Das Management der MVV Energie sieht sich schweren Vorwürfen bezüglich handwerklicher Fehler ausgesetzt. Die Due Dilligence im Rahmen des Einstiegs bei Juwi soll nicht tiefgehend genug gewesen sein.

MVV Energie

31.07.15
Deals

MVV Energie droht Schadensersatzklage nach Juwi-Deal

Der MVV Energie droht Ärger aus ihrem Juwi-Engagement. Die Verbraucherzentrale für Kapitalanleger fordert die Aktionäre zur Schadensersatzklage gegen die Stadt Mannheim und das MVV-Energie-Management auf. Die MVV Energie weist die Vorwürfe zurück.

Die Verbraucherzentrale für Kapitalanleger (VzfK) kritisiert den Einstieg der MVV Energie bei Juwi scharf. Sie sieht die Interessen der Aktionäre durch den M&A-Deal beeinträchtigt und wirft den MVV-Energie-Verantwortlichen schwere handwerkliche Fehler vor.

Die Verbraucherzentrale fordert die Aktionäre der MVV Energie deshalb auf, bei der nächsten Hauptversammlung Schadensersatz gegen die Stadt Mannheim, die indirekt die Mehrheit an der MVV Energie hält, sowie gegen das Management der MVV Energie und den Aufsichtsrat zu erheben. Die Verbraucherschützer stützen diesen Aufruf auf die angebliche Unzufriedenheit vieler Aktionäre mit dem Einstieg beim angeschlagenen Windbauprojektierer Juwi im vergangenen Winter.

VzfK wirft MVV Energie schwere handwerkliche Fehler vor

Die VzfK sieht bei der MVV Energie massive handwerkliche Fehler, insbesondere im Rahmen der Due Diligence. In der Begründung des Antrags wirft die VzfK, die nach eigenen Angaben bereits im Vorfeld gegen den Einstieg bei dem Windparkprojektierer war, der MVV Energie vor, sie habe die Mehrheitsbeteiligung „ohne eine vollumfängliche Due Diligence der Projektpipeline“ erworben. Laut Auskünften in der Hauptversammlung der MVV Energie vom 13. März dieses Jahres, so schreibt die VzfK, habe die MVV Energie „lediglich auf den Independent Business Review von Roland Berger, der 100 Projekte umfaßte, aufgesetzt“. Dabei seien nicht alle Projekte bewertet, sondern nur Stichproben gemacht worden. Ein auf Grundlage der Projektpipeline erstellter Business Plan sei nach der Ertragswertmethode bewertet worden.

Die VzfK kritisiert, die Vorstände hätten sich „mithin primär auf die Untersuchungen von Roland Berger verlassen“. Da die Sanierungsberatung auf Druck der Kreditgeber von Juwi an Bord war, sieht die VzfK in den Analysen „damit naturgemäß keine unabhängige und keine hinreichende Grundlage für eine Investitionsentscheidung“. Insgesamt bezeichnet die VzfK das Verhandlungsergebnis als „schwach“ – die MVV Energie sei alleiniger Interessent gewesen, Juwi habe bei einem Scheitern des M&A-Deals die Insolvenz gedroht. Das wenig schmeichelhafte Fazit der VzfK: „Auf jeden Fall hätte für den investierten Betrag eine weitaus höhere Beteiligung zu Lasten der Quote der Altaktionäre erzielt werden müssen.“ So bliebe der Eindruck, dass die Juwi-Gründer und die Banken „einen Dummen gefunden haben.“

Bisher beruhen diese Anschuldigungen allerdings auf einem Verdacht. Ein solcher Verdacht allein dürfte als Grundlage für eine erfolgreiche Klage nicht ausreichen, weshalb die VzfK die Aktionäre dazu auffordert, einen "unabhängigen besonderen Vertreter" zu wählen. Dieser hätte dann weitreichendere Aufklärungsbefugnisse. Das MVV-Energie-Management müsste diesem Vertreter alle relevanten Informationen zum Einstieg bei Juwi offenlegen.

MVV Energie weist die Vorwürfe zurück

Ein MVV-Energie-Sprecher verwies auf Nachfrage von FINANCE auf die letzte Hauptversammlung. Dort sei von einigen Gegnern einzelner lokaler Standorte von Juwi-Windprojekten Kritik geübt worden. Auch die VzfK kritisiert insbesondere ein Windparkprojekt in Neu-Anspach. „Gleichzeitig gab es, gerade auch von den Vertretern der Anlegerschutzgemeinschaften, viele positive Kommentare zur Geschäftspolitik“, sagte der MVV-Energie-Sprecher weiter.

Die Vorwürfe der VzfK, für den Einstieg bei einem Sanierungsfall wie Juwi mit 100 Millionen Euro zu viel gezahlt zu haben und bei diesem Investment keine Due Dilligence „in der gebotenen Tiefe“ vorgenommen zu haben, weist MVV Energie entschieden zurück. Ein Sprecher bezeichnete die Vorwürfe gegenüber FINANCE als „gegenstands- und haltlos“. Selbstverständlich habe das Unternehmen vor seinem ‎Einstieg bei der Juwi AG Ende 2014 eine Unternehmensbewertung als Grundlage der Kapitalerhöhung durchgeführt. Weitere Details zu Art und Umfang der Unternehmensbewertung nannte die MVV Energie nicht.

MVV Energie rettete Juwi mit Eigenkapitalspritze

MVV Energie hatte im Dezember 2014 im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit einem 50,1-Prozent-Anteil die Mehrheit am angeschlagenen Windbauprojektierer übernommen und Juwi damit vor dem Exodus bewahrt.

Im Anschluss an die Mehrheitsübernahme stellte das MVV-Management ein neues Finanzierungskonzept für Juwi auf die Beine. Neben der Eigenkapitalspritze durch MVV bleiben auch die bestehenden Finanzierungspartner an Bord. Zudem haben mehr als 40 Finanzinstitute Kreditverträge im Volumen von rund 300 Millionen Euro unterzeichnet. Marcus Jentsch, langjähriger Leiter Investor Relations bei MVV Energie, hat den CFO-Posten bei Juwi übernommen. Der 45-jährige Philipp Riemen, der 15 Jahre lang in leitenden Positionen im Bereich Corporate Finance und M&A bei MVV Energie tätig war, übernimmt zum 1. August die Nachfolge als Bereichsleiter Finanzen und Investor Relations bei der MVV Energie.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Der Absturz von Juwi und der lange Weg unter das Konzerndach von MVV – die wichtigsten Hintergründe auf unserer FINANCE-Themenseite zu Juwi.