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M&A-Deals: Targobank, Frauenthal, Deutz

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Die Oldenburgische Landesbank ist von jetzt an Teil der Targobank. Foto: Oldenburgische Landesbank
Die Oldenburgische Landesbank ist von jetzt an Teil der Targobank. Foto: Oldenburgische Landesbank

Crédit Mutuel übernimmt OLB

Die Oldenburgische Landesbank (OLB) ist künftig in französischer Hand. Über die deutsche Tochter Targo Deutschland hat die Crédit Mutuel Alliance Fédérale die Übernahme der OLB abgeschlossen. Die Akquisition dient dem strategischen Plan des französischen Finanzinstituts, das Bancassurance-Modell in Deutschland zu etablieren. Der Markt wird als zweiter Heimatmarkt betrachtet, mit großem Entwicklungspotential. Die Gruppe plant eine solide und langfristige Entwicklung, um ihre Position zu stärken. 

Zudem wird die Targobank mit der Integration der OLB zur zehntgrößten privaten Bank Deutschlands. Die OLB ergänzt das bestehende Angebot der Targobank, das Retailbanking, Autokredite und Factoring umfasst. Die Gruppe verfolgt eine Mehrmarkenstrategie mit Targobank, OLB und dem Bankhaus Neelmeyer, wobei bestehende Kundenbeziehungen unverändert bleiben sollen. Generell betrachtet die Crédit Mutuel Alliance Fédérale Deutschland als zweiten Heimatmarkt mit einem großen Entwicklungspotential.

Frauenthal verkauft Automotive-Sparte nach Italien

Frauenthal hat die Automobilsparte an das italienische Unternehmen Steelco veräußert. Frauenthal, an der Wiener Börse notiert, ist ein diversifizierter Industriekonzern mit zwei Hauptbereichen: Frauenthal Automotive und Frauenthal Handel. Die Automobilsparte, die Metallkomponenten und Drucklufttanks herstellt, erzielte 2024 einen Umsatz von 207,3 Millionen Euro. Steelco, spezialisiert auf Metallverarbeitung, erwartet durch die Übernahme jährliche Umsätze von rund 345 Millionen Euro. Diese Transaktion ermöglicht es Frauenthal, sich strategisch neu auszurichten, während Steelco seine industrielle Plattform erweitert. 

Zudem erweitert Steelco durch die Übernahme die eigene Präsenz im Metallverarbeitungssektor. Der Konzern erhofft sich von der Akquisition Synergien und Effizienzsteigerungen. Frauenthal wurde bei der Transaktion von Clearwater beraten.

Deutz übernimmt Frerk

Das Kölner Unternehmen Deutz akquiriert Frerk Aggregatebau, einen Anbieter von Notstromsystemen in Europa. Frerk, mit Sitz in Niedersachsen und sieben Standorten in Deutschland, ist besonders im Bereich Rechenzentren etabliert, der etwa 50 Prozent des Umsatzes ausmacht. Deutz plant, durch die Übernahme seine Position im globalen Markt für Notstromanlagen zu stärken und unabhängiger vom zyklischen Geschäft mit Verbrennungsmotoren zu werden. Der Kaufpreis liegt im oberen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.  

Deutz erwartet durch den Erwerb einen zusätzlichen Umsatz von rund 100 Millionen Euro und strebt an, diesen bis 2030 auf 500 Millionen Euro zu steigern. Die Integration von Frerk soll substanzielle Synergien entlang der gesamten Wertschöpfungskette schaffen. Marc Hiller bleibt Geschäftsführer von Frerk. 

Im Zuge der Übernahme verkündete Deutz zudem eine Umstrukturierung der bestehenden Konzernstruktur. So wird das Kölner Unternehmen künftig in fünf eigenständige Geschäftsbereiche unterteilt: Defense, Energy, Engines, Newtech und Service.  

Weitere M&A-Deals

Ergo übernimmt den litauischen Versicherer ADB Gjensidige von der norwegischen Versicherung Gjensidige Forsikring ASA. Im Zuge der Transaktion übernimmt Ergo ebenfalls die Niederlassungen in Estland und Lettland. Durch die Integration von ADB Gjensidige steigt Ergo damit zum führenden Nichtlebensversicherer im Baltikum auf. Der Fusionsprozess von ADB Gjensidige und Ergo soll bis zum Jahresende abgeschlossen werden. In diesem Zeitraum werden beide Unternehmen weiterhin als separate Gesellschaften agieren. ADB Gjensidige wird währenddessen seine Marke beibehalten, bevor das Unternehmen in Ergo aufgeht. 

Der Anbieter von Supply-Chain-Lösungen für Verbindungselemente, die Dresselhaus Gruppe, hat eine strategische Partnerschaft mit Fabory geschlossen. Fabory mit Hauptsitz im niederländischen Tilburg ist ebenfalls im Markt für Verbindungselemente aktiv. Ziel der Allianz ist es, die Marktposition in Europa auszubauen, das Kundenportfolio zu erweitern und Kompetenzen in Sortiment, Logistik und Digitalisierung zu bündeln. Die M&A-Beratung IMAP beriet Dresselhaus bei dieser Transaktion. 

Anderson Global, eine international tätige Buy-and-Build-Plattform für Unternehmens- und Fondsdienstleistungen aus den USA, kauft Geschäftsanteile der Finanzdienstleistungs- und Investment-Gruppe Brightpoint Group aus Hamburg. Die Gruppe erhofft sich von dem Zusammenschluss mit dem amerikanischen Unternehmen, die eigene Plattform erweitern zu können. Anderson Global sieht in der Übernahme die Möglichkeit, ihren Kunden bessere Lösungen zu bieten, Wachstum zu fördern und die Plattform um Standorte in Deutschland und Luxemburg zu erweitern. Die Kanzlei Görg beriet die beiden Gründer und Gesellschafter der Brightpoint Gruppe bei dem Deal.

 

M&A-Berater-News

Die Funke Mediengruppe verstärkt ihr M&A-Team. Florian Kroll, bisher Senior Projektmanager in der Konzerngeschäftsführung, stößt als Principal Manager zum DealTeam unter der Leitung von Eva Heneweer. Kroll hat sich bereits mit der Integration von Zukäufen beschäftigt. 

Das Beratungshaus FTI-Andersch holt für seine M&A-Praxis Christopher Weiß, Senior Managing Director in München, der die Leitung für Carve-outs und transaktionsbezogene Dienstleistungen übernimmt. Seit seinem Wechsel von KPMG im Jahr 2015 berät er bei FTI-Andersch Unternehmen in Restrukturierungs– und Finanzierungsprozessen sowie M&A-Transaktionen und Carve-outs. 

Die Kanzlei Milbank erweitert ihre Corporate-Praxis in Deutschland und hat die Anwältin Sarah-Maria Resch per Januar 2026 zur Partnerin ernannt. Resch berät Private-Equity-Investoren, Family Offices und Unternehmen bei M&A-Transaktionen, Leveraged Buy-outs und Joint Ventures. Mit dieser Ernennung erhöht sich die Zahl der Partner von Milbank in Deutschland auf 22. 

Deals in Verhandlung

Der Energiekonzern Uniper leitet den Verkauf seines Heliumgeschäfts ein. Interessenten können bis zum 28. Januar 2026 eine Offerte einreichen. Angeboten wird ein Portfolio internationaler Kauf-, Verkaufs- und Lagerverträge für Helium sowie Container für Edelgas. Die Transaktion soll laut Uniper kein Personal umfassen. Die Europäische Kommission hatte die Veräußerung als Bedingung für die staatliche Rettung Unipers im Jahr 2022 festgelegt. Clearwater agiert beratend aufseiten von Uniper während des Verkaufsprozesses.

Nexans, ein französischer Anbieter im Bereich nachhaltige Elektrifizierung, plant den Verkauf der deutschen Tochter Nexans Autoelectric an Samvardhana Motherson International. Der in Indien ansässige Käufer bietet ein breites Portfolio an Automobilsystemen und -komponenten an. Mit der Transaktion befindet sich Nexans auf der Zielgeraden des strategischen Transformationsprozesses zu einem reinen Elektrifizierungsanbieter. Nexans hat seit 2023 nahezu alle seine Nicht-Elektrifizierungsaktivitäten veräußert. Die Durchführung der Veräußerung könnte sich Motherson zufolge Mitte dieses Jahres abspielen. Begleitet werden die Verhandlungen über den Deal von der Kanzlei Linklaters. 

Die Marinesparte von Thyssenkrupp, TKMS, hat ein nicht bindendes Angebot zur Übernahme der Werft German Naval Yards Kiel (GNYK) abgegeben. GNYK gehört derzeit zum französischen Familienkonzern CMN Naval. Die Gespräche zwischen den beiden Unternehmen sind noch offen, während TKMS die Bücher der Werft prüft, berichtet das „Manager Magazin“. TKMS-Chef Oliver Burkhard betonte, dass eine schnelle Entscheidung angestrebt wird, da die Werft in direkter Nachbarschaft zu den eigenen Anlagen in Kiel liegt. Zudem nutzt TKMS bereits teilweise die Anlagen von GNYK. Neben TKMS zeigt auch die britische Inocea Group Interesse an der Übernahme von German Naval Yards Kiel.

M&A-Gerüchteküche

Henkel möchte offenbar weiter in den USA expandieren. Der Düsseldorfer Konsumgüterriese soll laut einem Handelsblatt“-Bericht ein Übernahmeangebot für Olaplex Holdings vorgelegt haben. Der Haarpflegespezialist ist derzeit an der US-amerikanischen Technologiebörse Nasdaq mit rund 900 Millionen US-Dollar bewertet. 

Neue Entwicklungen bei Thyssenkrupp: Die Stahlsparte könnte in mehreren Schritten an die indische Jindal Steel International verkauft werden, wie die Börsen-Zeitung“ berichtet. So soll der indische Konzern in einem ersten Schritt 60 Prozent von Thyssenkrupp Steel übernehmen. Je nach Sanierungsstand würden zwei weitere Tranchen zu je 20 Prozent folgen.  

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.