Der österreichische Investor Stefan Pierer interessiert sich für den Aalener Motorkomponentenhersteller SHW.

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19.07.17
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Pierer kauft sich Zeit im Bieterkampf um SHW

Der Investor Pierer hat alle Bedingungen für das Übernahmeangebot von SHW fallen gelassen, aber beim Preis nicht nachgebessert. Die Aktionäre des Autozulieferers dürfte das kaum überzeugen – sie spekulieren längst auf einen Bieterkampf.

Der österreichische Investor Stefan Pierer intensiviert sein Buhlen um den Autozulieferer SHW. Wie Pierer über sein Vehikel Pierer Industrie bekanntgegeben hat, lässt der Unternehmer nach einem Gespräch mit dem SHW-Management alle Bedingungen für das Übernahmeangebot fallen. Dadurch verlängert sich die Annahmefrist um zwei Wochen auf den 25. August.

Mit der Anpassung der Angebotsbedingungen gibt es nun keine Mindestannahmeschwelle mehr. Ursprünglich hatte Pierer gefordert, dass ihm mindestens 30 Prozent der SHW-Anteile angedient werden. Pierer hält über sein Vehikel sowie über seine Beteiligung QCP Swiss bereits knapp 19 Prozent der Anteile an den Aalenern. Auch die Bedingung, dass Kapitalmaßnahmen seitens SHW unterbleiben, entfällt.

Pierer hebt das Übernahmeangebot für SHW nicht an

An der wichtigsten Stellschraube hat der Österreicher indes nicht gedreht: Der Preis seiner Offerte liegt nach wie vor bei 35 Euro. Er wurde vom SHW-Vorstand bereits als zu niedrig bemängelt. Kurz nach dem Bekanntwerden der Übernahmepläne waren die SHW-Aktien von 32 Euro nach oben gesprungen und notieren derzeit bei 37 Euro – deutlich über dem Pierer-Angebot.

Der Börsenwert von SHW beläuft sich auf knapp 240 Millionen Euro. Einer Sprecherin von Pierer zufolge hätten sich Hedgfonds bei SHW eingekauft, die auf ein höheres Angebot spekulierten.

Entsprechend ist bislang noch kein SHW-Aktionär auf das Angebot von Pierer eingegangen: Einer Wasserstandsmeldung vom Montagabend zufolge hatte bis dahin noch kein einziger Eigentümer seine Aktien angedient. Der Verzicht auf die Angebotsbedingungen dürfte daran angesichts des Aktienkurses jedoch nur wenig ändern.

SHW-Aktionäre spekulieren auf eine Übernahmeschlacht

Die SHW-Investoren spekulieren offenbar auf einen Übernahmekampf um den Zulieferer, der den Aktienpreis in die Höhe treiben könnte. Denn Pierer ist nicht der einzige Investor, dem Interesse an SHW nachgesagt wird.

Die chinesischen Anhui ARN Group hält etwas weniger als 10 Prozent an den Aalenern. Sie hatte im März angekündigt, in den kommenden Monaten weitere Anteile aufkaufen zu wollen. Auf das Angebot von Pierer hat Anhui ARN bislang jedoch nicht reagiert.

Mittlerweile haben sich die Managements von SHW und Pierer Industrie persönlich kennengelernt. Pierer sprach von einem „positiven Treffen“. Auch das Management von SHW, dass die Offerte zunächst als feindlich eingestuft hatte, äußerte sich versöhnlich. Man sei bereit den begonnenen Dialog fortzusetzen. Konkrete Absprachen seien aber nicht getroffen worden.

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