielt Unterstützung von Eq Mngt, Dentons (Daniel Fritz), Dhmp (Sascha Hansmann) und Bird & Bird (Marc Seeger).

ZF Friedrichshafen räumt Portfolio auf

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen verkauft sein weltweites Geschäft der Produktlinie Electronic Interfaces. Käufer ist die inhabergeführte Industriegruppe Aequita. Zu den finanziellen Details wurde Stillschweigen vereinbart. Die ZF-Tochter entwickelt und produziert mit rund 750 Mitarbeitern in Deutschland, China, Mexiko und den USA Schalthebelsysteme, Aktuatoren und haptische Bediensysteme für die Automobilindustrie.

Das Münchener Family Office Aequita will den „versteckten Schatz“, wie Axel Geuer, geschäftsführender Gesellschafter von Aequita Electronic Interfaces nennt, zu einem eigenständigen Unternehmen mit eigener Marke entwickeln. Der Standort im niedersächsischen Diepholz soll als Zentrale mit Forschung & Entwicklung und Produktion erhalten bleiben. Beraten wurde ZF beim Carve-out der Tochter von Latham & Watkins unter Federführung von Ingo Strauss. Käufer Aequita wurde bei der Übernahme von Noerr unter der Leitung von Christoph Thiermann  beraten.

Weitere M&A-Deals

Deal in der Fintech-Szene: Aifinyo und Billomat stehen kurz vor dem Zusammenschluss. Beide Firmen haben sich auf smarte Rechnungen spezialisiert und zielen auf Unternehmer und Freiberufler ab: Aifinyo ist ein Smart-Billment-Partner für Unternehmer und Freiberufler und Billomat eine cloudbasierte Buchhaltungssoftware für die gleiche Zielgruppe. Die Dresdener Aifinyo gab nun die Übernahme sämtlicher Gesellschaftsanteile von Billomat bekannt. Zum Teil erfolgt die Übernahme durch Kauf von Anteilen und zum Teil durch Einbringung der Anteile im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung durch Ausgabe von neuen Aktien. Dazu soll das Grundkapital von Aifinyo um gut 155.000 Aktien erhöht werden. Das Closing erwarten die Fintechs im zweiten Quartal.

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Fintech

Kreditplattformen, Marktplätze für Lieferantenfinanzierung, neue Ansätze beim Schuldschein: Fintechs erobern zahlreiche Produkte des Firmenkundengeschäfts. Was sind die spannendsten Start-ups für CFOs? Und wie reagieren die Banken auf die neuen Player?

Die Consulting-IT-Gruppe All for One schnappt sich Poet, einen Customer-Experience-Spezialisten und SAP Gold Partner. Im zweiten Quartal soll der Deal, zu dessen finanziellen Details die Parteien schweigen, abgeschlossen werden. Mit der geplanten Akquisition, so erklärt All for One, werde indirekt auch die Mehrheit an der ägyptischen Entwicklungsgesellschaft Poet Egypt erworben. Der E-Commerce Dienstleister Poet ermöglicht nach eigenen Angaben einen schnellen und reibungslosen Einstieg in die digitale Transformation. Zu dessen Kundenstamm zählen etwa L’Oréal, Ottobock und Galeria Kaufhof. All for One baut mit Poet das Segment Customer Experience deutlich aus, das bisher die Tochter B4B Solutions mit rund 3.000 Kunden bedient.

Will sich Silvio Berlusconi ProSiebensat.1 nun doch komplett schnappen? Nach mehreren Aufstockungen hat sich Media for Europe (MfE), die Holding des italienischen Medienmoguls und Politikers, jüngst eine Sperrminorität am deutschen Medienkonzern gesichert. Nun heizt MfE-Finanzchef Marco Giordani die Gerüchteküche an: Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sagte Giordani angesprochen auf eine Übernahmeofferte, dass es zwar heute keine Pläne dahingehend gäbe, aber was in einem Jahr sei, werde man dann sehen. Mit Blick auf den wachsenden Wettkampf am Markt durch Google, Facebook und Co. glaubt MfE, dass Europas Medienkonzerne den neuen Konkurrenten langfristig in einer konsolidierten Fernsehsenderallianz werde entgegentreten können. Bisher stieß die Idee in Unterföhring auf wenig Gegenliebe.

In den wöchentlichen FINANCE-M&A-Ticker hat es diesmal auch ein kurioser „Deal“ geschafft: Der russische Milliardär Alexej Mordaschow hat seinen knapp 30-Prozent-Anteil an Tui nach seinem sanktionsbedingtem Rückzug infolge des Ukraine-Kriegs bei dem Reiseunternehmen veräußert. Käufer – oder besser Käuferin – der Anteile war die Gesellschaft Ondero, hinter der – wie sich im Nachhinein herausstellte – Mordaschows Ehefrau Marina Mordashowa steht. Die These: Mit diesem Deal wollte Mordaschow die verhängten Sanktionen gegen russische Oligarchen umgehen. Ob das klappt, ist noch unklar: Die Transaktion wird derzeit auf ihre Wirksamkeit hin geprüft, unterdessen gilt sie als „schwebend unwirksam“ – die Stimmrechte dürfen demnach nicht ausgeübt werden.

Blick in den M&A-Markt

Deutsche Unternehmen waren im vergangenen Jahr wieder öfter Zielscheibe chinesischer Investitionen: Wie eine aktuelle Studie des Big-Four-Hauses EY zeigt, fanden 2021 35 Übernahmen mit chinesischer Beteiligung statt. Im Vorjahr waren es noch 28 Deals. Auch das Investitionsvolumen legte deutlich zu, von 400 Millionen auf 2 Milliarden US-Dollar. Nicht in diesem Wert enthalten sind Risikokapitalinvestments in deutsche Start-ups unter Beteiligung chinesischer Investoren, diese beliefen sich im vergangenen Jahr auf zusätzliche 1,9 Milliarden Dollar. Am gefragtesten waren in Deutschland klassische Industrieunternehmen (12 Transaktionen).

Auf Grund dieser getrennten Rechnung löst Großbritannien Deutschland an der Spitze ab – zumindest in Europa: 2021 tätigten Chinesen 36 Übernahmen in UK, im Vorjahr waren es gerade einmal 21. Insgesamt kauften chinesische Firmen 155 Mal in Europa zu und ließen 12,4 Milliarden Dollar in der Region. Im Vorjahr waren es bei 132 Deals gerade einmal 1,5 Milliarden Dollar Transaktionsvolumen.

Trotz des Anstiegs chinesischer Übernahmen sind Chinesen am europäischen M&A-Markt dennoch eher zurückhaltend, findet Yi Sun, Partnerin und Leiterin der China Business Services in der Region Europe West von EY. Als M&A-Dämpfer empfinden die Firmen Sun zufolge die immer noch währenden Beeinträchtigungen durch die Coronakrise sowie die hohen Hürden für ausländische Beteiligungen in bestimmten Industrien. Zudem sind die Kaufpreise am M&A-Markt zuletzt weiter gestiegen, was dazu führe, dass chinesische Unternehmen bei Auktionen nicht mehr „mitgehen“ wollen.

M&A-Berater-News

Lincoln International bekommt Verstärkung im Debt Advisory: Wie die Investmentbank über „Linkedin“ mitteilte, ist Bernhard Aigner neu im Frankfurter Team. Er steigt als Director bei Lincoln ein und berät in seiner Rolle Unternehmen und Private-Equity-Investoren bei Finanzierungsmaßnahmen, unter anderem im Kontext von M&A-Transaktionen, Recaps und Refinanzierungen. Zuvor war Aigner seinem „Linkedin“-Profil zufolge mehr als sechs Jahre im Leveraged-Finance-Bereich der HSBC tätig. Zu seinen weiteren Karrierestationen gehört die Unicredit.

melanie.ehmann[at]finance-magazin.de

Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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