In den vergangenen Jahren sind immer mehr Unternehmen Joint Ventures eingegangen. Mit den Ergebnissen der Zusammenarbeit sind allerdings nur wenige wirklich glücklich. Dies ist das Ergebnis der Studie „Getting More Value from Joint Ventures“ des Beratungshauses BCG. Für die Studie wurden Führungskräfte aus gut 70 Unternehmen in zehn verschiedenen Industrien mit Joint-Venture-Erfahrung weltweit befragt. 29 Prozent der befragten Unternehmen kommen aus Europa.
Die Anzahl der angekündigten Joint Ventures ist der Untersuchung zufolge zwischen 2009 und 2013 um 4 Prozent gestiegen. Sie nahm damit um einen Prozentpunkt stärker zu als die Anzahl der angekündigten M&A-Deals insgesamt. Insbesondere Märkte wie China oder Indien stehen bei den Joint Ventures im Fokus. Der Trend dürfte sich fortsetzen: 78 Prozent der Befragten planen der Umfrage zufolge, ihre Joint-Venture-Aktivitäten in Asien beizubehalten oder zu erhöhen.
Joint Ventures: Mitunter einziger Weg zum Marktzugang
Als Hauptgründe für Joint Ventures identifiziert die Studie vier Mechanismen: So ermöglichten die Partnerschaften es im Idealfall, neue Märkte schneller zu erschließen. Die Unternehmen gewinnen darüber hinaus Expertise bei Technologien oder Produktentwicklung hinzu, sie erhöhen ihre Produktionsleistung und können die Geschäftsentwicklung durch den Zugang zu neuen Vertriebsnetzen ausbauen.
Allerdings entstehen viele Joint Ventures nicht allein aus strategischen Gründen. Insbesondere in China seien Joint Ventures aufgrund der strengen regulatorischen Beschränkungen oft die einzige Möglichkeit für Investoren, einen Marktzugang zu erhalten, räumen die BCG-Analysten ein. Märkte wie Indien oder Indonesien seien oft einfach zu komplex, als dass sich ausländische Investoren im Alleingang durchsetzen könnten.
Oft bringen Joint Ventures nicht das gewünschte Ergebnis
Mit den Resultaten der gemeinschaftlichen Bemühungen sind die Unternehmensverantwortlichen allerdings in vielen Fällen nicht besonders glücklich. 19 Prozent gaben an, sie seinen unzufrieden mit der Wertentwicklung des Joint Ventures. Weitere 73 Prozent gaben an, die Wertentwicklung könnte besser sein. Insgesamt glauben damit neun von zehn Befragten, dass sie eigentlich einen höheren Nutzen aus den bisherigen Partnerschaften hätten ziehen können.
Auch die Leistungsbereitschaft des Gegenübers bewerten die Unternehmen ambivalent. Mehr als die Hälfte gab an, mehr in die Partnerschaft eingezahlt als Nutzen aus ihr gezogen zu haben. Immerhin 27 Prozent sehen die Entwicklung zwischen den Partnern im Gleichgewicht. Nur 19 Prozent glauben, dass sie stärker vom Joint Venture profitiert haben als der Partner.
So wird ein Joint Venture erfolgreich
Als wichtigste Grundlage, um Erfolg mit Joint Ventures zu haben, bezeichnet die Studie eine sorgfältige Planung und ein nachhaltiges Management des gemeinschaftlichen Unternehmens. Schlecht definierte strategische Ziele waren für mehr als 60 Prozent der Gefragten ein großes Hindernis beim Aufsetzen des Joint Ventures.
Zudem sollten die Governance-Strukturen auf die Fähigkeiten und Kapazitäten des Partners zugeschnitten werden. Die Organisations- und Governance-Struktur bezeichneten auch 35 Prozent der Umfrageteilnehmer als kritischen Punkt bei Joint Ventures. Zudem sollte die Kooperation die externen Rahmenbedingungen wie etwa das politische System oder die Auswahl an Fachkräften mit einbeziehen. Um Reibereien zu vermeiden, rät BCG auch, sich rechtzeitig mit dem möglichen Ende des Joint Ventures zu befassen: Die Art und den Zeitpunkt des Ausstiegs sollten die Partner im Vorhinein absprechen. Jeder fünfte Umfrageteilnehmer räumte ein, dass ein klarer Exit-Plan gefehlt habe.
