Das Übernahme-Poker um das operative Geschäft von Balda geht weiter.

Balda AG

21.10.15
Deals

PE-Investor Paragon bessert Balda-Angebot nach

Die M&A-Verhandlungen um Balda werden noch undurchsichtiger. Nach einem überraschenden Gegenangebot legt Paragon 3 Millionen drauf – obwohl der Vertrag längst unterschrieben ist.

Das Verwirrspiel beim Verkauf des operativen Geschäfts vom Kunststoffteilehersteller Balda geht weiter. Der PE-Investor Paragon bessert sein Übernahmeangebot nach, obwohl der Kaufvertrag eigentlich schon Ende September unterzeichnet wurde. Ende September verkündete Balda jedoch überraschend ein Gegenangebot von der Industrieholding Heitkamp & Thumann.

Paragon bietet jetzt einen Kaufpreis von 65,9 Millionen Euro für die operativen Geschäftseinheiten von Balda. Zuvor hatte der PE-Investor 62,9 Millionen Euro geboten. Darüber hinaus erklärt sich der PE-Investor bereit, das vereinbarte Verkäuferdarlehen über 25 Millionen Euro um weitere 3 Millionen Euro aufzustocken. Paragon verpflichtet sich außerdem, das Darlehen in Anspruch zu nehmen und auf eine vorzeitige Rückzahlung zu verzichten.

Für Balda, also den Teil des Unternehmens, der nach der Übernahme nur noch eine Hülle ohne operatives Geschäft ist, bedeutet das weitere Zinseinnahmen, mit denen die Anteilseigner fest rechnen können. Das Darlehen wird mit 7,5 Prozent über dem Drei-Monats-Euribor verzinst und hat eine Laufzeit von drei Jahren.

Insgesamt würden dem Unternehmen durch einen Verkauf an Paragon ein Bruttoertrag von 75,9 Millionen Euro zufließen, erklärt das Management. Damit schlägt der PE-Investor das Gegenangebot von der Industrieholding Heitkamp & Thumann. Mit einem Verkauf an H&T würde Balda nur 73,9 Millionen Euro realisieren.

Paragon lässt sich auf Übernahmepoker um Balda ein

Aus früheren Meldungen konnte man schließen, dass Balda Paragon auch zum ursprünglichen Preis zugestanden hätte – schließlich haben beide Parteien einen Kaufvertrag unterzeichnet. Und der Hauptaktionär von Balda, Thomas van Aubel mit seiner Beteiligungsgesellschaft Elector, dürfte eigentlich so oder so verpflichtet gewesen sein, bei der kommenden Hauptversammlung für den Kaufvertrag mit Paragon zu stimmen.

Elector hält derzeit 29,4 Prozent an Balda. Ohne die Zustimmung des Hauptaktionärs schienen die Chancen für H&T, das nötige Quorum auf der Hauptversammlung für das Gegenangebot zu erreichen, mehr als dünn. Die Versammlung ist – vorsorglich zweitägig – für den 30. November und 1. Dezember geplant. Ein Deal kommt nur dann zustande, wenn einer der beiden Bieter eine Mehrheit von 75 Prozent erhält.

Show Down auf der Hauptversammlung

Aber Paragon sind möglicherweise Zweifel daran gekommen, dass die Übernahme zum ursprünglichen, von H&T überbotenen Preis durchgeht. Mit dem neuen Angebot will sich der PE-Investor offenbar endgültig auf die sichere Seite bringen.

Auf der Hauptversammlung wird sowohl über das neue Angebot von Paragon als auch über das H&T-Angebot abgestimmt. Darüber hinaus präsentiert das Unternehmen auch noch eine Klausel, die den Kaufvertrag mit Paragon noch ungültig machen könnte. Wenn H&T oder ein dritter Interessent ein Angebot von mindestens 74 Millionen Euro abgeben würde, dann entfielen die Verträge mit Paragon vollständig, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. Für den PE-Investor gebe es dann nur eine Abstandszahlung von 1,4 Millionen Euro. Der Poker um Balda ist noch nicht zu Ende.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Der M&A-Poker ist nicht die erste Kuriosität in der Börsengeschichte Baldas. Was bisher geschah, können Sie bequem auf unserer FINANCE-Themenseite zu Balda nachlesen.