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Mercedes-Benz steigt in Batterie-Joint-Venture ACC ein

Mercedes-Benz wird Joint-Venture-Partner von Stellantis und Totalenergies. Gemeinsam wollen die Unternehmen nachhaltige Batteriezellen produzieren. Foto: Daimler
Mercedes-Benz wird Joint-Venture-Partner von Stellantis und Totalenergies. Gemeinsam wollen die Unternehmen nachhaltige Batteriezellen produzieren. Foto: Daimler

M&A-Deal in der Automobilbranche: Mercedes-Benz beteiligt sich mit 33 Prozent an der Automotive Cells Company (ACC), einem Joint-Venture des Automobilkonzerns Stellantis (Groupe PSA und Fiat Chrysler) und dem Ölkonzern Totalenergies. Das gaben die Unternehmen am heutigen Freitag bekannt. Auch Stellantis und Totalenergies halten jeweils 33 Prozent der Anteile. Damit sind die Stuttgarter ein gleichberechtigter Gesellschafter. Sie erhalten zwei der sechs Sitze im ACC-Aufsichtsrat. Die Transaktion unterliegt noch den üblichen Vollzugsbedingungen, darunter der Vereinbarung über die endgültige Dokumentation sowie der Zustimmung der Behörden.

Über 7 Milliarden Euro sollen in ACC fließen

ACC ist ein Batteriezellenhersteller, der sich auf die Entwicklung und Produktion von Hochleistungsbatteriezellen und -modulen für E-Fahrzeuge spezialisiert hat. Im Januar 2020 gaben PSA und Totalenergies die Pläne für das Joint-Venture bekannt, im vergangenen September wurde das Gemeinschaftsunternehmen offiziell besiegelt. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Bordeaux hat bereits seinen Betrieb aufgenommen. Am Pilotstandort im französischen Nersac will ACC Ende dieses Jahres die Produktion starten. Geleitet wird ACC von dem französischen Manager Yann Vincent (CEO), Aufsichtsratschef ist Ghislain Lescuyer.

ACC ist damit ein noch junges Milliardenprojekt: Insgesamt wollen Totalenergies, Stellantis und Mercedes-Benz über 7 Milliarden Euro in das Gemeinschaftsunternehmen investieren. Die Summe setzt sich dabei aus Eigenkapital, Fremdkapital und öffentlichen Fördergeldern zusammen. Wie hoch die Anteile von Eigen- und Fremdkapital sowie Fördergeldern sind, gab der Konzern auf FINANCE-Nachfrage nicht bekannt.

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Mercedes-Benz steckt „unter einer Milliarde Euro“ in ACC

Zur Aufnahme des Joint-Ventures im September vergangenen Jahres teilte die Groupe PSA mit, gemeinsam mit Totalenergies insgesamt mehr als 5 Milliarden Euro in das Joint-Venture investieren zu wollen. 1,3 Milliarden Euro stammten dabei aus Deutschland und Frankreich. Ob und inwiefern sich diese Beträge durch den Einstieg von Mercedes-Benz verändern, ist nicht bekannt.

Mercedes-Benz teilte lediglich mit, insgesamt „unter einer Milliarde Euro“ in ACC investieren zu wollen. Den Betrag will der Autobauer zudem nicht auf einen Schlag ausgeben: Im kommenden Jahr belaufen sich die Investitionen von Mercedes-Benz nach eigenen Angaben auf einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. In welchem Zeitraum der Gesamtbetrag ausinvestiert sein soll, gaben die Stuttgarter nicht bekannt.

ACC will weitere Werke in Europa bauen

Die Aufgabenverteilung nach dem Einstieg von Mercedes-Benz ist bereits definiert: Totalenergies mit der Batterietochter Saft arbeitet im Bereich Forschung und Entwicklung, Stellantis will Wissen über den Automobilmarkt, die Produktion sowie Industrialisierungskompetenz einbringen. Mercedes-Benz stellt Technologie- und weiteres Produktions-Know-how und will beim Ausbau des Produktionsnetzwerks um weitere Standorte in Europa unterstützen. Im Rahmen der Kooperation mit Mercedes-Benz will ACC die Kapazität der europäischen Werke mehr als verdoppeln.

Das übergeordnete Ziel der Joint-Venture-Parteien ist ambitioniert: Man möchte „europäischer Marktführer für Batteriezellen und -module […] werden, die saubere und effiziente Mobilität für alle ermöglichen“, heißt es in der Mitteilung von Mercedes-Benz. Die auf die Anforderungen von Mercedes-Benz zugeschnittenen Batterien sollen dabei komplett in Europa entwickelt sowie produziert werden und laut Mercedes-Benz den Qualitätsstandards der Stuttgarter genügen. So sollen sie unter anderem zu mindestens 95 Prozent recyclingfähig sein. Ab Mitte der Dekade will ACC Mercedes-Benz mit Batteriezellen und -modulen aus den eigenen Produktionsstandorten beliefern.

Mercedes-Benz hofft auf Skaleneffekte aus Joint-Venture

Aus dem Joint-Venture soll sich auch ein Vorteil für die Kunden von Mercedes-Benz ergeben: „Mercedes-Benz Kunden können von der einzigartigen Kombination aus technologischem Know-how, Produktionserfahrung und den Skaleneffekten des Joint Ventures profitieren. Durch die Partnerschaft sichern wir uns die Lieferumfänge, nutzen Skaleneffekte und können unseren Kundinnen und Kunden überlegene Batterietechnologie bieten“, lässt sich Vorstandschef Ola Källenius zitieren.

Der Mutterkonzern Daimler hatte sich im Sommer dieses Jahres vorgenommen, selbst in Batteriezellwerke zu investieren – um die eigene Versorgung mit Batterien zu gewährleisten, aber auch, um ein Gegengewicht zu den Wettbewerbern aus China und Südkorea zu bilden und sich von ihnen weniger abhängig zu machen. Dafür hatte der Konzern nach Partnern gesucht.

olivia.harder[at]finance-magazin.de


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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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